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Unterallgäu

15.08.2019

Maria Himmelfahrt: Zwischen Glaube und Aberglaube

Aus möglichst vielen Kräutern werden die Buschen gebunden, die an Maria Himmelfahrt in den Kirchen geweiht werden.

Welche Bedeutung die Kräuterboschen zu Maria Himmelfahrt haben und was es mit dem "Frauendreißigst" auf sich hat.

Am 15. August steht mit dem Fest Mariä Himmelfahrt ein besonderer Feiertag im Kalender. Zu allererst ist er für die Katholiken ein hohes Marienfest. Der Tag gilt aber auch als Tor zum Herbst, an dem die heilende Kraft der Kräuter und die Besinnung auf die Natur ins Bewusstsein gerückt werden.

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Mit dem Fest Maria Himmelfahrt, das innerhalb Deutschlands nur in Bayern und im Saarland ein staatlicher Feiertag ist, feiern die Katholiken schon seit vielen Jahrhunderten die Aufnahme Mariens in den Himmel. Im Mittelpunkt des Festtages steht der Brauch, verschiedene Wildkräuter zu Büscheln zu binden und diese in der Kirche weihen zu lassen. Dabei ist die Zusammensetzung und Zahl der Pflanzen regional recht unterschiedlich. Im Allgäu nennt man diese Kräuterboschen „Weihsang“. Dieser uralte Brauch erfährt in unserer Zeit eine erstaunliche Renaissance, die anknüpft an den alten Glauben, dass von der Weihsang und den geweihten Kräutern besondere Kräfte ausgehen sollen. Früher bat man in kirchlichen Weihegebeten Gott um seinen Segen für Kräuter und Blumen mit der Hoffnung: „Wer immer, Mensch oder Tier, vom geweihten Heilkraut genommen, dem möge es helfen, vom Siechtum, rätselhaftem Übel, von der Seuche und vom Weh“.

Gesegnete Kräuter zu Maria Himmelfahrt sollten vor Übel schützen

Die naturnahen Menschen glaubten einst fest an die Kraft der gesegneten Kräuter. Sie steckten sie nach der Weihe unters Dach oder stellten sie in den Herrgottswinkel in der Stube. Dort sollten die geweihten Pflanzen vor Blitzschlag, Feuer und anderem Übel schützen. Bei Gewittern warf die Bäuerin zudem auch ein paar geweihte Kräuter ins Herdfeuer. Zum Schutz vor Krankheiten im Stall mischten einst die Bauern auch geweihte Kräuter dem Viehfutter bei.

Maria Himmelfahrt: Zwischen Glaube und Aberglaube

Mit dem Fest Maria Himmelfahrt beginnt nach altem Volksglauben auch eine besonders gesegnete Zeit, die man „Frauendreißigst“ nennt. Diese 30 Tage von Maria Himmelfahrt bis Mariä Geburt im September galten einst als segensreich und geheimnisvoll zugleich. Glaube und Aberglaube kamen sich sehr nahe und ließen in diesem Monat manch überirdische Erwartungen sprießen. So glaubten die Menschen, dass die Heilkräuter während des „Frauendreißigst“ besondere Segens- und Abwehrkräfte entfalten. Auch giftige Pflanzen sollen in dieser Zeit ihr Gift verloren haben, ebenso wie die einst auch in unseren Moosgebieten verbreiteten Schlangen. Die in diesen vier Wochen nach Himmelfahrt gelegten Hühnereier galten als unverderblich. Die Bäuerinnen legten deshalb mit den sogenannten „Dreißigst-Eiern“ auch ihren Wintervorrat an.

Mit Maria Himmelfahrt beginnt es zum "Herbstala"

Wenn also auch heutzutage viele Menschen am „Großen Frauentag“, wie Maria Himmelfahrt auch heißt, ihre Kräuterboschen zum Weihen in die Kirche tragen, dann tun sie dies nicht als modernes Loblied auf die Frauen, sondern auch nach uraltem Brauch.

Um den Frauentag herum überschreitet der Sommer langsam seinen Höhepunkt, die Nächte werden kühler und die Sonne verliert an Kraft. Es beginnt zum „Herbstala“, wie man im Allgäu sagt. Einige Pfarreien in unserer Region jubilieren am Himmelfahrtstag sogar doppelt. Sie feiern auch ihr - eher seltenes - Kirchen-Patrozinium. „Maria-Himmelfahrts-Kirchen“ gibt es in Markt Wald, Türkheim, Oberkammlach und Mattsies.

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