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Rammingen

28.12.2020

Gute Luft für Rammingens Grundschüler

Noch vor der Wiederaufnahme des Unterrichts in der Ramminger Grundschule konnten die neuen Lüftungsanlagen in vier Klassenzimmern installiert werden. Sichtlich zufrieden zeigten sich (von links) Bürgermeister Anton Schwele und Schulreferent Hans Schindele sowie die Vertreter der beteiligten Gewerke, Josef Mörz (Elektrotechnik Mörz) und Thomas Wiedemann (Zitzler Haustechnik).
Bild: Regine Pätz

Plus Warum Rammingen als einzige Gemeinde im Unterallgäu auf eigene Kosten Lüftungsanlagen in allen vier Klassenzimmern der Grundschule eingebaut hat.

Wenn sich die Ramminger Grundschüler nach den Weihnachtsferien wieder in ihren Klassenzimmern einfinden, dürfte –wenn man so will – das Aufatmen groß sein. Denn seit dieser Woche können alle Unterrichtsräume der Grundschule durch eingebaute technische Lüftungsanlagen mit gereinigter Frischluft versorgt werden.

Durch den vorgezogenen Ferienbeginn konnte die Einbaumaßnahme, einvernehmlich verabschiedet durch das Ramminger Gremium (wir berichteten), noch vor Heilig Abend durchgezogen werden. Der Lockdown sollte zumindest in diesem Fall sein Gutes haben.

Bürgermeister Anton Schwele ist überzeugt, dass das Geld für die Lüftungsanlagen gut investiert ist

Rund 60.000 Euro hat die Gemeinde für die vier Geräte plus Technikpaket investiert; ein deutlicher Betrag, der jedoch kaum besser eingesetzt werden könnte, wie Bürgermeister Anton Schwele bei der Abnahme der Lüftungsanlagen erklärte.

Einen gut gefüllten Fördertopf für den Einbau von Lüftungsanlagen und sogenannten CO2-Ampeln in Schulen und Kitas hat der Freistaat Bayern zwar aufgelegt, doch daraus werden nur Neuanschaffungen mobiler Geräte oder Um- und Aufrüstung bestehender Anlagen gefördert. Deswegen fiel die Gemeinde mit ihren dezentral eingebauten Lüftungsanlagen durch das Raster und musste die Kosten zu 100 Prozent selbst tragen – der nun zur Verfügung stehenden, virenfrei gehaltenen Luft im Schulzimmer zum Trotz.

Nicht nur für Bürgermeister Anton Schwele ärgerlich; auch Gemeinderat und Schulreferent Hans Schindele (UWG) kann sich nur wundern über die Vorgehensweise der Politiker. So hatte noch zuvor das Bundesumweltamt solchen Anlagen, wie nun in Rammingen im Kampf gegen Viren im Einsatz sind, die größte Wirksamkeit zugesprochen.

Laut Hans Schindele ist das wegen Corona erforderliche Stoßlüften eine "enorme Energieverschwendung"

„Nach 20 Minuten ist der CO2-Wert im Klassenzimmer überschritten“, sagt Hans Schindele, „dann müsste jeweils stoßgelüftet werden“. Dass dabei Verordnungen, wie sie etwa das Arbeitsschutzgesetz umschreibt, für Kinderlern- und Begegnungsstätten nicht greifen, auch das könne er nur kritisch betrachten, sagt er. „Lüften allein reicht eben nicht.“

Zudem bedeute das turnusmäßige, ohne Lüftungsanlagen absolut notwendige Stoßlüften gerade in der kalten Jahreshälfte „eine enorme Energieverschwendung und verursacht immensen CO2-Ausstoß“, sagt Schindele.

Die sauberere Lösung sei es doch, durch fest installierte Anlagen verbrauchte Luft nach außen zu leiten und auszutauschen. „Dank Wärmetauscher geht die Heizenergie dabei nicht verloren“, hängt er an.

So ganz habe er sich nicht mit der unbefriedigenden Aussage zur Fördersituation vonseiten des Ministeriums abfinden wollen, sagt Hans Schindele, und deshalb auch Kontakt zum Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU) aufgenommen. Durch sein Intervenieren, so hatte sich der Schulreferent erhofft, könnte doch noch etwas in Bewegung geraten. Stracke verspricht, sich zu kümmern.

Aufwendige Installationen von Lüftungsanlagen wie in Rammingen werden vom Wirtschaftsministerium nicht gefördert

Tatsächlich lässt seine Antwort nicht lange auf sich warten. Stracke schreibt, er habe sich mit der Bitte der Gemeinde Rammingen, auch Neuinstallationen dezentraler Anlagen in die Förderrichtlinie (…) aufzunehmen, unter anderem an das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) gewandt. „In der mir nun vorliegenden Antwort begründet das BMWi die festgeschriebenen Fördervoraussetzungen mit dem begrenzt zur Verfügung stehenden Budget von 500 Millionen Euro“, schreibt Stephan Stracke. „Hiermit könne lediglich die angesprochene Auf- und Umrüstung bestehender Anlagen unterstützt werden“.

Zudem, lässt das BMWi Stracke wissen, sollten mit diesen Mitteln „die schnelle Umrüstung finanziert werden“. Aufwendigere Installationen, wie im Falle Rammingens, seien auch weiterhin nicht Gegenstand einer Förderrichtlinie.

Einmal mehr zeigten sich sowohl Anton Schwele als auch Hans Schindele enttäuscht, wenn auch nicht überrascht von der Antwort der Behörde.

Irritierend finden beide es dennoch. Gerade eine schnelle Umrüstung sei doch unter derzeitigen Corona-Bedingungen kaum durchführbar, sagte Schwele, allein schon für die Ausschreibung müsse viel Zeit in Anspruch genommen werden, „ganz zu schweigen von der Verfügbarkeit benötigter Gewerke“.

Dass die Lüftungsanlage in der Ramminger Grundschule so zeitnah eingebaut werden konnte, kann Anton Schwele denn auch nur den beiden beteiligten Gewerken zu Gute schreiben. Beide hätten sich, der Gemeinde zuliebe, kurzgeschlossen und eine Installation schnell in die Wege geleitet. Außerdem hätten die sehr guten Kontakte zum einzigen Anbieter Deutschlands im Bereich Lüftungsanlagen eine Lieferung noch vor dem neuen Jahr überhaupt erst möglich gemacht, freut sich Schwele.

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