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Unterallgäu

20.06.2018

Der "Scheich von Rammingen" schottet sich ab

Die Gerüchteküche brodelt, seit vor dem Anwesen in dem 1500-Seelen-Dorf im Unterallgäu ein dickes Auto mit katarischem Kennzeichen steht: Wer ist der geheimnisvolle Neu-Ramminger, der seit kurzem hier wohnen soll. Wir machten uns auf Spurensuche.
Video: Alf Geiger

Seit einigen Tagen soll ein Scheich aus Katar in der ehemaligen Boxler-Luxusvilla in Rammingen wohnen. Der ist aber offenbar sehr öffentlichkeitsscheu.

Der Scheich? Ja, der ist da, der ist vor kurzem eingezogen, sagt der Ramminger, der morgens mit seinem Fahrrad zur Bäckerei radelt. Gesehen hat er ihn zwar noch nicht, aber schon viel gehört: „Das wissen alle in Rammingen, das ging schnell herum“, sagt der Mann lachend und radelt schnell weiter.

In der Ramminger Friedhofstraße, wo man einen kurzen Blick auf die Baustelle auf dem Gelände der ehemaligen Boxler-Luxusvilla erhaschen kann, sieht man die Bauarbeiter, die hier einen Neubau hochziehen.

Die genaue Identität des Scheichs wird geheim gehalten

Anfang September des vergangenen Jahres berichteten wir exklusiv, dass ein Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Katar das Boxler-Anwesen gekauft hat. Die Grundstücksfläche wird in einem Exposé mit exakt 9998 Quadratmetern angegeben, der Zustand mit „neuwertig“ beschrieben, da das Anwesen im Jahr 2016 modernisiert worden sei. Bei der Ausstattung steht dann als Beschreibung der Begriff „Luxus“.

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Bei dem Scheich aus Katar soll es sich dem Vernehmen nach um Talal Khalifa Al Thani handeln, einem von insgesamt 15 Söhnen des 1983 verstorbenen Muhammad bin Jabr Al Thani. Die genaue Identität des Neu-Rammingers soll aus Sicherheitsgründen aber geheim gehalten werden.

Schon Ende September 2017 lag dann im Ramminger Gemeinderat ein entsprechender Bauantrag vor, mit dem die Weichen für einen aufwändigen Um- und Anbau gestellt wurden. Vonseiten der Gemeinde war nichts dagegen einzuwenden, dass die Luxusvilla den Wünschen des Neubesitzers entsprechend umgebaut und vergrößert wird. Das bestehende Gebäude besitzt nach Osten einen Anbau und dieser soll spiegelbildlich einen Anbau nach Westen erhalten.

Bürgermeister Anton Schwele lernte den Scheich persönlich kennen

Zugleich wird gegenüber der Villa ebenfalls spiegelbildlich, aber ohne Anbauten, eine weitere Villa (Haus drei) mit den gleichen Konturen errichten. Dazu soll auch eine Fußgängerbrücke über den Bach gebaut werden. Wie viel Geld der Bauherr in die Baumaßnahme investieren wird, war nicht zu erfahren.

Sogar von einem geplanten Hubschrauber-Landeplatz wurde damals gemunkelt, doch dieses Gerücht verwies Bürgermeister Anton Schwele schon damals ins Reich der Fantasie.

Schwele hat – als einer der wenigen – den Scheich bereits persönlich kennen gelernt und beschreibt ihn als „freundlich und zuvorkommend“. Man habe sich im vergangenen Sommer zum Kaffee trinken getroffen, als der Grundstücksdeal in trockenen Tüchern war, erinnert sich Schwele. Dass der Scheich samt Familie jetzt wieder in Rammingen weile und sogar für längere Zeit in seine Villa eingezogen sein soll, habe er zwar gehört, könne er aber nicht bestätigen, so Schwele.

Auf dem Anwesen finden umfangreiche Um- und Neubaumaßnahmen statt.

