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Mindelheim

29.04.2019

Mittelalterfreunde fürchten nach Unfall mit Kanone um ihr Hobby

Teilnehmer des „Frühjahrs-Drillwochenendes“ des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte in Mindelheim am Wochenende.
Bild: Florian Kastenmeier

Plus Bei mittelalterlichen Schaukämpfen in Mindelheim wird eine Frau durch eine Kanone verletzt. Ein Teilnehmer erklärt, wie er das Unglück erlebte.

Verletzte sind bei Treffen des Bundes oberschwäbischer Landsknechte keine Seltenheit – sie gehören zu einer möglichst realitätsnahen Inszenierung einer mittelalterlichen Schlacht dazu. Und genau das ist schließlich das Ziel des losen Zusammenschlusses historischer Gruppen und Vereine aus ganz Europa, die sich dem sogenannten Reenactment (englisch für Wiederaufführung, Nachstellung) verschrieben haben. Also treffen sie sich regelmäßig, um im Spiel aufeinander loszugehen. Mit Schwertern, Kanonen, Langspießen und allem, was das Mittelalter so an Waffen, Ausrüstung und Kleidung hergab.

Doch am Sonntag wurde in Mindelheim (Landkreis Unterallgäu) aus dem historischen Spiel anlässlich des 500. Todestages von Kaiser Maximilian plötzlich gegenwärtiger Ernst. Beim Abfeuern einer altertümlichen Kanone wurde, wie berichtet, eine 23-jährige Frau aus dem Landkreis Altötting schwer an der Hand verletzt. Ersten Berichten zufolge wurde ihr ein Finger abgetrennt. Sie musste noch am gleichen Tag notoperiert werden.

„Da waren natürlich alle geschockt, als sich herumgesprochen hat, was passiert ist“, erzählt Max Spies, einer der rund 350 Teilnehmer der Veranstaltung am Fuße der Mindelburg. Er selbst war zum Unglückszeitpunkt weiter entfernt, hatte nur den Kanonendonner gehört, ehe plötzlich Unruhe unter den kämpfenden Mittelalterfreunden aufkam. „Für solche Fälle gibt es eine klar festgelegte Rettungskette und die hat hervorragend funktioniert“, sagt Spies.

Mittelalterfreunde fürchten nach Unfall mit Kanone um ihr Hobby

Unfall mit einer Kanone: Polizei sucht weiter nach Zeugen

Wie es zu dem tragischen Unfall kommen konnte, ist derweil noch nicht ganz klar. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass sich beim Laden der Kanone versehentlich ein Schluss gelöst und die Frau verletzt hat. „So etwas kann leider passieren“, weiß Spies, 50 Jahre alt, seit seinem vierten Lebensjahr gewissermaßen mit dem Mittelalter verbandelt und Mitglied des Festrings, der in Mindelheim alle drei Jahre das weit über die Region hinaus bekannte Frundsbergfest ausrichtet. Die verletzte Frau sei im Besitz sämtlicher für die Benutzung der historischen Kanone erforderlichen Berechtigungen gewesen und habe mehrjährige Erfahrung im Umgang damit. Laut Spies hat sie am Sonntag die Kanone mehrfach befeuert: „Beim letzten Schuss ist es dann passiert.“

Der schwer an der Hand verletzten Frau gehe es den Umständen entsprechend, Lebensgefahr bestehe nicht, sagte am Montag ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West. Die Kriminalpolizei Memmingen habe die Kanone sichergestellt, nächste Woche soll sie sich ein Gutachter des Landeskriminalamtes ansehen.

Der Öffentlichkeitsaufruf, Zeugen des Unfalls mögen sich bei der Polizei melden, sei bislang ungehört verhallt, sagt der Sprecher: „Es hat sich niemand bei uns gemeldet“.

Schaukämpfe in Mindelheim sollen zur Erinnerungskultur beitragen

Max Spies befürchtet angesichts des neuerlichen Unfalls – im Jahr 2006 verlor bei einem ähnlichen Vorfall beim Frundsbergfest ein Mann an einer Kanone zwei Finger – dass sein Hobby und das Nachstellen historisch bedeutsamer Schlachten in Verruf geraten könnte.

„Natürlich kann man die Sinnfrage stellen, aber wir sehen darin einen Beitrag zur Erinnerungskultur“, sagt Spies. Viele historische Feste würden heutzutage einen falschen Eindruck vom Mittelalter erwecken: „Da war nicht alles lustig. Ganz im Gegenteil. Und daran wollen wir erinnern.“ Dazu käme der Aspekt der Völkerverständigung. Zu der Veranstaltung am Wochenende seien Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden oder auch Italien gekommen.

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