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MZ-Serie

04.08.2020

Feriengeschichten: Ein einwöchiges Verwöhnprogramm

Der Steg im Vordergrund führte auch damals schon in die colabraunen Fluten des Elbsees. Wegen seiner Nähe zum Stammliegeplatz war er „unser“ Steg.
Bild: Wild (Archivfoto)

Plus MZ-Redakteurin Sandra Baumberger erinnert sich an ihre Kindheit und erzählt, warum der Urlaub in Ronsberg und am Elbsee so paradiesisch war.

Den Deutschen wird gerne nachgesagt, sie seien die Reiseweltmeister schlechthin. Lange Zeit war das wohl auch so. Ferien und Urlaubsreise ins Ausland waren ein- und dasselbe. Dann kam Corona, und die Ferienreise ins Ausland fällt heuer aus. Das kann aber auch seine guten Seiten haben. In unserer Serie erzählen Redaktionsmitglieder, wie spannend es in ihrer Kindheit in den Ferien daheim zuging. MZ-Redakteurin Sandra Baumberger erinnert sich.

Tanten-Ferien im Sommer

Sommerferien, das waren bei uns die Tanten-Ferien. An Pfingsten ging es – weil in dieser Zeit noch Vorsaison und der Urlaub deshalb billiger war – über Jahre hinweg ins damals noch existierende Jugoslawien. Und in den Sommerferien dann genauso traditionell für eine Woche ins nur sechs Kilometer entfernte Ronsberg. Für mich zu Tante Ingrid, für meine Schwester zu Tante Irmi. Nicht, weil wir im Doppelpack einer Tante allein nicht zuzumuten gewesen wären, wie ich betonen möchte. Aber es bestand die Gefahr, dass die Tante, die nicht zum Zuge gekommen wäre, das meinen Eltern schwer verübelt hätte – und das wolle natürlich keiner riskieren. (Und vielleicht hatten meine Eltern angesichts von uns Rotzgören doch so ihre Bedenken ...)

Verwöhnprogramm inklusive

Für meine Schwester und mich war diese Lösung jedenfalls gleichbedeutend mit dem Paradies. Beide Tanten, ebenfalls Schwestern, lieferten sich nämlich einen emsigen Wettstreit, wer uns im Laufe dieser Woche ärger verwöhnte: „Bei uns gab es heute Mittag Schnitzel mit Pommes und hinterher natürlich ein Eis“, prahlte die eine, um die Kindertauglichkeit ihrer Verpflegung unter Beweis zu stellen. „Wir waren dafür in Obergünzburg und haben dem Kind ein neues T-Shirt gekauft“, hielt die andere dagegen. Unnötig zu erwähnen, dass im Laufe der Woche auch noch Kind zwei in den Genuss von Pommes kam oder – ich glaube ich erwähnte schon, dass es da einen gewissen Wettstreit gab – sogar eine Pizzeria aufgesucht wurde, während sich umgekehrt auch Kind eins über ein neues Kleidungsstück freuen durfte.

Unvergessen das colabraune Wasser des Morrsees

Aber die meisten Tage verbrachten wir ohnehin alle gemeinsam am Elbsee. Die stets mürrische Kassiererin an der Schranke, der Parkplatz am Hang, die Kiefernzapfen, auf die man barfuß besser nicht trat, der ganz spezielle Geruch der immer dunklen, feuchten und bei Spinnen ungemein beliebten Umkleidekabinen, das Schild „Zu den Aborten“, an dem man mit Badetasche und Luftpumpe unterm Arm auf dem Weg zum „Strand“ vorbeiwankte und natürlich das colabraune Wasser dieses Moorsees, der mir immer ein kleines bisschen unheimlich war – einfach unvergessen.

Auch meine Cousins und Cousinen, alle ein gutes Stück älter als wir zwei, – Sie ahnen vielleicht, warum meine Tanten uns so verwöhnten – waren oft am See und ließen es sich nicht nehmen, meiner Schwester und mir am Kiosk ein Eis zu spendieren oder mit uns bis zu dem Floß hinauszuschwimmen, auf dem man sich schon ungeheuer groß vorkam.

Schlechtes Wetter? Gab es nur selten

An schlechtes Wetter kann ich mich kaum erinnern. Und wenn es dann doch mal geregnet hat, hat mein Onkel den Videorekorder – eine Errungenschaft, die zum meinem Leidwesen bei uns zuhause nie Einzug gehalten hat – in Gang gesetzt und wir durften „Das letzte Einhorn“ oder einen anderen schönen Kinderfilm anschauen. Traumhaft war das – und die Woche immer viel zu schnell vorbei. Zum Glückgingen auch unsere Eltern gerne mit uns am Elbsee baden, man traf die halbe, nicht eben kleine Verwandtschaft – und das Verwöhnprogramm ging in die Verlängerung.

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