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Bad Wörishofen

07.02.2020

Intensive Debatte um die Zukunft des Klosters

Der Kreuzgang des Dominikanerinnenklosters von Bad Wörishofen.
Bild: Tobias Hartmann

Plus Pfarrer Hartmann hat viele Fragen. Was die CSU zur Klosternutzung sagt – und warum der Förderkreis Kneipp-Museum nun Klarheit fordert.

In der Debatte um eine künftige Nutzung des Klosters von Bad Wörishofen hat sich nun auch Pfarrer Andreas Hartmann zu Wort gemeldet. „Von einer schnellen und vielleicht auch übereilten Entscheidung im Wahlkampf halte ich nichts“, schreibt Hartmann in einem Brief, den bereits alle Stadtratsmitglieder und Bürgermeister Paul Gruschka (FW) erhalten haben. Dass das Kloster „kein Wahlkampfthema“ sei, findet man auch bei der CSU. Man sei von der Pressemitteilung der Stadt über die Zukunft des Klosters „enttäuscht“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion. Unterzeichnet haben diese Zweiter Bürgermeister und Fraktionssprecher Stefan Welzel, Michaela Bahle-Schmid und Ludwig Kreuzer.

Auf eine baldige Entscheidung hofft dagegen der Förderkreis Sebastian-Kneipp-Museum Bad Wörishofen. Dort treibt man nämlich die Modernisierung des Museums voran. Angesichts der Debatte ums Kloster müsse nun dargestellt werden, wo das neue Kneipp-Museum künftig seinen Platz haben wird, teilten der Vorsitzende Werner Büchele und sein Stellvertreter Hans-Horst Fröhlich mit. Sie haben dies in einem offenen Brief getan, der an alle Ratsmitglieder und Bürgermeister Paul Gruschka (FW) geht. Es bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

CSU kritisiert Rathaus-Mitteilung „zur Unzeit“

Bei der CSU hieß es am Donnerstagnachmittag, Gruschkas Pressemitteilung sei „zur Unzeit“ gekommen. Der Bürgermeister hatte darin unter anderem öffentlich gemacht, dass bis zum 30. Oktober 2020 ein Übernahmevertrag für das Kloster geschlossen werden soll. Es wäre dann in städtischer Hand.

Die Mitteilung „erweckt den Eindruck, dass die Stadt mit ihren Gremien intensiv an der Nachnutzung der Klostergebäudlichkeiten arbeiten würde“, so die CSU. Einige Dinge könne man so nicht stehen lassen. „Das Rathaus im Kloster ist keine Lösung“, kritisiert die CSU. „Wir können uns allenfalls Teilbereiche dieser Nutzung vorstellen, wie beispielsweise weiterhin ein Trauungsraum, Veranstaltungsmöglichkeiten oder eventuell einmal die Kurverwaltung.“ Gruschka will die Stadtverwaltung ins Kloster verlegen und im Gegenzug das Rathaus verkaufen, das sanierungsbedürftig ist.

Mehr zu Gruschkas Plänen lesen Sie hier:

Kloster: Noch heuer ein Überlassungsvertrag

Was die CSU außerdem stört: Das von einem Architekten vorgestellte Konzept ließe keinen Platz für das Mehrgenerationenhaus (MGH). „Und das MGH muss auch zukünftig ein fester Bestandteil der Klosternutzung sein“, verdeutlicht Fraktionschef Stefan Welzel. Ähnliches gelte für das Kneipp-Museum. Der Förderkreis sagte dazu am Donnerstagnachmittag, wenn das neue Museum ebenfalls im Kloster entstehen soll, müsse „zwingend auch über den möglichen Standort der Rathausverwaltung im Kloster vorab entschieden werden.“ Oder es müsse ein anderer Standort für das Museum ausgewählt werden.

Dass es erst eine Sitzung der Steuerungsgruppe gab, welche die Übernahme des Klosters durch die Stadt vorbereiten soll, kritisiert die CSU. Fünf Monate seien „ungenutzt“ verstrichen, man rechne mit weiteren „drei Monaten Stillstand“. Die CSU begründet dies mit Gruschkas Aussage, das sei eine Aufgabe für den neuen Stadtrat. „Das ist mit uns nicht zu machen“, kündigt Welzel an. „Deshalb werden wir nachhaken, wann endlich Sitzungen der Steuerungsgruppe einberufen werden.“ Die nun von Gruschka bekannt gemachten Beschlüsse vom September 2018 seien zudem bislang nicht vollzogen, so die CSU.

Weder lägen alternative Nutzungskonzepte vor noch Kostenrechnungen für Alternativen. „Ein großes Geheimnis der Rathaus- ins-Kloster-Befürworter wird bleiben, wie man einen zweistelligen Millionenbetrag dafür aufbringen will“, so die CSU. Es werde für einen Verkauf des Rathauses keinen Erlös in dieser Höhe geben.

Was die Bistumsleitung damals anbot, wurde abgelehnt

Das Kloster müsse ein geistlicher Ort bleiben, findet derweil Pfarrer Hartmann. Ein Kloster ohne Gebet und geistliches Leben sei ein Baudenkmal, kein Kloster mehr.

Hartmann schreibt, nach seinem Kenntnisstand sei völlig offen, welche Zukunft die Klosterkirche habe. Auch die Nutzung des Schwesternchores sei unklar. Beides bezeichnet er als das Herz des Klosters. Hartmann sagt, 2013 habe es letztmals einen Runden Tisch zu diesen Fragen gegeben, damals noch ohne ihn.

Weitere Stimmen zur Zukunft des Klosters:

Wie soll Bad Wörishofen das Kloster bewahren?

Die Bistumsleitung habe allerdings damals Bereitschaft signalisiert, eine Stiftung zu gründen, mit der Aufgabe, die Zukunft des Klosters zu gestalten. Der damalige Verwalter des Klosters habe diese Idee aber abgelehnt, so Hartmann.

„In der Zwischenzeit wurden bedauerlicherweise keine gemeinsamen weiteren Gespräche geführt, obwohl sich in den vielen Jahren die Ausgangslage verändert hat“, so Hartmann. Er würde sich wünschen, dass diese Gespräche nach der Wahl wieder aufgenommen werden, mit Vertretern der Stadt, der Bistumsleitung, es Klosters, des Mehrgenerationenhauses, des Hotels Kuroase, des Kneipp-Museums und der Pfarrei St. Justina.

Hartmann stellt Fragen in den Raum, die seiner Meinung nach offen sind: Es geht um Nutzung und Eigentum an der Klosterkirche. Es geht um das Kloster als geistlicher Ort, um die Nutzung des Schwesternchores und den Umgang mit der Kuroase im Kloster. „Wer bekommt das Vermögen des Klosters?“ Auch diese Frage stellt Hartmann. Und: „Wie wird mit den vielen Kunstschätzen umgegangen?“

Hartmann will zudem wissen, was mit dem Sterbezimmer Kneipps im Kloster geplant ist und welche Meinung die Bad Wörishofer Bürger zur Kloster-Nutzung haben.

Der Pfarrer stellt auch die Zukunft der Schwesternschaft in den Mittelpunkt. Wo sollen die Dominikanerinnen ihren Lebensabend verbringen? Wie könnte das Kloster umgestaltet werden, damit die Schwestern nicht noch einmal umziehen müssen? Schließlich müsse geklärt werden, wie lange die Schwestern im Kloster bleiben wollen. Er glaubt, dass den Dominikanerinnen eine „sinnvolle und nachhaltige Lösung“ wichtiger sei „als eine schnelle Entscheidung“.

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