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Mindelheim

28.04.2020

Ehemaliger Bundesligatrainer hilft Zirkus in Mindelheim

So sieht es aus, wenn Zirkusdirektor Markus Kaiser mit seinen Pferden in der Manege des Zirkus Barnum steht. Derzeit ist das leider nicht möglich.

Plus Der in Mindelheim gestrandete Circus Barnum erhält Unterstützung von einem Ex-Bundesligatrainer. Auch in Pfaffenhausen braucht ein Zirkus Spenden.

Seit einigen Wochen schon sind in Mindelheim und Pfaffenhausen der Circus Barnum und der Zirkus Renz praktisch gestrandet. Die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie lassen keine Vorstellungen zu, entsprechend fehlen den Betreibern Einnahmen, um ihre Tiere versorgen zu können (wir berichteten).

Bundesligatrainer Egon Coordes kauft Futter für Circus Barnum

Nun hat der traditionsreiche Familienbetrieb Circus Barnum, der auf der Schwabenwiese in Mindelheim steht, prominente Unterstützung erfahren: Im Rahmen einer Hilfsaktion stellte ein Freundeskreis um den früheren Bundesligatrainer Egon Coordes (75) Heuballen, Obst und Gemüse für die rund 60 Zirkus-Tiere zur Verfügung. Den etwa 20 Zirkus-Mitarbeitern spendete die Gruppe ein Hähnchen-Essen.

Brotspenden für die Tiere bekam der Zirkus auch von umliegenden Bäckereien und Landwirten. Markus Kaiser, Chef des Circus Barnum, zeigt sich darüber sehr dankbar: „Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Spendern. Es gab auch Landwirte, die uns Heu vorbeigebracht haben.“ Der ehemalige Fußball-Trainer Coordes packte ebenso tatkräftig mit an. Gegenüber der Mindelheimer Zeitung sagt der gebürtige Bremerhavener, der einst unter anderem als Co-Trainer beim FC Bayern München tätig war: „Selbstverständlich hilft man da. Ich habe für die Zirkus-Tiere mehrere Ballen Heu in einem Reitstall geholt.“

Künftig können Besucher an den Sonntagen ab 10 Uhr auf der Schwabenwiese die Zirkus-Tiere ansehen. Hierbei erhofft sich Kaiser auch die eine oder andere Futterspende. Auch auf Geldspenden sei der Zirkus angewiesen. „Wir sind da in genau derselben bedrohlichen Lage wie alle anderen über 400 Zirkusse in Deutschland“, erklärt Kaiser. „Bis jetzt haben wir immerhin 1400 Euro an Geldspenden bekommen.“ Und trotzdem, versichert er, seien die Kassen „total leer“, man stehe schließlich erst am Anfang der Saison. „Die Hauptsaison geht bei uns von Anfang März bis Ende Mai.“

Zirkus in Mindelheim: Zehn Artisten wegen Corona abgereist

Der Zirkus-Betreiber beschreibt die aktuelle Krisensituation beispielhaft: „Ungefähr zehn Artisten sind schon abgereist. Man fragt sich, wie man Versicherungen bezahlen soll. Eigentlich müssten wir für rund 2000 Euro einen Lkw reparieren lassen.“ Auch ein Alternativprogramm mit Seiltänzerinnen, Jongleuren und einigen Tieren, wie es der Circus Barnum im Winter während der Nebensaison bei Auftritten in Altersheimen, Schulen und Kindergärten in „normalen Zeiten“ anbietet, sei aufgrund der Hygiene-Vorschriften derzeit nicht umsetzbar. Somit entfällt für Markus Kaiser und sein Team auch diese Art des Geldverdienens.

Wie groß der finanzielle Druck ist, zeigt diese Zahl: „Jeder Tag kostet uns momentan ungefähr 500 Euro“, betont Kaiser. „Davon brauchen wir allein 200 Euro für Kraftfutter, für Hafer und für Pferdepellets. Außerdem müssen unsere Tiere natürlich regelmäßig entwurmt werden.“ Zum Circus Barnum gehören laut Kaiser Kamele, Lamas, Pferde, verschiedene Rinderarten, Ziegen und Alpaka-Esel. Erfreut zeigt sich der Zirkus-Betreiber darüber, dass das Ordnungsamt der Stadt Mindelheim die eigentlich fällige Platzmiete komplett erlassen hat. Leicht säuerlich stößt Kaiser indes das Verhalten des Unterallgäuer Landratsamts auf: „Wir wollen unser Grundstück sauber halten.

Corona-Krise: Warten auf den Tag X

Aber in Sachen Müll will von denen anscheinend keiner zuständig sein.“ Eines ist aber sicher: „Das fahrende Volk“, wie Kaiser seinen Zirkus selbst nennt, sehnt den Tag X herbei, an dem die aktuell herrschenden Veranstaltungsverbote wieder aufgehoben werden. Denn, so sagt er, „in uns fließt Künstlerblut. Unser Hauptlohn ist der Applaus des Publikums“. Aktuell aber ist an den nicht zu denken.

Ähnlich ist die Lage ein paar Kilometer weiter nördlich. In Pfaffenhausen sitzt der Zirkus Renz mit einem kleinen Team und etlichen Tieren fest. Auch er kann keine Vorstellungen abhalten. Wegen fehlender Einnahmen ist er ebenfalls auf Spenden von Tier- und Zirkusfreunden angewiesen. Auch Materialspenden wie Futter oder ähnliches bittet der Zirkus darum, vorher telefonisch Kontakt aufzunehmen unter der Telefonnummer 0159/0105 9025. (dp, hlz)

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