Kneipp-Werke

24.02.2012

Mitte 2013 ist Schluss

In Bad Wörishofen stellen die Kneipp-Werke Badetabletten und andere Badezusätze her. Das Foto entstand bei einem Besuch des Kneipp-Geschäftsführers Dietmar Salein (rechts) in der Produktionsanlage.
Bild: Maria Schmid

Das Unternehmen schließt den Standort Bad Wörishofen. Die Gewerkschaft IG BCE kündigt Widerstand an und verspricht: „Das wird teuer“. Auch der Kneipp-Bund übt harte Kritik

Bad Wörishofen Vor etwa 30 Jahren gründete der damalige Inhaber der Kneipp-Werke, Senator Luitpold Leusser, die Teefabrik Bad Wörishofen. Die unmittelbare Verbindung zum Wirkort Sebastian Kneipps war Leusser wichtig, erinnern sich Weggefährten. Mit dieser Verbindung wird es im nächsten Jahr vorbei sein. Die Kneipp-Werke verlassen Bad Wörishofen und damit die Region. Bei einer Mitarbeiterversammlung am Standort Bad Wörishofen, wo mittlerweile Badezusätze produziert werden, verkündete Geschäftsführer Dietmar Salein gestern das Aus. Spätestens Mitte 2013 wird der Standort geschlossen.

Der Hersteller von Arznei- und Pflegeprodukten konzentriert sich künftig nur noch auf zwei Standorte: den Stammsitz Ochsenfurt-Hohestadt und Würzburg-Heidingsfeld. Auch das unternehmenseigene Lager in Holland soll nach Würzburg-Heidingsfeld umziehen. Dort wird in großem Stil investiert, in Gebäude und Maschinen. „Ein überzeugendes Konzept“ nennt Krzysztof-Daniel Malowaniec den Plan. Malowaniec ist Sprecher des Medizinprodukteherstellers Paul Hartmann AG, dem die Kneipp-Werke seit 2008 zu hundert Prozent gehören. Kneipp wolle modernisieren und investieren, das sei ein positives Zeichen. Malowaniec erinnert daran, dass die Kneipp-Werke im Jahr 2001 als defizitäres Unternehmen zu Hartmann gekommen seien. Damals übernahm Hartmann 80 Prozent des Unternehmens. Seither sei Kneipp aus eigener Kraft profitabel geworden. Die neue Strategie sei deshalb auch kein Kostensparprogramm, schon gar nicht sei sie von der Hartmann-Spitze verordnet worden. Der Hartmann-Vorstand hat die Pläne der Kneipp-Werke vor etwa einer Woche genehmigt.

„Rein finanzielle Einsparungsmaßnahmen waren nicht die Grundlage der Entscheidung“, teilen auch die Kneipp-Werke mit. Man werde künftig „effizienter und erfolgreicher“ arbeiten können, glaubt Geschäftsführer Salein. „Vor dem Hintergrund unseres Marktumfelds mit stetig steigendem Druck durch den Wettbewerb und den Handel können wir nur so langfristig bestehen.“ Das Konzept ermögliche langfristig auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

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Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte die Pläne indes deutlich. Ein „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter und der Region“ sei die angekündigte Schließung, sagte der Bezirksvorsitzende Torsten Falke. Der Standort rechne sich. Kneipp sei nur auf Gewinnmaximierung aus. Falke wirft der Unternehmensführung „Salamitaktik“ vor.

Auch Bürgermeister Klaus Holetschek weißt darauf hin, dass schon 2010 das Labor der Fabrik geschlossen wurde. Das Aus für die Fabrik stand immer wieder im Raum. „Vor einigen Jahren konnte vor allem der Betriebsrat das Ruder noch einmal herumreißen“, erinnert sich Holetschek, der selbst vor und hinter den Kulissen für den Verbleib des Standortes gerungen hatte. „Über Pfarrer Kneipp und Senator Luitpold Leusser waren Philosophie und Produkte eng mit unserer Stadt verknüpft“, sagt Holetschek. „Ich glaube, beide wären nicht glücklich mit dieser Entwicklung.“

Deutlicher wird die Präsidentin des Kneipp-Bundes, Marion Caspers-Merk. „Wer Kneipp-Produkte ohne ethische und regionale Bindung vermarktet, profitiert vom Namen und guten Ruf des ganzheitlichen Kneipp-Konzeptes“, sagt die ehemalige Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Der Kneipp-Bund beobachte schon seit Längerem mit Sorge, dass die Kneipp-Werke verstärkt in das Lizenzgeschäft mit der Marke Kneipp eingestiegen seien.

Caspers-Merk bedauere, dass das gesundheitspolitische Gedankengut von Sebastian Kneipp dabei drohe verloren zu gehen.

In Bad Wörishofen werden Badezusätze produziert. Rund 40 Beschäftigte sind dort von den Plänen betroffen. Die Kneipp-Werke beschäftigten weltweit rund 350 Mitarbeiter. Der letzte bekannte Umsatz lag bei 102 Millionen Euro im Jahr 2010 nach 95 Millionen Euro im Jahr 2009. Für das vergangene Jahr wird mit einem neuerlichen Anstieg gerechnet. "Wirtschaft

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