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Bad Wörishofen

30.10.2020

Gäste müssen abreisen: Wie es in Bad Wörishofen jetzt weitergeht

Wer noch in Bad Wörishofen urlaubt, muss seinen Zimmerschlüssel zurückgeben. Mit dem Beginn der ersten Novemberwoche tritt erneut ein Verbot von touristischen Übernachtungen in Kraft.
Bild: Sven Hoppe/dpa

Plus Bad Wörishofens Hotels und Restaurants müssen in der Corona-Krise erneut schließen. Handel, Hotellerie und Gastronomie entgehen Millionen. Was bedeutet das für das anstehende Kneipp-Jubiläum?

Zum zweiten Mal in diesem Jahr müssen Bad Wörishofens Hotels unfreiwillig schließen. Das bundesweite Verbot von touristischen Übernachtungen in der Corona-Krise trifft die 115 Hotelbetriebe in Bad Wörishofen erneut – und damit die Stadt. Es geht um einige Millionen Euro, die nun im November nicht in Bad Wörishofen ausgegeben werden. Angesichts der Lage macht einer der bekanntesten Hoteliers der Stadt einen weitreichenden Vorschlag.

Die 3548 Betten (Stand 2019) in Bad Wörishofens Beherbergungsbetrieben müssen im November leer bleiben, außer es liegen notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke vor. Auch die Gastronomie muss schließen, Essen darf nur noch dort abgeholt werden.

Hans-Peter Schegerer, der Chef des Kur- und Sporthotels Angerhof, blickt mit Sorge auf die nächsten Wochen und Monate. Dabei geht es ihm auch um die Kneippstadt als Ganzes und auch um die zahlreichen Beschäftigten, die nun schon wieder in Kurzarbeit geschickt werden müssten. „Dass die Infektionszahlen so schnell steigen, hat uns alle überrascht, das nehme ich auch der Politik ab“, sagt er. Anlass für Kritik sieht er trotzdem.

Bad Wörishofens Hoteliers hoffen auf die versprochenen Finanzhilfen des Bundes

„Im März standen wir vor einem Scherbenhaufen, aber so eine Situation hat keiner kommen sehen“, sagt Schegerer. „Aber jetzt ist es nicht viel besser, dabei hatten die Verantwortlichen jetzt sechs Monate Zeit“, verdeutlicht er. Die Hoteliers selbst hätten ihre Hausaufgaben erledigt. Er selbst habe über alles andere hinaus auch für tausende von Euros Filtersysteme für die Raumluft angeschafft. „Die Hotelbranche hat ein besseres Hygienekonzept als manch andere Branche und trotzdem müssen wir jetzt zumachen“, kritisiert Schegerer.

Schegerer setzt jetzt auf die versprochenen Finanzhilfen. Bis zu 75 Prozent des Umsatzes im Vorjahresmonat will der Bund erstatten. „Wenn wir diese Förderung tatsächlich bekommen, ist das toll“, sagt der Hotelier.

Das Jubiläum „100 Jahre Bad“ sei für Bad Wörishofens Betriebe bereits „verpufft“

Schegerer lenkt den Blick noch auf ein anderes Problem. Schon heuer sei das Jubiläum „100 Jahre Bad“ wegen der Corona-Einschränkungen praktisch „verpufft“, wie Schegerer sagt. „Im nächsten Jahr wollten wir mit dem 200. Kneipp-Geburtstag richtig durchstarten, das wäre eine große Chance gewesen“, sagt der Hotelier. „Aber die verpufft wahrscheinlich auch.“ Schegerer sagt deshalb, man müsse sich jetzt darüber unterhalten, ob die großen Feierlichkeiten nicht um ein Jahr verschoben werden. Mindelheim habe das Frundsbergfest ja auch verlegt.

Solche Gedanken macht sich Hotelier Christian Förch vom Kur- und Wellnesshotel Förch noch nicht, wie er sagt. Er blickt auf die aktuelle Lage und sagt: „Es ist wie es ist.“ Auch Förch hofft auf die Finanzunterstützung. „Wenn sie wirklich so kommt, wäre das okay“, sagt er. Der November sei in seinem Haus normalerweise ein guter Monat.

