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Jens Spahn verteidigt Corona-Teststrategie der Bundesregierung
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Allgäu

04.11.2020

Landräte fordern: Freistaat soll Corona-Teststrategie ändern

Immer mehr Menschen kommen zu den Corona-Testzentren. Unser Bild zeigt die Station in Erkheim.
Bild: Lienert

Plus Allgäuer Kommunalpolitiker fordern, Kontaktpersonen von Infizierten an den Testzentren bevorzugt zu behandeln. Labore kommen mit der Arbeit kaum noch nach.

Der Andrang an den Allgäuer Corona-Testzentren wird immer größer. Das führt zu Engpässen bei Laboren: „Wir können unsere Mitarbeiter nicht sieben Tage pro Woche arbeiten lassen. Irgendwann brauchen sie mal Pause“, sagt Dr.Matthias Lapatschek vom Allgäulab in Kempten. Der Ruf nach einer anderen Teststrategie des Freistaats wird lauter. So fordert beispielsweise der Lindauer Landrat Elmar Stegmann (CSU), Kontaktpersonen von Infizierten oder medizinisches Personal bevorzugt zu behandeln. Unabhängig von Symptomen kann sich in Bayern jeder kostenlos testen lassen.

Das Allgäulab müsse täglich zwischen 3000 und 4000 Tests bearbeiten, sagt Lapatschek. Zum Vergleich: Im August waren es noch 400 bis 500. „Die Testzahlen sind in den letzten Wochen konstant angestiegen“, heißt es beispielsweise beim Oberallgäuer Landratsamt. Im Unterallgäu wandte sich jetzt Landrat Alex Eder (Freie Wähler) wie berichtet an die Bevölkerung. Er bat darum, das Testzentrum nicht ohne triftigen Grund anzusteuern. „Mit der jetzigen Strategie stoßen wir an unsere Grenzen“, sagt Eder. Die Folge sei, dass auch die Ergebnisse wichtiger Tests nicht schnell genug vorlägen. Bis zur vorletzten Woche habe man in der Regel 24 Stunden auf das Ergebnis gewartet, „jetzt sind wir bei zwei bis drei Tagen“, sagt Lapatschek.

Nicht nur die Labore im Allgäu stoßen an ihre Grenzen

Offensichtlich stoßen Labore nicht nur beim Personal an ihre Grenzen. Er wisse von einem Anbieter, der bei den Reagenzien inzwischen auf die Notreserve zurückgreife, sagt Landrat Stegmann. Können sich die Labore nicht gegenseitig aushelfen? „Sie sind deutschlandweit überlastet“, antwortet Lapatschek.

Stegmann schlägt in dieser Situation vor, für die Testzentren eine Prioritätenliste zu entwickeln. In die erste Gruppe gehören für ihn Kontaktpersonen von Infizierten, Angehörige medizinischer Berufe und Schüler. Dahinter könnten Rückkehrer aus Risikogebieten folgen und jene, die ohne speziellen Grund einen Test machen wollen, sagt der Landrat. In die dritte Gruppe würde er Grenzpendler aus dem benachbarten Vorarlberg und aus der Schweiz einordnen: „In diesen Fällen könnten auch die Arbeitgeber einen Test organisieren. Oder die Betroffenen lassen sich in ihrem Heimatland testen – auch wenn das in Vorarlberg etwas kostet.“

Auch der Unterallgäuer Landrat will Corona-Kontaktpersonen bevorzugt testen lassen

Mit seiner Forderung nach einer anderen Teststrategie ist Stegmann nicht allein. Auch Eder plädiert dafür, Kontaktpersonen von Infizierten den Vorrang einzuräumen. Die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller (Freie Wähler) sagt, man sollte Tests „hinterfragen“, wenn die Betreffenden ohne Symptome sind und auch nicht zu den Kontaktpersonen zählen. Maria Rita Zinnecker (CSU), Kreischefin im Ostallgäu, tendiert ebenfalls in diese Richtung: „Sollten die Laborkapazitäten auch mittelfristig überstrapaziert werden, halte ich es für sinnvoll, die Testmöglichkeiten einzuschränken.“ Das Testen von Grenzpendlern würde Virologe Lapatschek gleich ganz abschaffen. Er hält es für „vollkommenen Unsinn“. Schließlich seien die Betreffenden zwischen zwei Risikogebieten unterwegs. „Was soll das also bringen? Da könnte man genauso zwischen Bayern und Hessen testen.“

Das ist nicht der einzige Grund, warum Lapatschek sich an der bayerischen Corona-Politik reibt. „Eine vorausschauende Teststrategie wäre schön“, sagt der Kemptener Virologe. „Vorgaben, wer getestet werden soll, wurden teilweise täglich geändert.“ So sei es nicht möglich gewesen, sich frühzeitig auf die Entwicklungen einzustellen und beispielsweise neue Maschinen zu kaufen oder weitere Mitarbeiter einzustellen.

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