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Pfaffenhausen

04.02.2019

Ein Kümmerer für alle von 0 bis 99

Christian Kreye vom Amt für ländliche Entwicklung, Salgens Bürgermeister Hans Egger und Pfarrer Josef Beyrer (von links) setzen auf das neue Konzept für soziale Gemeindeentwicklung in der VG Pfaffenhausen.
Bild: Melanie Lippl

In den Gemeinden der VG Pfaffenhausen wird ein professioneller Netzwerker gesucht

Was macht das Leben auf dem Dorf so lebenswert – und wie kann das erhalten, was früher selbstverständlich war: der Zusammenhalt? Salgens Bürgermeister Johann Egger macht sich schon länger Gedanken über diese Frage und hat sich darüber auch mit dem allseits beliebten Diakon Albert Greiter beratschlagt. Sie haben festgestellt: „Eigentlich ist die Welt hier noch in Ordnung – aber wir sehen Entwicklungen.“ Großfamilien gibt es kaum noch, man redet immer weniger miteinander, Vereinsamung ist ein Problem, nicht nur bei den älteren Menschen. Nach der Schule trennen sich die gemeinsamen Wege häufig. Not ist auch in unserer Region vorhanden, nur selten ist sie offensichtlich. Und wie kommt man in einem Dorf eigentlich an Mitbürger heran, die sich weniger am öffentlichen Leben beteiligen?

Die Ortsgrenzen in Salgen sind längst überschritten

Was als Fragen, als Idee, begann, hat sich inzwischen zu einem Projekt entwickelt, das die Grenzen Salgens längst überschreitet. Gemeinsam mit Pfaffenhausen, Oberrieden und Breitenbrunn sucht Salgen einen „Kümmerer“ – einen Menschen, der andere zusammenführt und so das Leben auf dem Land noch lebenswerter macht. Das Außergewöhnliche an diesem Projekt: Die vier Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) und die neue Pfarreiengemeinschaft (PG), deren Gebiete deckungsgleich sind, haben sich zusammengetan und suchen gemeinsam nach jemandem, der diese Sozialstelle besetzt.

Unterstützt werden sie dabei vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Schwaben, das das fördert, was als „integriertes ländliches Entwicklungskonzept“ (Ilek) bezeichnet wird. Heißt: Es gibt eine Zusammenarbeit, in diesem Fall zwischen den einzelnen Gemeinden und der Kirche – etwas, das schon die Unterallgäuer Leitbildstudie von 1998 und das Modellprojekt „Kommune und Kirche – gemeinsam für soziale Gemeinden“ von 2014 angestoßen haben. „Wir wollen die Studie umsetzen“, sagt Egger. Der Salgener Bürgermeister und stellvertretende VG-Vorsitzende freut sich, dass sich alle vier politischen Gemeinden dazu entschieden haben, diesen Weg zu gehen. „Und es ist schön, dass die Kirche offen ist für dieses Projekt“, sagt er in Richtung des noch recht neuen PG-Pfarrers Josef Beyrer. Für den ist das selbstverständlich: „Es sind ja dieselben Menschen, um die es geht.“ Vermutlich im ersten Halbjahr 2019 fallen dazu in der Diözese die nötigen Beschlüsse.

Auch die Kirche unterstützt die VG Pfaffenhausen 

Unterstützung bekommen Gemeinden und Kirche mit großer Wahrscheinlichkeit auch aus Krumbach: „Wir möchten einen Teil dazu beitragen, die Zukunft des ländlichen Raums zu sichern“, sagt Christian Kreye, der Leiter des ALE, und das nicht nur in Bauangelegenheiten, sondern auch im sozialen Bereich. „Die Dorfgemeinschaft macht den ländlichen Raum aus.“

Diese Gemeinschaft zu stärken, soll das Ziel des künftigen „Kümmerers“ sein – wie er oder sie das anpackt und um wen er oder sie sich im Detail kümmert, müsse noch definiert werden. Fest steht: Ein Netzwerker muss es sein, jemand, der alle Altersgruppen und sozialen Gruppen zusammenführt, Angebote entwickelt, Kontakte herstellt, Ehrenamtliche und Hauptamtliche zusammenbringt, Lücken und Nöte erkennt, die auf den ersten Blick vielleicht übersehen werden. Denn: „Es gibt keine Armenhäuser mehr“, sagt Pfarrer Beyrer, „aber oft Bereiche, wo eine Not da ist – aber verschämt.“

Die neue Stelle soll unentbehrlich werden

Für das Amt für Ländliche Entwicklung ist dies ein Modellprojekt: eine Stelle, die sich bewusst um Ehrenamt, Vereine und die Integration von (Neu-)Bürgern kümmert. Fixe Voraussetzungen gebe es nicht – wichtig sei das, was dabei herauskomme. Die Ganztagsstelle soll vorerst befristet sein. „Aber meine Hoffnung ist, dass sie unentbehrlich und damit weitergeführt wird“, sagt Johann Egger. Die Kosten wollen sich das ALE, die Kirche und die Gemeinden teilen – wie genau, ist noch nicht festgelegt. Die Gemeinden werden jedoch den kleinsten Teil übernehmen. Der Wunsch aller Beteiligten ist, die Stelle in diesem Frühjahr auszuschreiben.

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