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Heimenegg

08.06.2020

Ein neuer Blick auf den altbekannten Garten in Heimenegg

Tanja Hofmann hat in ihrem Garten in Gernstall ein Magerbeet angelegt, in dem nicht nur Pflanzen gedeihen. Auch Insekten finden dort Unterschlupf.
Bild: Hofmann

Plus Wie sie in ihrem Garten die heimische Natur unterstützt, ist Tanja Hofmann erst vergangenes Jahr bewusst geworden. Jetzt hat sie ein besonderes Beet angelegt.

Seit fast zehn Jahren kümmert sich Tanja Hofmann um ihren Garten in Heimenegg – doch im vergangenen Jahr hat sich ihr Blick darauf grundlegend verändert. Sie entdeckt jetzt Dinge, die ihr vorher gar nicht aufgefallen sind. Dinge, die vielen anderen Menschen im Alltag ebenfalls gar nicht auffallen, weil sie so klein sind – und doch sind sie so immens wichtig für das ganze Ökosystem: Insekten.

Sie achtet sehr darauf, welche Tiere sich in ihrem Garten tummeln

„Ah, da ist schon wieder eine Hummel“, unterbricht sich Tanja Hofmann selbst mitten im Satz, während sie gerade über ihre Beete spricht. „Eine Steinhummel“, ergänzt sie und redet dann weiter. Mittlerweile achtet die 36-Jährige sehr darauf, welche Tiere sich hier in ihrem Garten tummeln – und das sind viele. Denn obwohl es gar nicht ihre Absicht war, hat Tanja Hofmann über die Jahre hinweg einen Garten angelegt, in dem sich viele heimische Insekten wohlfühlen.

Richtig bewusst geworden ist ihr das aber erst 2019, als sich die Mindelheimer Eltern-Kind-Gruppe „Mäusetreff“ an der Aktion „Jeder Quadratmeter zählt“ beteiligt und eine Wohlfühl-Fläche für die heimische Natur geschaffen hat. Das Interesse war geweckt und spätestens, als Tanja Hofmann das Buch „Wildbienenhelfer“ in die Finger bekam, war sie nicht mehr zu halten. Sie blätterte es durch, kreuzte die Pflanzen an, die bei ihr zuhause wuchsen und freute sich, als sie die letzte Seite umblättern konnte und feststellte: „Ich habe im Garten schon 40 Pflanzen, die einheimisch sind!“

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Schmetterlinge legen ihre Eier auf heimischen Pflanzen ab

Einheimische Pflanzen sind deshalb so wichtig, weil heimische Tiere bei ihnen Nahrung und Unterschlupf finden, beispielsweise um Schmetterlingseier abzulegen. Viele Wildbienen etwa sammeln fast nur die Pollen bestimmter Pflanzen. „Oligolektische Bienen“ nennt man solche Pollenspezialisten – ein Fachbegriff, der inzwischen in Tanja Hofmanns Wortschatz übergegangen ist, genauso wie die vielen Namen der Stauden und Blumen, die in ihrem Garten blühen. „Ich bin mittlerweile Feuer und Flamme“, sagt sie. In ihrem Wildbienen-Buch blättert sie fast täglich.

Schnittlauchblüten sind ein echter Insektenmagnet.

Doch es sind nicht nur Zierpflanzen, die den 2011 angelegten Garten in Heimenegg verschönern. Auch der Schnittlauch darf blühen. Die violetten Puschel auf den dünnen, grünen Stängeln locken die Hummeln an. „Und ich lasse inzwischen sogar die Gänseblümchen im Blumenbeet stehen“, sagt die 36-Jährige und lacht. Sie ist gelassener geworden, seit sie sich mit dem Thema Naturschutz befasst: Wenn sich etwas in ihrem Garten ansiedelt, wartet sie erst mal ab, was daraus entsteht. „Ganz viel wächst von selber“, sagt sie.

Aus übrigen Steinen wurde ein Magerbeet

Ein bisschen nachhelfen schadet aber auch nicht, beispielsweise im neu angelegten Magerbeet neben der Hofeinfahrt. Hier haben Tanja Hofmann und ihr Mann die übriggebliebenen Steine vom Lichtgraben verbaut. Dazwischen ist Kies, auf dem eine Schicht Erde liegt. „Alles, was hier wächst, ist einheimisch“, sagt die 36-Jährige. Bis auf den Lavendel, den hatte sie noch übrig. Katzenpfötchen, Ackerstiefmütterchen, Hirtentäschel, Kamille, Kartäusernelke, Skabiose, Glockenblume, Mauerpfeffer, Heidenelke, Natternkopf, Küchenschelle und Thymian sprießen neben dem neuen, kleinen Sumpfbeet. „Ich habe geschaut, dass immer was blüht“, erklärt Tanja Hofmann. Einen halben Tag habe die Aktion mit den Steinen gedauert, danach habe sie das neue Beet immer stückchenweise angelegt. Für ein Magerbeet hat sich Tanja Hofmann bewusst entschieden: „Ich habe keine Lust darauf, täglich zu gießen“, sagt sie und lacht. Die Pflanzen, die jetzt dort wachsen sollen, brauchen wenig Nährstoffe und Wasser. Silke Lotterbach, die Initiatorin der Aktion „Jeder Quadratmeter zählt“, freuen solche Magerbeete besonders. Weil es viele humusreiche Wiesen gibt, sind Magerböden selten geworden – dabei sind sie ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz.

Auf der Flockenblume hat eine Biene Station gemacht.
Bild: Hofmann

Gartenanfängern rät Tanja Hofmann, sich Tipps im Internet zu holen, auf der Homepage der Quadratmeter-Aktion oder des Hortus-Netzwerks zum Beispiel. Es sei nicht kompliziert, heimische Pflanzen anzubauen oder ein kleines Sumpfbeet anzulegen. „Es sind oft Kleinigkeiten, die viel ausmachen“, sagt die 36-Jährige. Ihr Garten beweist, dass „naturnah“ nicht gleichzeitig „unordentlich“ bedeuten muss. Ihre Beete haben eine klare Einfassung und sind nicht nur in der Blüte, sondern auch von den Formen her abwechslungsreich gestaltet. Ihre Lieblingsblumen, die immer mal wieder in den Beeten auftauchen, sind die Nelken: Tanja Hofmann mag ihre Vielfältigkeit.

„Blumen und Garten sind schon immer meins“, sagt die 36-Jährige und gesteht: „Eigentlich wollte ich ja Floristin werden oder Gärtnerin.“ Jetzt arbeitet sie im Einzelhandel. Aber: „Mama, du bist trotzdem Gärtnerin! Im Garten!“, sagt ihre sechsjährige Tochter Alice und klingt dabei fast ein bisschen stolz.

Bei „Jeder Quadratmeter zählt“ kann jeder mitmachen und eine Fläche für die Natur schaffen. http://jederm2zaehlt.de/

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