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Mindelheim

15.04.2019

Milcherzeuger wollen Bauern und die Bienen retten

Die Auswirkungen des Volksbegehrens zum Schutz der Insekten beschäftigen Landwirte und Naturschützer noch immer.
Bild: Peter Heider

Milchbauern aus dem Unterallgäu fordern ein Ende der billigen Lebensmittel

Es reicht nicht, der Landwirtschaft weitere Auflagen aufzubürden und ansonsten weiterzumachen wie gehabt. Es wäre an der Zeit, die gesamte Lebensweise zu überdenken, heißt es in einer Erklärung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Kreisteam Unterallgäu zum Ausgang des Bienenvolksbegehrens in Bayern. Diese Chance sei verpasst worden.

Wie beim Bauernverband sind auch die Milchbauern des BDM mehr als enttäuscht, dass den Landwirten der schwarze Peter beim Artenschwund zugeschoben worden sei. Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, „werden wir weiterhin wertvolle Flächen zubetonieren, den Flugverkehr ausbauen und die Kreuzfahrtschiffe überbuchen,“ sagt Stephan Sontheimer, der dem Kreisteam angehört.

Viele Bauern im Unterallgäu hoffen auf eine Änderung

Für die Gesellschaft bleibe alles wie es ist, „nur der böse Bauer muss sich ändern, wie bequem.“ Viele Landwirte im Unterallgäu hatten die Hoffnung, dass sich in der Agrarpolitik etwas ändern könnte. Die kleinen, bäuerlich arbeitenden Milchviehbetriebe sollten wieder kostendeckend Milch produzieren können. „In diesen kleinen Betrieben liegt letztendlich der Schlüssel für eine umweltgerechte, artenerhaltende Landwirtschaft“, heißt es in der Erklärung weiter. Der BDM hat den Eindruck, am runden Tisch in München bei Ministerpräsident Markus Söder sei deshalb schnell Einigung erzielt worden, um genau das zu verhindern.

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Die aktuelle Agrarpolitik zielt auf internationale Wettbewerbsfähigkeit und günstige Lebensmittel. Auf der anderen Seite werden die hohen externen Kosten nicht von den Profiteuren des Systems bezahlt. Die Folge laut BDM: Nicht nur die Insekten, auch die Zahl der Milchviehbetriebe hat sich dramatisch verringert – um 53 Prozent allein zwischen 2000 und 2017. Erst wenn dieser Intensivierungsdruck in der Landwirtschaft gelockert werde, „besteht im Sinne der Artenvielfalt Grund zu jubeln.“

Den Gesetzentwurf hält der BDM für unausgegoren

Die Milchviehhalter sehen sich sehen sich durch den „unausgegorenen Gesetzentwurf“ des Volksbegehrens überproportional betroffen. Die Grünlandbewirtschaftung werde dadurch wirtschaftlich noch uninteressanter. Der BDM erwartet von der Staatsregierung ein begleitendes Gesetz, in dem „Bienen und Bauern“ geschützt werden.

Der BDM im Unterallgäu formuliert deshalb drei Forderungen: Konkrete Vorgaben für eine verbesserte Artenvielfalt müssten praktikabel sein und die Leistungen der Bauern wertgeschätzt und auch entsprechend honoriert werden. Ein tragbares Naturschutzgesetz müsse mit der Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik auf EU-Ebene verknüpft werden. „Das Niedrigpreissystem für Agrarprodukte muss beendet werden.“ (mz)

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