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Bad Wörishofen

14.01.2019

Ein Sprachrohr für Senioren in Bad Wörishofen

Was benötigen die Senioren der Kneippstadt? Um solche Fragen könnte sich ein Seniorenbeirat kümmern.
Bild: Ralf Lienert

In Bad Wörishofen könnte ein Seniorenbeirat entstehen. Ehrenamtliche berichten, wie andere Städte auf die Wünsche von Senioren eingehen.

Sie sind die Lobbyisten der alten Menschen: die Seniorenbeiräte. Sie regen Ideen an und gestalten die Kommunalpolitik mit – im Idealfall. Auch in Bad Wörishofen ist nun die Gründung eines Seniorenbeirats im Gespräch. Der Sozialausschuss begrüße einen solchen Beirat und wünsche weitere Infos, bilanzierte jüngst Bürgermeister Paul Gruschka (FW) nach einer Diskussion im Ausschuss. Sogar von einem Familien- und Jugendbeirat war dann die Rede (wir berichteten), damit möglichst alle Einwohner Bad Wörishofens gut vertreten sind.

Bislang, auch das wurde deutlich, hat die Kneippstadt noch nicht einmal einen Behindertenbeauftragten. Nun also sind die Weichen in der Stadt mit der weithin ältesten Bevölkerung gestellt. Andernorts arbeiten die Beiräte bereits und es zeigt sich: In manchen Fällen scheitern die Vorschläge am Budget oder der Bürokratie. Die Seniorenbeiräte in Kaufbeuren, Memmingen und Kempten stellen ihren Städten aber ein gutes Zeugnis aus: Das Gremium werde ernst genommen und habe einen direkten Draht zum Oberbürgermeister.

In Memmingen gibt es einen speziellen Stadtplan für Senioren

Ein Beispiel für unbürokratische Hilfe: Eine Memmingerin wollte endlich einmal wieder ihren verstorbenen Mann auf dem Friedhof besuchen. Da sie nicht mehr gut zu Fuß war, schaffte sie die wenigen hundert Meter zum Waldfriedhof nicht in einem Stück. Ihr Problem teilte sie dem Seniorenbeirat mit, der wiederum mit der Idee, auf halber Strecke eine Sitzbank zu errichten, auf die Stadt zuging. „Drei Tage später stand die Bank“, sagt Maria Fickler, die seit zehn Jahren ehrenamtlich im Seniorenbeirat aktiv ist.

Der Beirat hat sich beispielsweise dafür eingesetzt, dass es einen speziellen Stadtplan für alte Menschen gibt – extra groß gedruckt. Maria Fickler hat dabei maßgeblich mitgewirkt. Die 74-Jährige ist die Straßen im Zentrum abgelaufen und hat die Standorte für öffentliche Toiletten und Sitzbänke zusammengetragen. „Die Stadt ist sehr kooperativ“, sagt Fickler. Es seien sieben zusätzliche seniorenfreundliche Sitzbänke aufgestellt worden. Die Sitzflächen sind bei diesen Bänken höher, damit das Aufstehen leichter fällt.

Darüber hinaus organisiert der Seniorenbeirat auch regelmäßig ein Training für Rollstuhl- und Rollator-Fahrer, wie sie sicher in den Bus ein- und aussteigen. Seniorenbeiräte sind laut Satzung berechtigt, Anträge in den Stadtrat einzubringen. Die Vorschläge und Anregungen von Fickler und ihren Mitstreitern bleiben daher nie ungehört. Es gebe einen „direkten Draht“ zum Oberbürgermeister. Dass nicht alle Ideen umgesetzt werden, sieht Fickler pragmatisch: „Man kann schließlich nicht nur Geld in die Hand nehmen, es muss auch Sinn machen.“ Und manchmal bräuchten die Ideen im Beirat eben auch Zeit, bis sie wirklich ausgereift seien. Was sich Fickler aber noch wünscht, ist ein rollstuhlfreundlicher Bodenbelag in der Memminger Innenstadt. Bisher gibt es Pflastersteine mit breiten Fugen. Dort bleiben aber vor allem Rollstuhlfahrer leicht hängen. Auch in Kaufbeuren ist der Seniorenbeirat sehr aktiv – ihn gibt es seit 1993. Besonders der „Urlaub ohne Koffer“ komme gut an, sagt Seniorenbeauftragter Felix Franke. Das Prinzip hinter der Aktion: Eine Woche wegfahren – aber jeden Abend heimkommen, um im eigenen Bett zu schlafen.

Der Seniorenbeirat könnte noch mehr Ideen einbringen

Es sind solche Aktionen, die die Gemeinschaft fördern. Auch in der Stadt fordert der Seniorenbeirat einige Veränderungen: beispielsweise Barrierefreiheit in der Fußgängerzone und mehr altersgerechte Wohnanlagen. Letztere werden bereits gebaut, sagt Felix Franke, Seniorenbeauftragter in Kaufbeuren. Er ist zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Stadt. „Der Seniorenbeirat hat Gewicht“, sagt er. „Bis zu einer gewissen Grenze“, fügt er hinzu. Denn welche Themen umgesetzt werden, hänge letztlich wieder von Faktoren wie Budget und Relevanz ab.

Für das seniorenpolitische Gesamtkonzept in Kempten stellt die Stadt 250000 Euro zur Verfügung. Eine große Summe, findet Lothar Köster, der sich seit zehn Jahren im Seniorenbeirat engagiert. Damit habe die Stadt unter anderem wichtige Beratungsstellen für ältere Bürger in den einzelnen Stadtteilen eingerichtet. Als es vor zwei Jahren einen besonderen Engpass für Kurzzeitpflegestellen gab, förderte die Stadt beispielsweise die Pflegeausbildung, sagt Köster.

Besonders das Altstadthaus mit seinen vielfältigen Angeboten für älteres Publikum sei etwas besonders. Aber Köster merkt ganz klar an: „Die Leute, die nicht mehr mobil sind, erreichen wir nicht.“ Ein Modell wie es in Dänemark gibt, gefalle ihm daher besonders gut. Dort werden Menschen ab 70 Jahren regelmäßig von Nachbarn und Mitbürgern besucht.

Der Seniorenbeirat werde sehr ernst genommen im Stadtrat, lautet Kösters Fazit. Er würde sich manchmal sogar noch mehr Ideen vonseiten des Seniorenbeirats wünschen. Denn: „Ohne Forderungen kann auch nicht mehr erfüllt werden.“

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