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Kammlach

24.01.2020

Mit Pferd, Farbe und Pinsel: Mal-Projekt überzeugt Ministerin

„AV Raid Aid“ nennt sich das Projekt der Kammlacher Künstlerin Alexandra Vogt, auf das nun auch Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner aufmerksam geworden ist.
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„AV Raid Aid“ nennt sich das Projekt der Kammlacher Künstlerin Alexandra Vogt, auf das nun auch Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner aufmerksam geworden ist.
Bild: Alexandra Vogt

Plus Die Kammlacher Malerin Alexandra Vogt begeistert Kinder für die Malerei und hat mit ihrer Idee sogar Ministerin Klöckner überzeugt.

Kultur auf dem Land ist genauso wichtig wie Nahversorgung, Ärzte, Bildungs- und Betreuungsangebote oder Straßen und ein intakter öffentlicher Nahverkehr. Davon ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft überzeugt und hat deshalb 2017 unter dem Namen „LandKULTUR“ eine Projektförderung aufgelegt. 900 Ideenskizzen waren zwischen Kiel und Oberstdorf eingereicht worden. 260 werden gefördert. Auf besonders große Begeisterung bei Ministerin Julia Klöckner ist eine Idee der Kammlacher Künstlerin Alexandra Vogt gestoßen.

„AV Ride Aid“ nennt sich das Projekt unter dem Kürzel der Künstlerin und dem Zusatz, der für Reiterhilfe steht. Um besser zu verstehen, was sich Alexandra Vogt da ausgedacht hat, muss man etwas weiter ausholen. Die Malerin lebt seit 2003 im ehemaligen Milchwerk in Unterkammlach, das sie damals gekauft hat, später dann aber wieder an die Gemeinde abgegeben hat. Heute lebt sie zur Miete in dem Gebäude, malt dort in der kathedralenhaft wirkenden großen Halle großformatige Bilder von oft verloren wirkenden Figuren, die sie international bekannt gemacht haben.

18 Pferde hat die Künstlerin aus Kammlach als Fohlen gekauft

Neben ihrer Kunst sind es Pferde, die ihr viel bedeuten. 18 Tiere hat sie als Fohlen gekauft und großgezogen. Mit ihnen fühlt sie sich stark verbunden, fast wie mit Seelenverwandten. Ihre Projektidee nun ist, Kinder über die Malerei und den Kontakt zu den Pferden starkzumachen. „Pferde machen stark. Und Malerei öffnet Sinne“, sagt Vogt. Seit Sommer 2019 bietet die promovierte Künstlerin ein neues Format an, das sehr experimentell angelegt ist. Sie nennt das „pferdegestützte Kunstpädagogik“. Die Eltern melden ihre Kinder bei ihr an und bringen sie vorbei. Bisher lief das über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Kinder lernen erst einmal die Tiere kennen. Sie entwickeln ein Gespür für die Pferde, dürfen sie streicheln und unter Aufsicht auch mal auf ihnen sitzen, sagt Vogt. Die Kinder freunden sich so mit den Tieren an und umgekehrt.

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Es ist ein Spielplatz für kleine Menschen, die „verletzt, verwirrt sind oder sich verloren fühlen. Aber auch solche, die einfach nur wachsen wollen“, erzählt die Malerin. Aber Alexandra Vogt geht es nicht um Tierliebe allein. Nicht minder wichtig ist ihr die Kunst. Die Kinder malen Pferde, und sie malt mit ihnen gemeinsam. „Ich möchte die Kinder mitnehmen“, sagt sie, und in eine faszinierende kreative Welt einführen. Die von den Kindern gemalten Werke sollen später in einer eigenen Ausstellung präsentiert werden.

Kinder können ihrer Kreativität freien Lauf lassen - das findet auch die Ministerin gut

In dieser Atmosphäre mit den Pferden entstehe Muße und Kreativität. Kinder können auch fotografieren oder mit ihren Handys kleine Filme drehen. Schon jetzt hat sie mehr als 100 Videos von den bisherigen Aktionen. Alexandra Vogt sieht in dem Projekt auch einen therapeutischen Gewinn für Kinder, die Probleme haben. Es sei toll, wenn sie malen und so zu sich finden. Ihr schwebt deshalb vor, gezielt auch Kinderheime anzusprechen und sie zum Mitmachen zu motivieren. Wer dabei sein will, muss nichts zahlen. Aber Vogt hofft auf die eine oder andere helfende Hand, wenn zum Beispiel mal der Zaun der Pferdekoppel erneuert werden muss.

Das Projekt ist in Kammlach gestartet und geht jetzt in Bad Grönenbach weiter

Angelaufen ist das Projekt in Kammlach. Weitergehen wird es in Bad Grönenbach, genauer gesagt in Thal bei Doris Riedmiller, die wie Vogt auch in einem alten Milchwerk lebt. Mit den 100.000 Euro Fördergeld aus dem Bundesministerium ist es nicht getan. 30.000 Euro hat die Marktgemeinde Bad Grönenbach dazu geschossen, damit auch ein Erzählcafé geschaffen werden kann. Vogt will auch diesen besonderen Orten in der von Milchwirtschaft geprägten Allgäuer Landschaft Raum geben. So stellt sie sich vor, dass auch Menschen, die eng mit dem Milchwerk verbunden waren, ihre Geschichte erzählen.

Fünf Jahre lang muss das Projekt mindestens laufen. Auch Kurse in anderen Teilen Deutschlands gehören dazu. Deshalb hat Vogt gerade einen Lkw gekauft, damit die Pferde auf Reise gehen können. „Ich will mit dem Projekt meinen Beitrag leisten, dass Kinder Selbstvertrauen bekommen“, sagt sie und hat schon ein paar Mitstreiter gefunden. Die Kuratorin der Memminger Museen Regina Gropper hat sich ebenso begeistern lassen wie Doris Riedmiller und weitere Kulturbegeisterte.

Kontakt zur Künstlerin unter alexandra@luniks.net oder per Telefon 0177/6426599

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