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Unterallgäu

05.07.2019

Eichenprozessionsspinner: Abwarten oder bekämpfen?

Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können schwere Allergien auslösen.
Bild: Daniel Karmann

Plus Einige Eichen im Unterallgäu sind vom Eichenprozessionsspinner befallen. Wie die Gemeinden damit umgehen.

Wer keine Lust auf einen heftig juckenden Ausschlag, Reizungen der Mund- und Nasenschleimhäute oder schmerzhaften Husten hat, sollte manche Orte im Unterallgäu derzeit lieber meiden. Denn auf den Eichen dort, wachsen die Raupen des Eichenprozessionsspinners heran – und können mit ihren Brennhaaren schwere Allergien auslösen.

Die Gemeinde Markt Wald hat deshalb den Christoph-Scheiner-Turm bei Bürgle gesperrt und warnt mit Hinweisschildern vor der potenziellen Gefahr, die sie bereits aus den vergangenen Jahren kennt. Auch damals war der beliebte Aussichtsturm wegen der Raupen mehrere Wochen nicht zugänglich.

Heuer haben sie sich zudem in Eichen an der Tretanlage zwischen Markt Wald und Schnerzhofen eingenistet, die deshalb ebenfalls gesperrt ist – so wie vor Kurzem auch die Mindelheimer Nordsee. Während die Eichenprozessionsspinner dort bekämpft und auch ihre Gespinnste entfernt wurden, die große Mengen an Brennhaaren enthalten können, hält sich die Gemeinde Markt Wald zurück. Schließlich schadeten die Raupen den Bäumen kaum und in Kürze sei der Spuk ohnehin vorbei, erklärt Geschäftsleiter Herbert Egger. Dann nämlich haben sich die Raupen verpuppt und die Brennhaare sind allenfalls in den zurückbleibenden Nestern eine Gefahr. Was ihm allerdings Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Tiere jedes Jahr wieder kommen – und der Befall in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

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Im nördlichen Unterallgäu taucht der Eichenprozessionsspinner überall auf

Diesen Eindruck bestätigt auch Kreisgartenfachberater Markus Orf, der sich am Landratsamt um das Thema kümmert. „Im nördlichen Unterallgäu taucht der Eichenprozessionsspinner eigentlich überall auf. Und es fällt auf, dass sich die Grenze immer weiter nach Süden verschiebt. Inzwischen ist auch Bad Wörishofen betroffen“, sagt er.

Als am Radweg zwischen Siebnach und Kirch-Siebnach kürzlich ebenfalls Eichenprozessionsspinner entdeckt wurden, fackelte Bürgermeister Robert Sturm nicht lange und rief den Kammerjäger. Der ging gegen die Raupen vor und saugte auch ihre Gespinnste ab. Den Radweg wochenlang zu sperren, war für Sturm keine Option – zumal er auch die weitere Ausbreitung des Nachtfalters verhindern will. „So weit ich’s beurteilen kann, haben wir’s in den Griff bekommen“, sagt er. Die Gemeinde habe Glück gehabt, dass die Raupen bereits in einem sehr frühen Larvenstadium entdeckt wurden, in dem sie noch keine Brennhaare hatten. Das erleichtert die Bekämpfung. „Hätten wir sie später erwischt, wär’s haarig geworden“, so Sturm.

In bewohnten Gebieten sollte der Eichenprozessionsspinner bekämpft werden

Was nun der besser Weg ist – die Raupen zu bekämpfen oder der Natur ihren Lauf zu lassen – muss laut Markus Orf je nach Einzelfall entschieden werden. „Ich rate zu einer Gefahrenanalyse. In bewohnten Gebieten, in Freibädern, in der Nähe von Kindergärten, an Sitzbänken, am Dorfplatz und ähnlichen Gebieten ist eine Bekämpfung unbedingt nötig. An Waldwegen oder am Ortsrand reichen unter Umständen Warnschilder.“ Letztlich liege die Entscheidung, ob die befallenen Bäume behandelt werden oder nicht, beim Grundstückseigentümer. „Bürgermeistern würde ich empfehlen, Eichen im Gemeindegebiet zu kartieren und das Gefahrenpotenzial zu beurteilen. Ist ein Baum befallen, können alle anderen Bäume gleich kontrolliert werden und es kann schnell reagiert werden“, rät Orf.

Weil die Raupenhaare lange haltbar sind und sich im Unterholz und im Bodenbewuchs über mehrere Jahre anreichern können, sei es ratsam, die Bäume an belebten Orten von einer Fachfirma behandeln und absaugen zu lassen. „Ganz wichtig ist: Mähen Sie nicht unter befallenen Bäumen. Damit verteilen sich die Brennhaare erst recht in der Luft“, so Orf. Er ist Ansprechpartner für alle, die einen Befall melden wollen oder sich unsicher sind, ob es sich bei den Raupen tatsächlich um Eichenprozessionsspinner handelt.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Badespaß ade: Eichenprozessionsspinner an der Nordsee

Zum Sommeranfang: Sperrung an der Mindelheimer Nordsee

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