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Mindelheim

15.05.2019

Der Mindelheimer Weltladen wird 25 Jahre alt

Georg Scheuermann sowie Beate und Heike Rudolph sind nur drei der „Überzeugungstäter“ die sich schon seit vielen Jahren im Mindelheimer Weltladen engagieren. Jetzt feiert das Geschäft sein 25-jähriges Bestehen.
Bild: baus

Wie sich der Weltladen in Mindelheim entwickelt hat und warum dort heute längst nicht mehr nur „Öko-Sozialbewegte“ einkaufen.

Manch einer war anfangs skeptisch, ob das wohl gut geht, ein Weltladen in Mindelheim. Inzwischen ist längst klar: Ja, es geht gut. So gut sogar, dass der gemeinnützige Laden, der sich für fairen Handel und gerechte Löhne insbesondere in Entwicklungsländern einsetzt, nun sein 25-jähriges Bestehen feiern kann. Der Festabend mit Produkt- und Modenschau, Musik vom Elias-Prinz-Swingtett und einem Fingerfood-Buffet findet am Freitag, 17. Mai, ab 19 Uhr im Pfarrsaal St. Stephan statt. Und am Samstag, 18. Mai, wird nach der Dankandacht, die um 8.30 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche beginnt, von 9.30 bis 11 Uhr im Weltladen ein faires Frühstück angeboten. Dort gibt es außerdem Jubiläums-Schokolade zu kaufen und alle Kunden nehmen an einer Verlosung teil.

Die Anfänge in Mindelheim waren bescheiden

Wer heute vor der schmucken Eingangstür steht, kann sich kaum vorstellen, wie bescheiden der Weltladen vor 25 Jahren angefangen hat – und dass hier zuvor ausgerechnet ein Ein-Euro-Laden untergebracht war. Initiiert hatte den Weltladen Carmen Glasmann, nachdem sie einen Film über Arbeiter auf den Kaffeeplantagen von Guatemala gesehen hatte – und schockiert war von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Weil sie von dem afrikanischen Sprichwort überzeugt war, das besagt „viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Welt verändern“, hat sie im Mai 1994 mit etwa 20 Gleichgesinnten den Eine-Welt-Kreis Mindelheim gegründet. Nach dem Gottesdienst verkauften sie Kaffee, Tee, Reis, Körbe, Taschen und Skulpturen vor allem aus Peru. Damit sie die Waren überhaupt anschaffen konnten, hatte ihnen die evangelische Kirchengemeinde ein zinsloses Darlehen gewährt.

Der erste Weltladen wurde dann noch im Dezember des selben Jahres in der Dreerstraße eröffnet, erinnert sich Beate Rudolph. Der Raum konnte zwar mit einem Ölofen beheizt werden, im Winter war es trotzdem oft kalt. Doch davon ließen sich weder das ehrenamtliche Personal noch die Kunden abschrecken. Beide waren, wenn man so will, „Überzeugungstäter“: „Das war anfangs die Schicht der Öko-Sozialbewegten, die den Kaffee aus Gutherzigkeit gekauft haben, obwohl er vielleicht bitter war“, sagt Dr. Georg Scheuermann vom Weltladen-Vorstand schmunzelnd. Die Qualität der Produkte habe damals schon manchmal zu wünschen übrig gelassen, bestätigt auch Beate Rudolph. „Da musste man den Produzenten erst einmal klar machen, dass sie sich schon auch anstrengen müssen, wenn sie ihre Produkte in der westlichen Welt verkaufen wollen“, sagt sie.

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Die Auswahl im Weltladen wurde immer größer

Inzwischen ist das kein Thema mehr – und das Sortiment aus den Anfangsjahren mit dem heutigen kaum mehr zu vergleichen. Zwar gibt es Kaffee, Tee, Reis und Körbe nach wie vor, aber inzwischen in großer Auswahl und zudem jede Menge weitere Produkte von Schmuck über Geschirr bis hin zu Zahnbürsten oder waschbarer Küchenrolle. „Das Sortiment hat sich vervierfacht“, schätzt Beate Rudolph. „Und es holt Trends wie Up- und Recycling in den Laden“, sagt ihre Schwiegertochter Heike Rudolph und präsentiert Taschen und Geldbeutel aus ausgedienten Moskitonetzen.

Doch nicht nur das Sortiment ist gewachsen, sondern auch die Zahl der Mitglieder. Mehr als 100 hat der Verein inzwischen, etwa 36 davon sind durchschnittlich zweimal im Monat im Laden aktiv. Georg Scheuermann will damit einen Beitrag leisten zur Bewahrung der Schöpfung und für einen gerechten Handel, Beate und Heike Rudolph engagieren sich aus ähnlichen Motiven. „Auch in anderen Erdteilen sollen die Menschen gut leben und ihre Kinder zur Schule schicken können, um so aus der Armut rauszukommen“, sagt Heike Rudolph und auch ihrer Schwiegermutter liegt es am Herzen, dass die Menschen dort faire Löhne bekommen und sich so etwas aufbauen können.

Die Arbeit im Laden macht ihr großen Spaß: „Wenn ich die neue Ware auspacke, ist das wie Weihnachten“, sagt sie und räumt schmunzelnd ein, dass die Mitarbeiter immer die besten Kunden seien. Gleichzeitig betont sie aber auch: „Wir spielen aber nicht Kaufladen.“ Alle Mitarbeiter würden zuvor geschult und einmal im Jahr gebe es einen Fortbildungstag. Bei zusätzlichen Mitarbeitertreffen werden neue Produkte und Aktionen vorgestellt. Aktuell unterstützt der Weltladen das indisches Straßenkinder-Projekt „Karm Marg“. Sie versuchen, „das Beste aus dem Wenigsten zu machen“ und stellen Taschen aus indischen Tageszeitungen her.

Weil der Verein keinen Gewinn erwirtschaften darf, unterstützt er mit den Verkaufserlösen noch etliche weitere Projekte und Organisationen wie etwa die Maristen-Schulbrüder in Kenia und Kambodscha und die Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica. Zuletzt floss Geld nach Mosambik, wo im April zwei Zyklone gewütet und verheerende Schäden hinterlassen haben: Hunderte Menschen sind in den Wassermassen ertrunken, Hunderttausende seither obdachlos und Teile der Ernte vernichtet.

Daneben fließt der Erlös aber auch in den Laden selbst, um ihn attraktiv zu halten. Denn schließlich sollen die Produzenten in erster Linie von höheren Umsätzen profitieren und nicht von Spenden.

Festabend und faires Frühstück in Mindelheim

Der Festabend zum Jubiläum findet am Freitag, 17. Mai, um 19 Uhr im Pfarrsaal St. Stephan statt. Am Samstag, 18. Mai, beginnt um 8.30 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche eine Dankandacht. Im Anschluss wird im Weltladen von 9.30 bis 11 Uhr ein faires Frühstück angeboten.

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