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Einblick

15.06.2019

Die Wunschglocke von Bad Wörishofen

Viele Besucher wollten das Fest an der kleinen Kapelle mit der Wunschglocke miterleben.
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Viele Besucher wollten das Fest an der kleinen Kapelle mit der Wunschglocke miterleben.

Plus Eine kleine Kapelle im Tannenbichl von Bad Wörishofen lockt immer mehr Besucher an. Warum das so ist – und was den Erbauer Werner Niklas damals bewegte.

Die kleine Kapelle im Tannenbichl ist Ziel von immer mehr Gästen und Einheimischen. Wer die Kapelle betritt, sieht sofort die vielen kleinen Geschenke, die die gläubigen Menschen hier herauf gebracht haben, Votivtafeln und Totenzettel an den Wänden, Rosenkränze oder auch Kerzen. Werner Niklas sagt: „Es ist nichts Wertvolles. Es sind Gaben von dankbaren Besuchern.“ Diese Besucher haben mit einiger Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal an dem Seil in der Kapelle gezogen und auf diese Weise die Wunschglocke geläutet.

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Kutscher Werner Niklas hat diese Kapelle erbaut und steht am Eingang. Dabei zieht er mit Freuden selbst kräftig am Glockenstrang. Er strahlt über das ganze Gesicht. Sind doch Hunderte gekommen, zu Fuß, mit dem Fahrrad, Auto, mit Stöcken, Rollator oder mit dem Taxi, um gemeinsam das zehnjährige Bestehen dieser Kapelle zu feiern.

Eine Besucherin erinnert sich gerne, war doch damals noch ihr inzwischen verstorbener Mann dabei. Immer wieder ging sie in den vergangenen Jahren hinauf zur Kapelle, und das war verbunden mit schönen Erinnerungen. Der Blick in die Kapelle geht sofort auf das von der bekannten Bad Wörishoferin Isolde Egger gemalte Altarbild. Es zeigt das Sinnbild des Heiligen Geistes, die Taube. „Zum Heiligen Geist“, so heißt das Gebäude auch.

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Unterhalb der Taube sieht der Betrachter Werner Niklas mit einer seiner Prachtkutschen und seinen Pferden. „Eigentlich haben Kapellen immer den Namen eines Heiligen“, sagt der Erbauer. „Der Name sollte für mich als Kutscher ein Name sein, der sich mit Pferden verbindet wie der Heilige Leonhard. Doch den gibt es ja schon so oft.“ Gemeinsam mit Familie und Freunden suchte er damals einen anderen Namen. Dabei kam der „Heilige Geist“ zur Sprache und dabei blieb es.

Eigentlich hatte die Glocke eine ganz andere Bestimmung

Viele Jahre vor dem Bau wurde auf einem Privatgrundstück in Bad Wörishofen eine alte Kapelle zum Kauf angeboten. Zunächst ohne Folgen. Bis Werner Niklas viele Jahre später ein Foto vom Abtransport dieser Kapelle in die Hände bekam. Da fiel die Entscheidung. Genauso sollte seine Kapelle aussehen, ganz aus Holz und mit Zapfen und nicht mit Schrauben und Nägeln sollte sie gebaut werden. Außerdem nach dem architektonischen „Goldenen Schnitt“. Es wurde eine hervorragende Zimmermannsarbeit. Trotz aller Widerstände kaufte Niklas das Grundstück am Tannenbichl und baute seine Kapelle, ganz ohne Gelübde, lediglich aus eigenem Antrieb. Zwischenzeitlich heißt es, die Kapelle stehe auf einem Kraftfeld. Besucher hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, berichtet Niklas. Und was hat es mit der „Wunschglocke“ auf sich? Werner Niklas lacht und erzählt: „Diese Glocke hatte ich vor mehreren Jahrzehnten gekauft. Es ist sogar das Gottesauge darin eingeritzt. Sie sollte eigentlich oben auf unserem Wohnhaus stehen. Doch dann kam die Kapelle und auf das Wohnhaus eine Kutsche als Wetterfahne.“

Im Altarbild eingesetzt ist ein rundes, buntes Glasfenster, das er mal kaufte, weil es ihm so gut gefiel. Ein Kurgast schrieb Niklas, dass dieses Bild ein berühmter Glasmaler gestaltet hatte. Dieser Maler war Josef Strater (1899-1956) aus Krefeld. Er war bekannt für seine pathetisch und effektvoll gestalteten Kirchenfenster. Dazu gehören auch die „Sieben Chorfenster“ vom Bonner Münster in der Ostapsis. Sie stellen die sieben Schöpfungstage dar.

Ja, und wenn ein Besucher die „Wunschglocke“ läutet, kann er sich etwas wünschen. Für Wunsch-Erfüllung sei dann der Heilige Geist zuständig.

Niklas lacht: „Wenn der Wunsch doch nicht in Erfüllung geht, dann kommt er halt wieder und versucht es noch einmal.“

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