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Allgäu

18.03.2020

Landwirtschaft: Immer weniger Vieh im Allgäu

Im Allgäu gibt es etwas weniger Rinder: Die Zahl der Tiere ging von 2018 auf 2019 um 1,9 Prozent auf knapp 375.000 zurück.

Plus Der Rinderbestand geht in Bayern innerhalb eines Jahres um 3,4 Prozent zurück – im Allgäu liegt das Minus bei 1,9 Prozent. Das hat auch mit der Blauzungenkrankheit zu tun.

Die Zahl der Rindviecher in Bayern ist leicht rückläufig. Das hat nun weniger damit zu tun, dass die Menschen im Freistaat zunehmend klüger werden, als vielmehr mit der Tatsache, dass immer weniger Kälber, ausgewachsene Rinder und Milchkühe in den Ställen stehen. Auch die Zahl der Bauernhöfe nimmt ab. Das belegen die neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes.

Weniger Kühe, dafür konstante Milchmenge im Allgäu

Demnach ist der Rinderbestand in Bayern von 2018 auf 2019 um 3,4 Prozent auf etwa drei Millionen Tiere gesunken. Im Allgäu war der Rückgang im selben Zeitraum nicht ganz so groß: In der Region nahm die Zahl aller Rinder innerhalb des vergangenen Jahres um 1,9 Prozent auf knapp 375.000 ab. Nimmt man nur die Milchkühe, beträgt der Rückgang 2,25 Prozent, jener der anderen Rinder 1,6 Prozent (siehe Grafik).

Für Alfred Enderle aus Wertach (Oberallgäu), Präsident des schwäbischen Bauernverbandes, ist die Entwicklung nichts Neues: „Wir hatten den Höchststand beim Rinderbestand Anfang der 80er Jahre. Seither geht es stetig zurück.“ Interessant dabei: Die Milchmenge ist im gleichen Zeitraum fast konstant geblieben. Das liegt laut Enderle daran, dass die Kühe im Schnitt mehr Milch geben als früher.

Dr. Franz Birkenmaier, Zuchtleiter der Allgäuer Herdebuchgesellschaft (Kempten), sieht vor allem in den vergangenen beiden Jahren einen deutlichen Rückgang beim Rinderbestand, der allerdings nicht überall gleich verlaufe. So seien die Milchkuhbestände in den Grünlandregionen Oberallgäu und südliches Ostallgäu relativ stabil.

Im Unterallgäu nehmen Zahlen deutlich ab

Dagegen nehmen die Zahlen vor allem in den Teilregionen mit Ackerbau deutlich ab, also vor allem im Unterallgäu und nördlichen Ostallgäu. Allerdings sei auch die Viehdichte in den reinen Grünlandgebieten nicht so hoch wie in Regionen mit Ackerbau, da die Futtererträge durch Maisanbau höher sind als nur mit Gras und Heu.

Vergleiche hinken immer ein wenig. Darauf weist Dr. Paul Dosch, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren, hin. So sollten von einem einjährigen Vergleich keine Rückschlüsse auf mehrere Jahre gezogen werden. Aber ein allgemeiner Trend lasse sich durchaus über einen längeren Zeitraum feststellen. Im Ostallgäu liege die jährliche Abnahme der Betriebe sowie der Rinderhalter seit 2012 bei knapp unter einem Prozent. Dagegen hätten die Milchkuhhalter im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent abgenommen.

Der rückläufige Trend wird sich fortsetzen

Dosch geht davon aus, dass der Ausstieg aus der Rinderhaltung nicht zwangsläufig den Ausstieg aus der Landwirtschaft bedeute. Eine Weiterbewirtschaftung des Betriebes könne beispielsweise erfolgen in der Jungviehaufzucht, der Mutterkuhhaltung oder der Rindermast.

Der rückläufige Trend beim Rinderbestand wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen: Darin sind sich die Experten einig. Enderle vermutet, dass die Zahl der Rinderhalter weiter sinken wird, die verbleibenden Betriebe aber größer werden. Wobei sich die Gesamtzahl der Tiere weiter leicht reduziere.

Weniger Kälber werden geboren

Gründe dafür sind laut Birkenmaier der zusätzliche Druck im vergangenen Jahr durch die Einschränkungen bei der Tiervermarktung wegen der Blauzungenkrankheit und der Vorschriften bei Tiertransporten. Als Reaktion darauf seien 2019 die Besamungszahlen in unserer Region um bis zu acht Prozent eingebrochen. Entsprechend weniger Kälber werden im Laufe dieses Jahres geboren. Enderle weist zudem auf die neue Düngeverordnung hin, die vielen Bauern Probleme bereiten werde.

„Die Viehbestände gehen zwar seit Jahrzehnten kontinuierlich durch Betriebsaufgaben zurück, was eine normale Entwicklung ist. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen muss nun aber mit einem verstärkten Rückgang gerechnet werden“, sagt Birkenmaier.

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