Seit also vor einigen Tagen durchsickerte, dass der geheimnisvolle Neu-Ramminger nun vor Ort sei und sogar schon in seinem Haus wohnt, begann die Gerüchteküche in Rammingen erst so richtig zu brodeln. Viele wollen etwas erfahren, aber Genaues weiß man nicht. Fest steht: Vor dem Anwesen steht ein großes, schwarzes Mercedes-Wohnmobil mit katarischem Kennzeichen.

In der ehemaligen Boxler-Villa sind ebenso Handwerker zugange wie auf den anderen Baustellen auf dem Anwesen. Als der MZ-Reporter an der Haustür klingelt, wo immer noch der Name der Vorbesitzer auf dem Klingenschild steht, öffnet dann tatsächlich ein junger Mann um die 20.

Ja, sagt er auf Englisch, er werde seinem Vater ausrichten, dass er sich bei der MZ melden soll. Und ja, „Mister Al Thani“ sei vor Ort, könne sich derzeit aber nicht äußern, da er zu beschäftigt sei, lässt uns der junge Mann auf Englisch wissen. Ob sich der „Scheich von Rammingen“ wirklich melden wird? Wir sind gespannt...

Dieses Nummernschild versetzt seit Tagen die Ramminger Dorfbewohner in Aufregung: Der neue Besitzer der ehemaligen Boxler-Villa gehört zur Herrscherfamilie des Emirats Katar.
Bild: Alf Geiger

Versuche, über den Architekten oder Immobilienhändler mit dem Neu-Ramminger in Kontakt zu treten, scheiterten bislang ebenso. Auf Anfragen reagieren die Angesprochen sehr zurückhaltend und ablehnend – hinter vorgehaltener Hand wird aber auch darüber geredet, dass sogar mit juristischen Schritten gedroht werde, wenn jemand etwas über den Hausbesitzer sagt.

Die Ramminger Bürger sind aber trotz der Zurückhaltung ihres neuen Nachbarn – oder gerade deshalb – sehr neugierig, was sich hinter den hohen Hecken und den Bauzäunen wirklich abspielt. Ein Ramminger ist sich sicher, dass er auch schon die Kinder des Scheichs gesehen habe und glaubt zu wissen, dass der Mann mit seiner ganzen Familie bereits in sein neues Unterallgäuer Domizil eingezogen ist.

Vor dem Eingang zur ehemaligen Boxlervilla steht dieses schwarze Wohnmobil mit getönten Scheiben und einem katarischen Kennzeichen.
Bild: Alf Geiger

Ein anderer erzählt, dass er auch schon einen Mann in einem weißen Scheichgewand gesehen hat: „Das stimmt wirklich“, sagt der junge Mann. Ob das freilich der neue Hausbesitzer oder dessen „persönlicher Referent“ gewesen sei, könne er nicht genau sagen. Er wisse aber, dass der Scheich einen Mitarbeiter beschäftige, der sich um alles kümmere. Auch das Gespräch mit den Bauarbeitern führt offenbar nur dieser Mitarbeiter.

Wird der Scheich nach drei bis vier Monaten wieder ausziehen?

Im Dorf wird natürlich an allen Ecken nur über dieses Thema geredet und getuschelt, und beileibe nicht alle sind von der Zurückhaltung und Scheu ihres neuen Nachbarn begeistert: „Da kommt was auf uns zu. Aber nix G’scheites, meine ich“, sagt eine Frau in der Dorfbäckerei. „Der kann sich doch zeigen, wir wollen doch wissen, wer da in unserer Nachbarschaft wohnt“, sagt eine andere. Nein, ihre Namen wollen sie aber lieber nicht in der Zeitung lesen...

Ein Spaziergänger will erfahren haben, dass der Scheich samt Familie für „drei bis vier Monate“ in Rammingen wohnen werde. Woher er das weiß? „Das kannst du schon glauben. Das hat mir einer erzählt, der es wissen muss“, sagt er.

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