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Konzert

02.10.2019

Juwelen klassischer Musik

Unter der Leitung von Gerhard Fackler spielte die neue Schwäbische Sinfonie im Kirchheimer Zedernsaal. Beeindruckende Werke von Mozart und Beethoven entfalteten im historischen Ambiente besondere Strahlkraft.
Bild: Niedermair

Die Neue Schwäbische Sinfonie begeistert im Zedernsaal mit Musik von Mozart und Beethoven

Minutenlange Ovationen belohnten den Auftritt der Neuen Schwäbischen Sinfonie unter der Leitung von Gerhard Fackler, die sich bei ihrem Konzert im Zedernsaal von Schloss Kirchheim herausragenden Mozart- und Beethoven-Kompositionen widmete. Den hohen Anforderungen, welche diese Meisterwerke an jedes Orchester stellen, wurden die rund 50 Mitwirkenden in eindrucksvoller Manier gerecht. Dem hervorragenden Dirigenten Gerhard Fackler, der die Partituren komplett verinnerlicht hat, gelang es, seine mehrheitlich aus Laien bestehenden Register zu einem derart beseelten, überaus harmonischen Zusammenspiel zu führen, dass der Glanz der einfallenden Herbstsonnenstrahlen gegenüber der Strahlkraft der Musik fast zu verblassen schien.

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Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zur „Zauberflöte“ (1791 uraufgeführt) eröffnete das 1986 gegründete Orchester das anspruchsvolle Programm und konnte dabei sogleich jene rhythmische Spannung aufbauen, welche diese ohne thematischen Bezug zur Handlung der Märchenoper auskommende und im munteren Wechsel von „Adagio“ und „Allegro“ sehr effektvolle Einleitung kennzeichnet.

Mozarts „Zauberflöte“ stellte den ersten großen Glanzpunkt einer gegenüber der italienischen Oper eigenständigen deutschen Gattungs-Variante dar. Seine berühmte „Sinfonie Nr. 39 in Es-Dur“ hatte der Komponist bereits drei Jahre zuvor geschaffen.

Juwelen klassischer Musik

Unter schwierigen Lebensumständen, die von Finanzproblemen, vom Tod des Vaters Leopold und - kurz nach der Vollendung des Werkes - auch der erst sechs Monate alten Tochter Theresia geprägt waren, gelangen ihm in dieser Zeit drei meisterhafte Sinfonien, von denen die besagte Nr. 39 im Zedernsaal zur Aufführung kam. Glanzvoll und kontrastreich gestalteten Gerhard Fackler und seine Musici auch diese Darbietung. Die langsam-verhaltene Einleitung im „Adagio“, der Wechsel von forte und piano, das von Streichern und Bläsern piano vorgetragene „Allegro“, die stürmisch-bewegten Orchesterpassagen beim „Andante con moto“ und das heitere Klarinetten- und Flöten-Idyll beim „Menuetto: Allegretto“ mündeten in ein prachtvolles „Finale: Allegro“, mit dem die begeisterten Zuhörer in die Pause verabschiedet wurden.

Mit Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 6 in F-Dur“, auch als „Pastorale“ (Hirtenlied) bekannt und 1808 uraufgeführt, wurde das Konzert klangschön fortgesetzt. Dem Komponisten war es seinerzeit wichtig gewesen, dass sein Werk nicht einfach nur die Natur imitieren, sondern echte seelische Empfindungen zum Ausdruck bringen solle. Dementsprechend ausdrucksstark ging das Orchester zur Sache und agierte beim „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“ („Allegro ma non troppo“) buchstäblich hellwach und konzentriert. Technisch makellos, aber eben auch mit dem nötigen Maß an Emotionalität und Spielfreude überzeugten die Register auch hierbei. Violinen und Celli brachten das murmelnde Wasser der „Szene am Bach“ („Andante molto moto“) zur Geltung, Flöte, Oboe und Klarinetten zauberten Nachtigall-, Wachtel- und Kuckucksrufe herbei, ehe das „Lustige Zusammensein der Landleute“ („Allegro“) als liebevolle Karikatur einer Dorfkapelle erheiterte - auch dank bewusst regelwidriger, verfrühter Einsätze, wie etwa der Oboe. Es folgte die nahtlose Überleitung zum (mit vier Minuten) kürzesten, aber bei weitem fulminantesten Satz dieser berühmten Sinfonie, zu „Gewitter, Sturm“ („Allegro“), bei dem die Piccolo-Flöte den Wind pfeifen ließ, das Donnergrollen durch Celli und der Regen durch Violinen umgesetzt wurde. Nachdem hierbei alle Register nochmals ihr dynamisch-vitales und makelloses Zusammenspiel offenbart hatten, sorgte der die Sinfonie beendende „Hirtengesang - Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm“ („Allegretto“) für den idyllischen Abschluss dieses feinen Konzertes im stilvollen Renaissance-Ambiente, das mit stürmischem, langanhaltendem Beifall gewürdigt wurde. Verdientermaßen, denn die eindrucksvolle Präsentation großer Meisterwerke durch die Neue Schwäbische Sinfonie unter ihrem versierten Dirigenten Gerhard Fackler sorgte im Zedernsaal für einen wunderschönen Nachmittag.

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