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Ottobeuren

16.04.2020

Klinik Ottobeuren: Zwangspause für das Großprojekt

Wegen der Corona-Pandemie wurden die Bauarbeiten am Ottobeurer Krankenhaus nun zum Großteil ausgesetzt. Das Foto zeigt die im Bau befindliche neue Intensivstation der Klinik.
Bild: Andreas Kleine/Klinikverbund

Plus Die Bauarbeiten am Krankenhaus sind größtenteils gestoppt. Die Folgen für den weiteren Zeitplan sind noch nicht abzuschätzen.

Auf Hochtouren sollten derzeit die Bauarbeiten am Otto- beurer Krankenhaus laufen – so der ursprüngliche Plan. Wie berichtet nahm im Herbst ein 25-Millionen-Euro-Projekt seinen Anfang, bei dem die Klinik im Westen einen neuen Operations- und Funktionstrakt sowie eine neue Intensivstation im Norden erhält. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Arbeiten nun zum Großteil ausgesetzt. Die Auswirkungen auf Kosten und Dauer des Um- beziehungsweise Neubaus lassen sich laut Andreas Ruland, einem der Geschäftsführer des Klinikverbunds Allgäu, noch nicht einschätzen. Vorerst, das macht er deutlich, liege das Augenmerk ohnehin darauf, gut für die Aufnahme einer wachsenden Zahl von Corona-Patienten gerüstet zu sein.

Eigentlich Fertigstellung bis Anfang 2022 geplant

Der ursprüngliche Zeitplan – nach dem Beginn war als Ziel eine Fertigstellung bis Anfang 2022 genannt worden – werde sich nach hinten verschieben, sagt Ruland: Um wie viel, darüber will er nicht spekulieren. Der Geschäftsführer begründet dies mit der völligen Ungewissheit, wie lange die Corona-Krise mit all ihren Folgeerscheinungen anhalten wird.

Bis auf weiteres sind nach seinen Angaben „sämtliche Bauarbeiten innerhalb des Hauses eingestellt“ worden – Ausnahmen bildeten nur kleinere Maßnahmen, die etwa den Brandschutz betreffen. Denn eine Baustelle sei nicht nur im Hinblick auf die Hygiene eine heikle Angelegenheit: „In der aktuellen Lage müssen wir absolut sichergehen, dass keine Abläufe im Haus blockiert werden und dass wir keinerlei Einschränkungen haben.“

Klinik Ottobeuren: Zwangspause für das Großprojekt

Der Stopp erfolgte laut Ruland noch in einem Stadium der Arbeiten, in dem nichts aufwendig wiederhergestellt werden musste. Nötig war der Schritt laut dem Geschäftsführer auch, um den Kontakt zwischen Personal, Bauarbeitern und Patienten und damit ein zusätzliches Ansteckungsrisiko zu vermeiden: „Aus diesem Grund haben wir an den Krankenhäusern ja auch die Besuch- und Betretungsverbote.“

Bauarbeiten der Klinik Ottobeuren nur noch im Außenbereich

Bauarbeiten würden nur noch im Außenbereich erledigt: zum Beispiel an der Behelfszufahrt für die Notaufnahme. Sie wurde im Norden angelegt, weil die bisherige Zufahrt vorerst für den Bau der neuen Intensivstation Platz gemacht hat. Deren Rohbau sei bereits bis zur Erdgeschoss-Höhe errichtet, informiert Ruland. Verzögerungen gab es dagegen nach Angaben des Klinikverbunds beim Bau des OP-Trakts, der eigentlich als erster Teil des Vorhabens in Angriff genommen werden sollte.

Hier war es nötig, mit einigem Zeitaufwand bestehende Leitungen zu verlagern, die im betreffenden Areal verliefen. Diese Vorkehrungen seien jedoch nahezu abgeschlossen und Arbeiten an den Fundamenten haben laut Klinikverbund begonnen. Einige Bauarbeiter konnten sich überdies statt der Arbeit im Bereich OP jener an der Intensivstation zuwenden, wodurch dieser Teil des Bauprojekts weiter fortgeschritten ist als geplant. Schon installiert wurde ein Sauerstofftank, der für das Krankenhaus laut Ruland im Vergleich mit dem Vorgängermodell die vierfache Menge des Gases bereithält.

Dies ist wichtig für die Behandlung von Patienten – etwa an den neun Beatmungsplätzen, über die das Krankenhaus laut Ruland verfügt. Für die mobile Versorgung auf den Stationen, fügt er hinzu, seien zusätzlich Sauerstoffflaschen angeschafft worden. Das Ottobeurer Krankenhaus habe die vergangenen Wochen genutzt, um sich vorzubereiten. Es wurden laut Ruland für Verdachtsfälle sowie nachgewiesen an Corona Erkrankte Stationen eingerichtet, wo insgesamt 40 Patienten behandelt werden könnten. Aktuell werden in der Klinik drei an Covid-19 erkrankte Patienten versorgt. Zwei davon sind auf der Normalstation und einer auf der Intensivstation.

Wegen Corona: Sichtungszelt vor dem Krankenhaus Ottobeuren aufgebaut

Darüber hinaus fanden unter anderem Mitarbeiterschulungen für den Einsatz auf der Intensivstation statt, es wurden so genannte Sichtungszelte vor dem Krankenhaus aufgebaut und zweimal täglich bespricht laut Ruland die klinische Einsatzleitung die Situation und notwendige Schritte. Planbare Operationen wurden verschoben, sodass hier und auch in den übrigen Krankenhäusern des Klinikverbunds die Auslastung nun unter 40 Prozent liege. Diese Situation werde aktuell genutzt, um Überstunden abzubauen und Mitarbeitern frei zu geben.

Auch dies leiste einen Beitrag dazu, später in einer verschärften Lage die Versorgung gewährleisten zu können. Zwar gibt es auch am Ottobeu-rer Krankenhaus Mitarbeiter, die an Corona erkrankt oder in Quarantäne sind. „Es handelt sich aber um eine sehr überschaubare Zahl“, sagt Ruland, der sich dazu mit Verweis auf den Datenschutz nicht näher äußert. Die „sehr hohe Anspannung“, die ihm zufolge anfangs bei den Mitarbeitern herrschte, habe etwas nachgelassen: Denn inzwischen sei klarer, wie die Dinge in dieser Ausnahmesituation laufen sollen. Eine gewisse Anspannung sei zwar geblieben, sagt Ruland. Aber: „Wir fühlen uns gut vorbereitet.“

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