1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Kliniken-Fusion: Es ist aus – vorerst

Unterallgäu

31.10.2018

Kliniken-Fusion: Es ist aus – vorerst

Nach zwölf Jahren ohne Ergebnis hat Landrat Hans-Joachim Weirather die Gespräche über eine Fusion der Kreiskliniken (im Bild das Haus in Mindelheim) mit dem Klinikum in Mindelheim gestern auf Eis gelegt. Stattdessen will der Landkreis nun mit dem Klinikverbund Kempten/Oberallgäu verhandeln.

Vor Kurzem glaubte mancher, dass die Unterallgäuer und Memminger Kliniken fusionieren. Nun liegen die Gespräche auf Eis – und werden andernorts geführt.

Der Brief von Landrat Hans-Joachim Weirather an Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder, der am Dienstagabend auch unserer Zeitung zuging, ist ein Paukenschlag: Unter dem Betreff „Fusionsbemühungen unserer Krankenhausunternehmen“ schreibt Weirather: „Der Verwaltungsrat hat nach eingehender Diskussion entschieden, die Verhandlungen mit der Stadt Memmingen auszusetzen und in Sondierungsgespräche mit dem Landkreis Oberallgäu und der kreisfreien Stadt Kempten einzutreten.“

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Am Montag war demnach der Verwaltungsrat der Kreiskliniken zusammengekommen, um über die strategische Weiterentwicklung der Krankenhäuser in Mindelheim und Ottobeuren zu beraten. Nach einer internen Sitzung von Vertretern des Landkreises, der Stadt Memmingen sowie der Direktorien der Kreiskliniken Unterallgäu und des Klinikums Memmingen Ende September waren einige Kommunalpolitiker wie berichtet noch davon ausgegangen, dass die Fusion der drei Kliniken in greifbare Nähe gerückt sei. (Lesen Sie hierzu: Schließen sich die Kliniken bald zusammen? ) Diese Einschätzung teilte der Verwaltungsrat offenbar jedoch nicht.

Seit 2006 bemüht man sich um eine Fusion und Zusammenarbeit der Kliniken in Memmingen, Mindelheim und Ottobeuren

„Mein und unser Bemühen zu einer engen Zusammenarbeit mit der Stadt Memmingen im Bereich der Kliniken zu kommen, reicht bis ins Jahr 2006 zurück. Ernüchtert stelle ich fest, dass alle Anstrengungen ohne Erfolg blieben. Auf Phasen der Hoffnung folgten immer wieder herbe Rückschläge“, schreibt Weirather. Der Verwaltungsrat sei aber „mehr denn je der einhelligen Überzeugung, dass wir den Herausforderungen im Krankenhauswesen nur im Schulterschluss mit einem anderen kommunalen Partner begegnen können“.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Im Klinikverbund Kempten/Oberallgäu, der Häuser in Kempten, Immenstadt, Sonthofen und Oberstdor betreibt, sieht man das laut dessen Aufsichtsratsvorsitzendem Gebhard Kaiser ähnlich: „In der Krankenhauslandschaft ist es wichtig, gegenüber Bund, Land und Krankenkassen mit einer Stimme zu sprechen“, sagte Kaiser auf Nachfrage der MZ. Zudem gehe es im Gesundheitswesen darum, den ländlichen Raum zu stärken. „Früher hat man sich ja auch schon einmal Gedanken über einen allgäuweiten Kliniken-Verbund gemacht.“ Er würde auch „vor Memmingen nicht die Türen zuschließen, aber jetzt verhandeln wir erst einmal mit dem Unterallgäu“. Das will weiterhin mit Memmingen in Kontakt bleiben. In seinem Brief betont Weirather: „Die Aufnahme der Sondierungsgespräche mit dem Klinikverbund Kempten/Oberallgäu ist ausdrücklich keine Absage an die bestehenden, medizinisch notwendigen und sinnvollen Kooperationen.“ Diese sollen weiterhin gepflegt und weiterentwickelt werden.

Der Memminger Oberbürgermeister will die Situation nun neu bewerten

Für Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder ist das indes ein schwacher Trost. „Ich bedauere das sehr“, sagte er und gab zu: „Es ist auch eine gewisse Enttäuschung da.“ Schließlich habe er gedacht, dass die Gespräche mit den Unterallgäuer Kliniken „wieder auf einem guten Weg sind“. Jetzt gelte es in Memmingen, die neue Situation zu bewerten und dann eine Entscheidung zu fällen, wie es mit dem heimischen Klinikum weitergehen soll. Mit Blick nach vorn will der Rathauschef dabei keine Option ausschließen. Somit kommen sowohl ein Alleingang als auch Kooperationen mit anderen Partnern infrage. Er geht davon aus: „Sollten die Gespräche zwischen den Unterallgäuer Kreiskliniken und den Krankenhäusern in Kempten und dem Oberallgäu erfolgreich verlaufen – dann ist Memmingen wohl raus.“

Lesen Sie hier auch den Kommentar der MZ zur geplatzten Fusion mit Memmingen: Auf ein Neues bei der Klinikfusion

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren