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Serie "Kunstpause"

13.07.2020

Er spielt mit Licht und Schatten – im Beruf und in der Kunst

Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel – das zeichnet Oliver Heukens Kunst aus.
Bild: tisch

Plus Corona verhinderte die erste Ausstellung von Oliver Heuken in Mindelheim, einem Momentensammler. Seine Werke lenken den Blick, verwirren aber auch.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Heute: Oliver Heuken.

Es wäre seine erste Ausstellung gewesen: Am 31. März sollte die Vernissage im Salon in Mindelheim stattfinden, die Bilder standen alle bereit, doch dann kam die Absage wegen der Corona-Krise. Seit zwei Jahren hat Oliver Heuken einen Zweitfirmensitz in Mindelheim, seit einem Jahr ist er im Kunstverein, seine Leidenschaft ist das Fotografieren. „OH-Momentaufnahmen“ heißt seine Seite bei Facebook, „s/w - lichtblicke“ wäre der Titel seiner Ausstellung gewesen.

Seit 2008 beschäftigt sich Heuken auch beruflich mit Licht, er betreibt einen LED-Großhandel und entwickelt LED-Beleuchtungskonzepte unter anderem für Theater, Opernhäuser wie zum Beispiel das Stuttgarter Staatstheater und die Semperoper in Dresden. Und auch in seiner Fotografie spielt das Licht eine zentrale Rolle, nicht nur in der Abgrenzung zwischen Schwarz und Weiß, denn diese Farbreduktion ist eines seiner Markenzeichen, sondern auch in der Auswahl seiner Motive.

Oliver Heuken liebt das Spiel aus Licht und Schatten

Ein Teil seiner Werke setzt sich etwa mit seiner Arbeit auseinander, liefert faszinierende Detailaufnahmen von LED-Bändern und Leuchten, und oft ist auf den ersten Blick nicht klar, was man da sieht als Betrachter. In der Nahaufnahme wirken LED-Stripes wie Wellen, wie gerollte Stoffbahnen, geradezu surreal erscheinen diese Mikrowelten der Objekte. Wenn das Licht nicht als funktionelles Element Eingang in seine fotografischen Beobachtungen findet, dann ist es ein tragender Teil des Motivs. Nicht der klassische Sonnenuntergang reizt ihn, vielmehr das Spiel aus Licht und Schatten, das anschließend im Schwarz-Weiß-Modus herausgearbeitet wird.

Beeindruckend etwa die zahlreichen Fotografien von Architekturausschnitten oder jene von alten Tunnels, an deren Ende ein Licht lockt, selten zentral, eher im Bild verrückt, um den Blick hin auf etwas nicht einfach so zu Erreichendes zu lenken und Spannung zu erzeugen.

In der Natur sucht Heuken nach besonderen Momentaufnahmen

Heuken arbeitet trotz Krise beinahe normal, auch die Freiheit, in der Natur unterwegs zu sein, immer auf der Suche nach den besonderen Momentaufnahmen, lässt er sich unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen nicht nehmen, denn diese Momentaufnahmen, die nicht flüchtig sind, sondern stets nachhaltig, sind es, die Lebenszeit prägen. Es gilt, so Heuken, das Leben immer aktiv wahrzunehmen, jeden Moment bewusst zu gestalten, jeden Tag zu „Lebenszeit“ zu machen.

Oft drückt sich dies im Fotografieren aus, das sich als ein Sammeln von Eindrücken stets im Fluss befindet. Es ist dieser Blick auf die Objekte, die Heukens Fotografie zu etwas Besonderem machen: Kleinen Momenten einen Rahmen geben und sie aus dem Gesamtgefüge herausheben. Momente, denen man auf den ersten Blick zu wenig Augenmerk geschenkt hätte – plötzlich werden sie zu gesammelter Erinnerung.

Bekannte Motive aus Mindelheim neu gesehen

Sie lenken aber auch den Blick, verwirren und stellen gewohnte Perspektiven in Frage. Und dann bieten sie auch noch hübsche Kleinode, etwa der Schatteneinfall im Durchgang zum Hinterhof der Mindelheimer Eisdiele San Marco und des Werkstattladens von Christel Lidel mit seinen schönen Floristik- und Kunsthandwerksstücken, der sich in einem bestimmten Licht gleichsam expressionistisch komponiert in Szene setzt – zu wissen, dass es diesen Ort gibt, festgehalten in einem solchen Moment, bereitet Freude.

Was andere Künstler aus dem Unterallgäu in der "Kunstpause" machen. Erfahren Sie hier mehr in den anderen Teilen unserer Serie:

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