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Unterallgäu

27.08.2020

Feriengeschichten: Die große Endlosigkeit am See

Die Sommerferien am See erschienen unserer Autorin früher manchmal endlos lang.
Bild: Thaut Images - stock.adobe

Plus Wenn die Tage verschwimmen, weiß man: Es sind Ferien. Da kann man dann auch mal das enorm professionelle "Survival-Set" auspacken.

Den Deutschen wird gerne nachgesagt, sie seien die Reiseweltmeister schlechthin. Lange Zeit war das wohl auch so. Ferien und Urlaubsreise ins Ausland waren ein- und dasselbe. Dann kam Corona, und die Ferienreise ins Ausland fällt heuer aus. Das kann aber auch seine guten Seiten haben. In unserer Serie erzählen Redaktionsmitglieder, wie spannend es in ihrer Kindheit in den Ferien daheim zuging.

„Ferien daheim“ ist das Thema dieser Serie – und jeder aus der Redaktion soll seine Erinnerungen dazu beitragen. Eine gute Idee, finde ich, doch irgendwie hapert es bei mir mit den Erinnerungen. Und das liegt ganz gewiss nicht daran, dass ich als Kind oder Jugendliche jedes Jahr sechs Wochen am Stück in die entlegensten Länder dieser Erde verreist wäre. Die meiste Zeit war ich in den Ferien zuhause.

Mit dem "Survival-Set" der Tomate zu Leibe gerückt

Woran also erinnere ich mich noch, wenn ich an „Ferien daheim“ denke? Mir fällt eine Szene aus meiner Kindheit ein. Die Sommerferien hatten gerade erst begonnen. Ich hatte mir mit meinem Taschengeld das neueste Micky-Maus-Heft vom Bäcker geholt, in dem als Extra der erste Teil eines „Survival-Sets“ enthalten war. Also etwas Lebenswichtiges für ein Grundschulkind wie mich. Das (alles andere als scharfe) Plastikmesser nutzte ich, um eine frisch gepflückte, sonnenwarme Tomate fachmännisch auf den Stufen unserer Terrasse zu zerteilen – und dann sofort zu vertilgen, ohne Gewürz, ohne Salz. Einfach Tomate pur. Und die Gewissheit: Mit dem Survival-Set würde ich auch im tiefsten Dschungel überleben.

Es ist gerade das scheinbar sinnlose Nichtstun, dass die „Ferien daheim“ für mich ausgemacht hat. Das Gefühl, dass man ewig Zeit hat, um all das zu tun, das einem gefällt. Spielen mit den Nachbarskindern, Puzzlen, Malen, Lesen, Kassetten hören, „in den Tag hineinleben“. Montag ist so wie Dienstag, Donnerstag oder Freitag. Nur zum Abendessen sollte man an jedem Tag wieder zuhause sein.

Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer am See

Und später, als Jugendliche, einfach rein in die Inline-Skates oder rauf aufs Rad und ab zum nahegelegenen Weiher: Mit elf, zwölf stets mit der besten Freundin, denn wo konnte man besser Geheimnisse austauschen? Und später, als Jugendliche, einfach so: Irgendwer war immer da, mit dem man sich ein Beachvolleyballmatch liefern konnte oder bis zur Insel schwimmen konnte. Dort gab es eine selbstgebastelte Schaukel und hohe Bäume, die ideal dafür waren, um nach oben zu klettern – und dann hinunter ins Wasser zu springen. Wenn man es sich denn traut. Ich selbst habe, ehrlich gesagt, lieber von unten zugeschaut, etwa an dem Tag, als mein damals bester Freund nach oben kletterte und die Äste plötzlich begannen, beängstigend laut zu knacken. Er musste schneller ins Wasser springen als ihm lieb war – und noch bevor jemand von uns schauen konnte, ob das Wasser an dieser Stelle auch tief genug war. Einen Hecht hat er sicherheitshalber nicht gemacht. Aber was waren wir froh, als er prustend und gesund wieder auftauchte!

Wie viele Stunden ich am See verbracht habe, kann ich nicht sagen. Doch das Gefühl, wenn ich heute dorthin komme, ist immer noch dasselbe. Ein bisschen Freiheit, ein bisschen Abenteuer – und eine ganz besondere innere Ruhe, die die Zeit und alles andere ganz unwichtig werden lässt.

Die bislang erschienenen Ferienerlebnisse der MZ-Redakteure lesen Sie hier:


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