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Wörishofener Herbst

11.08.2011

Kritik an Flieges Veranstaltung: "Spinner-Treffen" in Bad Wörishofen?

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Juergen Fliege.

Massive Kritik wird an Jürgen Flieges Veranstaltung "Wörishofener Herbst" geübt. Der ehemalige Fernsehpfarrer hingegen demonstriert Gelassenheit.

Seit Tagen füllen Ex-TV-Pfarrer Jürgen Fliege und seine Veranstaltung „Wörishofener Herbst“ die Schlagzeilen deutscher Zeitungen. Losgetreten hatte die Bild am Sonntag die Negativ-Medienkampagne. Unter dem Titel „Hat Fliege einen an der Klatsche?“ kritisierte dort die Sekten-Expertin Ursula Caberta Flieges dubiose Esoterikprodukte wie die Fliege-Essenz und einen Raumtrockner.

Caberta hat gerade auch ihr Buch „Schwarzbuch-Esoterik“ herausgegeben. Darin beschreibt sie die Tricks und Geschäfte der Esoterik-Branche und lässt auch kein gutes Haar an Fliege. „Er scheint seine Prominenz zu nutzen, um die Esoterikscharlatane hoffähig zu machen, ihnen einen Anstrich von Seriosität zu geben“, so Caberta.

Die langjährige Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde kritisiert auch die „Patchworkreligion“ generell. „Viele Promis basteln sich ihre eigene Religion. Nach deren Vorbild gehen immer mehr Menschen esoterischen Anbietern auf den Leim“, so Caberta. Hier seien die christlichen Kirchen gefordert, Antworten zu geben.

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Auch in Blogs im Internet geht seitdem die Post ab. Die Bad Wörishofer Veranstaltung wird dort unter anderem als „Spinner-Treffen“ und „Hirnfraßveranstaltung“ bezeichnet, Fliege selbst als Eso-Scharlatan. Sein Pastorenamt sei nicht mit dem Esoterik-Business vereinbar. Kurdirektor Alexander von Hohenegg hat sich bereits in der Dienstagsausgabe der Mindelheimer Zeitung von Flieges „Entwicklungen“ distanziert. Auch Präsens Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, soll Fliege für die diesjährige Veranstaltung in Bad Wörishofen bereits abgesagt haben.

Jürgen Fliege nimmt in einer Presserklärung Stellung

In einer Presseerklärung äußert sich nun Jürgen Fliege zu den vernichtenden Anschuldigungen: „Man nehme ein bislang wenig beachtetes Buch, greife ein paar Seiten seines Inhalts heraus und stelle sie in Deutschlands größter Wochenzeitung als wahr hin. So füllt man ein Sommerloch“, so der Wortlaut. Tatsächlich veranstalte er nunmehr im dritten Jahr in Folge den „Wörishofener Herbst“, zu dem neben Pfarrern, Priestern, Ärzten, Künstlern, Physikern, Homöopathen, Bischöfen und alternativen Nobelpreisträgern auch Schamanen, Engelsredner und Wunderheiler erwartet werden. Er wolle nicht ausgrenzen, vielmehr „in den Dialog gehen“. Spiritualität sollte überall, und nicht nur innerhalb von Kirchenwänden stattfinden.

Auch steht Fliege weiter zu den Produkten wie den Raumtrockner („das Gerät funktioniert!“) und der Fliege Essenz (Verkaufspreis der 95-ml-Flasche: 39,95 Euro). Bei diesem Produkt handelt es sich laut Fliege um ein Rechtsregulat der Firma „Dr. Niedermaier Pharma“, das von ihm mit Gebeten und Handauflegen bereichert wurde. „Nichts anderes verkauft die katholische Kirche als Weihwasser. Auch die Homöopathie lebt von Informationen, die auf einem Trägermaterial vermittelt werden“, so Fliege in der Presseerklärung. Selbst in der Kirche werde die Kraft des Wortes ernst genommen, beispielsweise beim Abendmahl: „Dort wird Wein zu Blut verwandelt und eine Oblate in den Leib Christi. Und keiner fragt, ob die etwa einen an der Klatsche haben“, so Fliege. Den Vorwurf, mit der Fliege-Essenz Geld zu verdienen, weist der 64-Jährige lächelnd zurück. „Die Essenz gibt es mit meinen Gebeten zum gleichen Preis wie ohne. Flieges Segen kostet also nichts extra.“

Fliege will auch Scientologen gegenüber tolerant bleiben

Eher ärgert Fliege die Tatsache, dass er mit dem Raumtrockner wieder einmal in die Nähe der Scientologen gestellt wurde (Hersteller soll mit Scientology sympathisieren). „Die Ziele der Scientologen sind nicht meine Ziele. Ihnen geht es um die Kontrolle. Mein Glaube beweist sich eher in einem Sterbehospiz, wo es darum geht, die Kontrolle abzugeben. Aber dennoch macht es mir keine Mühe, Scientologen gegenüber tolerant zu bleiben, auch wenn diese Haltung in Deutschland nicht mehrheitsfähig ist. Ich spreche schließlich auch mit Katholiken, Juden und Muslime und wenn sie gute Ware haben, kaufe ich bei ihnen ein. Die meisten Deutschen haben ja auch den letzten Film mit Tom Cruise gesehen!“ so Fliege. (ara)

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