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Mindelheim

04.07.2019

Hilda Sandtner hat die Menschen mit Schönheit erfreut

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2 Bilder
Mit einem Sommerfest im Hof der Mindelheimer Museen wurde der 100. Geburtstag von Hilda Sandtner in Mindelheim gefeiert.
Bild: Franz Issing

Die Mindelheimer Museen feiern den runden Geburtstag von Hilda Sandtner mit einem Sommerfest. Weggefährten berichten von der Künstlerin.

Hilda Sandtner ist in Mindelheim unvergessen. Zum 100. Geburtstag der Kunstpädagogin fand jetzt in den Mindelheimer Museen eine Feier aus. Im Innenhof der Museen fanden sich zahlreiche Gäste, Verwandte und ehemalige Studenten der Textilkünstlerin ein.

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In Mindelheim wurde in Erinnerungen geschwelgt

Wie bei runden Geburtstagen üblich, schwelgte man in Erinnerungen. So gab Friederike Haber den Gästen einen umfassenden Einblick in Leben und künstlerisches Schaffen, der „leidenschaftlichen Pädagogin, die für ihre Arbeit brannte“. Hilda Sandtner, so die stellvertretende Leiterin des Kulturamtes, habe Großes in den Bereichen Textilkunst, Glasmalerei und Druckgrafik geleistet.

Aus dem Nähkästchen plauderte auch Getrud Roth-Bojendzhiev, die von 1974 bis 1983 wissenschaftliche Assistentin von Hilda Sandtner an der Pädagogischen Hochschule in Augsburg war. „Hilda hat mich auf die Spur der Textilien gesetzt und mir die Augen für die Bedeutung der freien Kinderzeichnung geöffnet, berichtete sie. Missgeschicke habe die begnadete Textilkünstlerin mit Humor genommen und andere damit angesteckt. Bei einer Begegnung mit dem Mindelheimer Kunsterzieher Erwin Holzbauer und dem damaligen Bürgermeister wollte sie an einem heißen Julitag „Sulzen“ aus einer Metzgerei als Brotzeit servieren. Doch die schmolz auf der Fensterbank in der prallen Sonne dahin. Die Gäste nahmen es mit Humor und meinten: „Männer mögen bei der Hitze doch was zum Trinken“ und schlürften die würzige Flüssigkeit unter Gelächter und ohne mit der Wimper zu zucken.

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"Ordnungssysteme waren für Hilda ein Graus"

Die ehemalige Assistentin von Sandtner machte kein Hehl daraus, dass es für sie eine Herausforderung war, deren sprunghafter Intensität stand zu halten. „Ordnungssysteme, so erzählte sie, waren für Hilda ein Fremdwort. Weder bei Textilien, noch bei Fotos oder Schriftstücken. Die Folge: „Wir verbrachten viel Zeit mit Suchen“. Die ehemalige Assistentin lernte über die Jahre alle Facetten der Künstlerin Sandtner kennen. „Man kann Menschen mit Hässlichkeit, wie mit einer Axt erschlagen“, zitierte sie den Designer Peter Schmid und machte deutlich, „Hilda Sandtner hat genau das Gegenteil getan, sie hat die Menschen mit schöner Gestaltung und ausgefallener Kunst erfreut.“ Es gelte, das Andenken an ihr Schaffen wach zu halten. „Dies wird in Mindelheim in vorbildlicher Weise praktiziert“, bescheinigte sie.

Lustige Episoden aus dem Leben von Hilda Sandtner wusste auch eine ehemalige Studentin zu erzählen. Barbara Höring erlebte die Kunstpädagogin in den Jahren 1970 bis 73 als äußerst lebendig, kreativ und sehr menschlich. „Bei einer Prüfung hat sie beide Augen zugedrückt und mir unverdientermaßen eine Eins gegeben“, erinnert sich Höring. Sie weiß auch noch gut, wie sie sich und 25 Studenten bei einer Exkursion nach Ottobeuren vor dem Atelierbesuch bei ihrem Künstlerfreund Erich Schickling bei dessen Frau kurzerhand zum Tee eingeladen hat.

Gut gekannt hat Professorin Sandtner auch Schwester Anselma Jesser vom Kloster St. Ursula in Augsburg. Die Ordensfrau stellt ihr ein gutes Zeugnis aus. „Sie war hochbegabt, sehr gebildet und experimentierfreudig“, bemerkt sie.

Ein Arzt begeisterte Hilda Sandtner für Mindelheim

Schon in jungen Jahren hat Christine Döring-Coen mit Hilda Sandtner Bekanntschaft gemacht. „Ich habe ein Jahr bei ihr Kunst studiert, bevor ich zur Medizin wechselte“, erzählt die Mindelheimer Augenärztin und auch dass ihr Vater Franz Döring Hilda Sandtner für Mindelheim begeistert und sie zur Gründung eines Textilmuseums animiert hat. „Unsere Tante war sehr humorvoll und bei ihrer Liebe zur Kunst war sie immer auf der Flucht und hat auch schon mal vergessen, etwas zu essen“, erzählen Nichte Ehrentrud Hellebrand und Großnichte Gerda Burda aus Memmingen. „Trotz ihrer vielen Arbeit hat sie immer wieder Feste veranstaltet und dazu Verwandte und Freunde eingeladen, die Familie war ihr sehr wichtig“, bemerken die beiden Frauen. Und sie geben zu bedenken: „Als emanzipierte Frau und von ihren Studenten hochverehrte Professorin habe es die Tante zu ihrer Zeit nicht leicht gehabt ihren Mann zu stehen und sich durchzusetzen. Eine Schau zu Ehren von Hilda Sandtner wird derzeit in den Mindelheimer Museen gezeigt. Sie läuft noch bis zum 29. September.

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