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Unterallgäu

08.12.2019

Immer mehr Wildunfälle im Unterallgäu

So sieht der Alptraum eines Autofahrers aus: Unfälle mit Wildschweinen können sher gefährlich werden.
Bild: dpa

Plus Woran das liegt, was Experten aus der Region raten – und wo es im Landkreis am häufigsten kracht.

Es ist noch früh am Morgen. Ein 58-Jähriger fährt von Markt Wald nichts ahnend in Richtung Tussenhausen. Dann, auf Höhe des Wertstoffhofs, kracht es. Ein Wildschwein hat das Auto mit voller Wucht gerammt. Es flieht in den angrenzenden Wald, hinterlässt 3000 Euro Sachschaden und einen verschreckten Fahrer. So geschah es am vergangenen Mittwoch.

Und so geschieht es häufiger, in Bayern wie im Unterallgäu. Denn die Zahl der Wildunfälle ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Während laut Polizei 2015 noch 894 Wildunfälle im Landkreis registriert wurden, waren es 2018 schon 1185 – ein Anstieg um knapp ein Drittel. Jährlich sind die Unfallzahlen um rund zehn Prozent gestiegen. Das zuständige Polizeipräsidium Schwaben Süd/West geht davon aus, dass sich dieser Trend auch im laufenden Jahr fortsetzt. Die Zahlen passen zur bayernweiten Entwicklung: Im Freistaat nahm die Zahl der Wildunfälle im Vergleich zu 2018 um gut acht Prozent zu.

Neun Menschen wurden im Unterallgäu bei einem Wildunfall verletzt

Die Zusammenstöße hinterlassen Spuren, so oder so. Am Menschen: Neun Personen wurden 2018 im Landkreis Unterallgäu durch einen Wildunfall verletzt, acht davon leicht, eine schwer. Am Tier: Nicht selten werden die Vierbeiner durch die Kollision schwer verletzt und sterben, entweder auf der Stelle oder später zurückgezogen im Schutz der Natur. Und auch am Auto: Der Sachschaden in ganz Bayern lag 2018 bei 2,5 Millionen.

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Fest steht: Je mehr Wildunfälle passieren, desto wahrscheinlicher häufen sich auch schwere Verletzungen bei Mensch und Tier. Doch womit lässt sich der Anstieg in den vergangenen Jahren erklären? In vielen Bereichen Bayerns geht die Polizei davon aus, dass die Reh-Population gestiegen ist und deshalb auch mehr Unfälle passieren. „Hier bei uns trifft das aber nicht zu“, sagt Peter Heckel, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Mindelheim. Er betreut drei Reviere rund um Mindelheim, aufgeteilt auf insgesamt 960 Hektar. Die Ursache vieler Unfälle in der Region sieht Heckel vielmehr im zunehmenden Verkehr – auf den Straßen, aber auch in der freien Natur: „Immer mehr Menschen sind im Wald unterwegs, egal ob Jogger, Spaziergänger, Mountainbiker oder Reiter“, sagt Heckel. „Gerade Rehe werden dadurch verschreckt und laufen dann los. Oft dauert es lange, bis sie stehen bleiben. Vor Straßen machen sie aber normalerweise nicht Halt.“ Grund dafür ist der starke Flucht-Instinkte der Rehe. Doch auch der Verkehr auf den Straßen nimmt laut Heckel zu. „Ganz eindeutig. Gerade in Mindelheim gibt es viele Arbeitsplätze, alles expandiert“, sagt Heckel. „Dadurch sind immer mehr Leute zu Zeiten unterwegs, in denen die Tiere stärker aktiv sind, und die Unfallgefahr steigt – vor allem im Wald und bei Dämmerung.“

Auf fast jeder Straße im Unterallgäu sind schon Wildunfälle passiert

Die Polizei stimmt dieser Einschätzung zu. Sie erfasst auf einer Karte detailliert die Stellen, an denen Wildunfälle im Landkreis Unterallgäu passieren. Dort ist zu sehen, dass es auf fast jeder Straße zu Wildunfällen kommt. Und doch gibt es Abschnitte, auf denen es besonders häufig kracht. Diese verlaufen tatsächlich oft zwischen Mindelheim und den umliegenden Orten. Dazu zählt insbesondere die Bundesstraße nach Bad Wörishofen, die zu weiten Teilen durch Waldgebiet führt. Aber auch zwischen Mindelheim und Mattsies sowie Oberrieden sind Häufungen feststellbar. Weitere Wildunfall-Schwerpunkte liegen zwischen Pfaffenhausen und Breitenbrunn und rund um Ettringen.

Um die Unfälle zu vermeiden, wurden schon zahlreiche Maßnahmen erprobt, zuletzt etwa blaue Reflektoren am Straßenrand – diese hätten sich aber als wirkungslos erwiesen, sagt Thomas Maier, Leiter der Polizeiinspektion Bad Wörishofen. „Die Tiere gewöhnen sich daran und laufen dann wieder auf die Straße wie davor auch. Oft verlagert sich das Problem dadurch nur an eine andere Stelle“, sagt Maier. „Es ist eine Sysiphusarbeit.“

Jäger Peter Heckel setzt leise Hoffnungen in eine Methode, die derzeit in Bayern getestet wird: ein Warnsystem, das Tiere in der Nähe von Straßen mittels Infrarotsensoren erkennt und Autofahrer unmittelbar warnt. Die Maßnahme sei zum jetzigen Stand zwar noch relativ teuer, ein Sensor koste rund 100 Euro. Trotzdem: „Das wäre sicher nicht das schlechteste. Entscheidend ist und bleibt aber, dass die Autofahrer auf ihre Geschwindigkeit achten.“ Auch Thomas Maier von der Polizeiinspektion Bad Wörishofen appelliert: „Langsamer fahren, sonst hilft eigentlich nichts. Man muss einfach wissen, dass so ein Tier kommen kann.“

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