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Unterallgäu

03.10.2019

Die Müllgebühren im Unterallgäu steigen deutlich

Die Gebühren für die Entsorgung von Rest- und Biomüll steigen ab dem kommenden Jahr deutlich.
Bild: Stefanie Vögele, Landratsamt

Plus Sinkende Erlöse und steigende Preise zwingen die Abfallwirtschaft im Landkreis zum Handeln. Wie viel die Bürger künftig mehr zahlen müssen.

Nachdem die Müllgebühren in den vergangenen Jahren stetig gesunken sind, wendet sich nun das Blatt: In der jüngsten Sitzung des Kreis-Umweltausschusses erläuterte Edgar Putz, der Leiter der kommunalen Abfallwirtschaft, warum der Landkreis nicht umhinkommen wird, die Gebühren für Rest- und Biomüll zum 1. Januar 2020 deutlich zu erhöhen.

Hintergrund sind die Marktentwicklungen in der Entsorgungsbranche: Die sich abschwächende Konjunktur führe derzeit zu einer geringeren Nachfrage an Altmetallen und damit zu sinkenden Schrottpreisen. Auch mit Altpapier ist wegen des enormen Angebots kaum mehr Geld zu verdienen – für eine Tonne des früher einmal recht lukrativen Wertstoffs gibt es aktuell laut Putz gerade noch 1,19 Euro. Und auch Altholz ist seit dem Wegfall der EEG-Förderung von Biomassekraftwerken nicht mehr gefragt: Gab es früher Geld für das Altholz, werden nun 45 bis 70 Euro pro Tonne für die Entsorgung fällig. Deshalb wird auch die Entsorgung von Fenstern mit Altglas teurer: Statt bisher 158 Euro pro Tonne kostet sie künftig 210 Euro pro Tonne.

Im Unterallgäu wurde immer mehr Grüngut erfasst - das kostet

Gleichzeitig mit dem Preisverfall in diesen Bereichen sind die Kosten für die Verwertung von biologischen Abfällen und Grüngut drastisch gestiegen. Putz sprach von bis zu 120 Prozent beim Biomüll und mehr als 60 Prozent beim Grüngut. Gründe dafür seien zum einen die stetig steigenden Erfassungsmengen: So seien 2018 gegenüber dem Vorjahr fast 440 Tonnen mehr an Bioabfällen und über 1200 Tonnen mehr an Gartenabfällen erfasst worden. „Dies allein führt dazu, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Ausgaben binnen eines Jahres um nahezu 600.000 Euro erhöht haben“, schreibt Putz in der Sitzungsvorlage. Als weiteren Grund nennt er die Düngemittelverordnung, die vor zwei Jahren in Kraft getreten ist: Landwirte, die schon Probleme haben, die Gülle ihrer Tiere loszuwerden, haben kein Interesse mehr die Reste der Grüngutverwertung auszubringen, die ebenfalls als Düngemittel angerechnet werden. Zudem seien auch in den übrigen abfallwirtschaftlichen Segmenten durch gestiegene Lohn- und Personalkosten sowie die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen Preissteigerungen von vier bis sieben Prozent zu verzeichnen. Lediglich die Müllverbrennung erweise sich derzeit als stabil.

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Die sinkenden Erlöse in Kombination mit den steigenden Kosten führen alles in allem dazu, dass der Landkreis 2,1 Millionen Euro mehr aufbringen muss als bisher – eine Summe, die mit der dafür vorgesehenen „Rücklage zum Ausgleich von Gebührenschwankungen“ nicht mehr finanziert werden kann. Die jetzigen Gebührenerhöhungen seien deshalb „unter den jetzt bekannten Gegebenheiten das unabdingbare Maß“, so Putz.

Die kleinste Mülltonne kostet im Unterallgäu künftig 81 Euro im Jahr

Für eine 60-Liter-Restmülltonne sind demnach künftig 81 statt bisher 60 Euro im Jahr fällig, das ist ein Anstieg um 35 Prozent. Die 60-Liter-Biomülltonne wird sogar um 50 Prozent teurer: Sie kostet ab dem neuen Jahr 54 Euro, bisher waren es 36 Euro. Haushalte, die beide Mülltonnen nutzen, zahlen so pro Jahr 39 Euro mehr als bisher, nämlich 135 Euro, das entspricht einer Steigerung von mehr als 40 Prozent.

Das klingt enorm. Tatsächlich waren die Gebühren in der Vergangenheit aber schon höher: Eine 60-Liter-Restmülltonne kostete 2006 noch 90 Euro, für eine genauso große Biomülltonne waren es zwischen 2004 und 2013 noch 84 Euro. 2013 sanken die Gebühren dann drastisch, um die „Rücklage zum Ausgleich von Gebührenschwankungen“, die bis dato angewachsen war, wieder abzuschmelzen. Denn, so Putz, „die schwarze Null ist der Auftrag der Abfallwirtschaft“.

Wer bisher eine größere Mülltonne nutzte und nun sparen will, habe die Möglichkeit, durch aktive Müllvermeidung auf ein kleineres Gefäß umzusteigen. „Mülltrennung würde sich an dieser Stelle wirklich in barer Münze bezahlbar machen“, sagte Putz. Er wies zudem darauf hin, dass die Preise nun – anders als das teils in der Vergangenheit der Fall war – linear steigen. „Wer viel Abfall produziert, muss entsprechend viel zahlen.“ Weil auch die Kreisräte keine Alternative zu der Gebührenerhöhung sahen, stimmten sie ihr mit großer Mehrheit zu. Lediglich Roswitha Siegert (CSU) verweigerte ihre Zustimmung.

Wie viel Müll die Unterallgäuer jedes Jahr verursachen, lesen Sie hier:

So viel Müll verursacht jeder Unterallgäuer

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