So sehen die Zahlen in Bad Wörishofen im November normalerweise aus

2019 verzeichnete Bad Wörishofen insgesamt im November 12.598 Übernachtungsgäste, im Jahr davor waren es 13.183. Daraus ergaben sich 41.178 Übernachtungen im Jahr 2019 und 41.410 Übernachtungen im November des Jahres 2018. Allgäuweit geben Übernachtungsgäste pro Tag im Schnitt 130 Euro aus. Das steht in einer Studie aus dem Jahr 2016. Da ist man schnell bei gut fünf Millionen Euro, welche in Bad Wörishofen nicht ausgegeben werden. Kurdirektorin Petra Nocker hatte schon vor dem ersten Lockdown mit dann rund 100.000 Übernachtungen weniger in Bad Wörishofen gerechnet, was bereits einem Verlust von etwa 13 Millionen Euro entspräche. „Ich wäre glücklich, wenn Weihnachten dann funktioniert“, sagt Förch zur Entwicklung der nächsten Wochen.

Staatssekretär Klaus Holetschek verteidigt die Schließungen, stellt aber auch Forderungen

Bad Wörishofens Altbürgermeister, Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek, verteidigt die Schließungen ab November. Er macht aber klar: Die Branche brauche weitere Unterstützung. „Wir brauchen zusätzliche Ausgleichszahlungen, um die finanzielle Grundlage für Hotels und Restaurants auch weiterhin zu sichern.“

Corona ist nicht so lässig wie eine Grippe. Die aktuelle Entwicklung ist besorgniserregend“, verweist Holetschek auf die aktuellen Fallzahlen. „Wir müssen deshalb alles tun, um die Übertragung des Virus drastisch zu reduzieren.“ Dazu gehöre nun mal auch die Schließung von Hotels und Gastronomiebetrieben, obwohl diese „kein Übertragungs-Hotspot“ seien, sagt Holetschek, der auch Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben ist. „Ich bin ja selbst ein Touristiker und kann den Unmut absolut nachvollziehen“, sagt Holetschek. Daher sei es jetzt umso wichtiger, die Branche wirkungsvoll zu unterstützen: „Wir müssen hier nachbessern – möglicherweise mit einem neuen Schutzschirm.“ Zudem plädiert er für eine unbefristete Senkung der Mehrwertsteuer.

Auch in Bad Wörishofens Nachbarschaft ist die Lage angespannt, etwa in Rammingen

Regina Auer, Hotelchefin des Kurheim Schropp in Bad Wörishofen, bedauert ebenfalls die Entscheidung der Hotelschließung im November sehr. „Jetzt ist die Situation eher trostlos“, sagt sie. Das Geschäft beeinträchtigt hätte, so Regina Auer, jedoch auch bereits die regelmäßige Aussage von Kanzlerin Angela Merkel, auf Reisen zu verzichten. Gerettet habe die Saison der September, der relativ normal verlaufen sei. Doch jetzt müssten ihre Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit geschickt werden. Hoffnung machten die Entschädigungen, die von der Regierung gezahlt werden. Auch Auer denkt über das Kneipp-Jubiläum nach. „Bei einer Verschiebung würde die Jahreszahl ja nicht mehr stimmen“, gibt sie zu bedenken. „Doch wenn vieles nur mit den jetzigen Vorgaben durchgeführt werden könnte, wäre es ebenfalls nicht einfach. Ich glaube, das wäre eine ganz schwierige Entscheidung.“ Alina Ferizi vom Kurhotel Tanneck in Bad Wörishofen würde sich im Augenblick noch wünschen, dass „200 Jahre Kneipp“ so wie geplant stattfinden könnte. Die jetzige Schließung treffe das Hotel sehr hart. „Wir wären im November gut belegt gewesen.“ Stattdessen müsse man jetzt 26 Personen heimschicken und ernte Stornierungen. Für Ferizi ist der Beschluss nur schwer nachvollziehbar, weil es im Tanneck noch keinen einzigen Fall von Corona bisher gegeben habe und weil das umfangreiche Infektionsschutzkonzept offensichtlich erfolgreich war. Auch im Tanneck hoffe man nun auf das Weihnachtsgeschäft.

In der Nachbarschaft ist die Lage ebenfalls angespannt. „Da müssen wir jetzt durch, leider“, sagt Markus Hammerl vom Gasthof Stern in Rammingen. Schon als die Inzidenzzahlen im Unterallgäu erst auf Rot und dann auf Dunkelrot stiegen, hagelte es Absagen: Rund 60 Weihnachtsfeiern von Firmen wurden ersatzlos gestrichen. „Dabei ist der Dezember eigentlich unser umsatzstärkster Monat“, bedauert Stern-Wirt Markus Hammerl. Auch er hofft jetzt auf die angekündigten Hilfen. Dann sei es wohl finanziell zu stemmen.

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