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Unterallgäu

14.12.2015

Goldsucher ziehen durch die Region

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2 Bilder
Mit Sonden durchforsten Schatzsucher den Boden im Unterallgäu nach Gold.
Bild: Jens Büttner/dpa (Symbol)

Im Unterallgäu tummeln sich Schatzsucher auf Feldern und Fluren. Einer von ihnen sorgte vor 25 Jahren für eine Sensation. Beliebt sind die Sondengänger nicht.

200 Tonnen Smaragde, Goldmünzen und Edelsteine schlummern seit mehr als 300 Jahren auf dem Meeresgrund vor der Küste Kolumbiens. Der jetzige Fund gehört zu den spektakulärsten überhaupt. Fachleute schätzen den materiellen Wert auf mehrere Milliarden Euro. Vom Schatzfieber sind aber nicht nur Taucher weltweit erfasst. Seit Kriegsende suchen Abenteurer in halb Europa nach dem verschwundenen Nazi-Gold. Und auch das Unterallgäu hat seine ganz eigenen Schatzsuchergeschichten.

1990 waren bei Sontheim 350 sogenannte Regenbogenschüsselchen gefunden worden. Das sind Goldmünzen aus der Keltenzeit um 100 vor Christus. Die schüsselförmig gewölbten und gewöhnlich unbeschrifteten Goldstücke erhielten ihren Namen wegen ihrer Form und dem Volksglauben, dass man sie am Ende eines Regenbogens findet. Nach starken Regenfällen wurden sie im Mittelalter auf Äckern freigespült und von Bauern bei der Feldarbeit als Glücksbringer eingesammelt.

Der Sontheimer Gold-Fund wog fast 3 Kilo

Der Sontheimer Fund war 2,7 Kilogramm schwer. Er war, wie sich später herausstelle, illegal geborgen worden. Ein Privatmann hatte mithilfe einer Sonde die Münzen aus der Keltenzeit entdeckt. Der Mann versuchte daraus besonderen Gewinn zu schlagen. Er ließ Kopien anfertigen und versuchte, diese bei Antiquitätenhändlern als echt loszuschlagen. Münchner Händler zogen Fachleute hinzu. Ergebnis: Exakt solche Münzen waren zuvor noch niemals aufgetaucht. Die Ermittler nahmen Spur auf und deckten so den Fund des Keltenschatzes bei Mindelheim auf.

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Die Prähistorische Staatssammlung in München bemühte sich, alle Fundstücke zu erfassen und zu kaufen. Die Fälschungen waren übrigens nicht gegossen, sondern geprägt worden. Nachträglich wurden Einhiebe vorgenommen, um so Risse vorzutäuschen. Zusätzlich aufgetragene Goldpartien auf den Vorderseiten der Münzen sollten einen Vergleich zwischen Original und Kopie erschweren, schreibt der Münzexperte Bernward Ziegaus in dem Buch „Der Münzfund von Sontheim“, das in einer Reihe der Prähistorischen Staatssammlung München erschienen ist.

Der Fund ist heute in der Staatssammlung in München ausgestellt. Kopien sind im Südschwäbischen Archäologiemuseum in Mindelheim zu sehen. Inzwischen sind allerdings Zweifel aufgetaucht. Sie beziehen sich auf den Fundort des Schatzes. Der Sondengänger war offenbar auch viel in Württemberg und in Böhmen unterwegs. Erdpartikel, die an Münzen gefunden wurden, sagt Peter Hartmann, deuteten auf einen Fundort außerhalb des Unterallgäus hin. Noch gilt der Schatz aber als Sontheimer Keltengold.

Es gibt Regeln für Schatzsucher

Damit ist eines der besonderen Probleme beschrieben, wenn Laien auf Schatzsuche losziehen. Sie dokumentieren in den seltensten Fällen den genauen Fundort. Das aber ist für die Wissenschaft wichtig. Und es besteht die Gefahr, dass an der Fundstelle aus Unachtsamkeit vieles zerstört wird.

Mit Sonden und Pickel ausgerüstete Schatzsucher und Abenteurer tummeln sich regelmäßig im Unterallgäu. Kreisheimatpfleger Peter Hartmann aus Mindelheim weiß davon ein unschönes Lied zu singen. Manchmal sind es neugierige Schüler, die losziehen. Oft aber kommen Leute mit professioneller Ausrüstung von außerhalb.

Was Hartmann besonders Kummer macht: Die Leute nehmen den Bayerischen Denkmalatlas zur Hand und graben auch an Burgstellen, wo sie definitiv nichts verloren haben. An Denkmalen ist es generell verboten, nach Spuren aus der Geschichte zu buddeln.

Die Technik macht vieles möglich. Der moderne Schatzsucher kann genau sagen, ob es sich in der Erde um Gold, Silber, Messing oder Eisen handelt und sogar in welcher Tiefe die Metalle liegen. Diese Gerätschaften sind frei verkäuflich, weiß Hartmann. „Leider wird den Käufern kein Hinweis gegeben, wo sie keinesfalls suchen dürfen.“

Grundsätzlich ist es in Bayern erlaubt, mit Sonden auf Schatzsuche zu gehen. Der Grundstückseigentümer muss aber gefragt werden. Und Funde müssen beim Landratsamt oder beim Kreisheimatpfleger gemeldet werden. Dort werden sie registriert. Der Finder bekommt dann eine Kopie der Meldung und das Fundstück zurück, erläutert Hartmann. Die Hälfte des Fundstücks gehört dem Finder, die andere dem Grundstückseigentümer. Bei besonders wertvollen Stücken versucht der Staat, diese zu kaufen.

Auch Geocaching stört Archäologen

Was aber geschieht, wenn jemand erwischt wird, wo er nichts zu suchen hat? Der Kreisheimatpfleger notiert sich in der Regel die Autonummer und fotografiert den Täter. Früher hat er die Leute noch angesprochen, damit aber nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Manche hätten sehr aggressiv reagiert und keinesfalls einsichtig. Die Schatzsucher meldet Hartmann an die Archäologen in München.

Die wenigsten werden erwischt. Gerade an Burgen oder Burgresten finden Fachleute immer wieder illegale Grabungsstellen. Sorgen bereitet Archäologen auch ein modernes Suchspiel, das sogenannte Geochaching. Das ist an sich eine harmlose Schnitzeljagd in der Natur. Ausgestattet mit einem GPS-Empfänger und den Koordinaten eines „Schatzes“ aus dem Internet kann man die Schätze finden, die jemand anderer an ungewöhnlichen Orten versteckt hat. Weil dazu immer wieder Burgmauern als Verstecke genutzt werden, lehnen Denkmalschützer das ab.

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