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Bad Wörishofen

27.02.2020

Mode Luginger war immer en vogue in Bad Wörishofen

Hier fühlt sie sich immer noch am wohlsten (auch wenn sie es so gar nicht mag, fotografiert zu werden): Erika Luginger in ihrem Modegeschäft in der Kneippstraße.
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Hier fühlt sie sich immer noch am wohlsten (auch wenn sie es so gar nicht mag, fotografiert zu werden): Erika Luginger in ihrem Modegeschäft in der Kneippstraße.
Bild: alf

Plus Nicht nur mit der Weißen Nacht hat Erika Luginger die Stadt bereichert. Sie hatte auch viele prominente Kundinnen - Bodyguard vor der Ladentür inklusive.

35 Jahre lang war „ Mode Luginger “ der Hot-Spot für Frauen, die sich schick und nobel einkleiden wollten. Schon der Start am 15. März 1985 war ein enormer Publikumserfolg: Vor dem Geschäft für luxuriöse Wäsche bildete sich eine Traube von Menschen, sogar ein Film wurde gedreht und die Kundinnen drängelten sich, dass es nur so eine Freude für die Jung-Unternehmerin war. Wenn ihre Kunden jetzt erfahren, dass Erika Luginger aufhört und ihr Modegeschäft in der Kneippstraße übergibt, dann will das niemand glauben. „Warum denn?“, ist die häufigste Frage, die der Unternehmerin derzeit gestellt wird.

Ihre Antwort ist eindeutig: „Weil ich mich so sehr darauf freue, endlich eine Auszeit nehmen zu können“, sagt Erika Luginger dann und wer es immer noch nicht glauben will, der bekommt dann auch zu hören, dass sie ja inzwischen 65 Jahre alt ist und es in diesem Alter doch auch verdient hat, etwas kürzer zu treten.

Erika Luginger brachte neuen Schwung in die Mode-Szene von Bad Wörishofen

Nur wirkt die blonde Power-Frau dafür einfach noch zu jugendlich, sie sprüht förmlich vor Energie und guter Laune. Doch es stimmt: Ende dieser Woche endet eine Ära in Bad Wörishofen , wenn Erika Luginger ihr Geschäft an ihre Nachfolgerin Jasna Steiner übergibt.

Mode Luginger war immer en vogue in Bad Wörishofen

Dass sich schon damals auch einige Zweifler und wohl auch mancher Neider unter die vielen Neugierigen gemischt hatte, war Erika Luginger schon klar: „Manche gaben mir ein halbes Jahr, andere vielleicht zwei Jahre. An meinen Erfolg haben nur wenige geglaubt“, sagt die 65-Jährige heute ganz ohne Groll.

Denn schließlich sei Neid ja die höchste Form der Anerkennung – und als sie später erst auf Bademoden und dann schrittweise auf Damenoberbekleidung umstellte, rieben sich schon einige verwundert die Augen über den wachsenden Erfolg der gebürtigen Berchtesgadenerin, die der Liebe wegen ins damals mondäne Bad Wörishofen gezogen war.

Gemeinsam mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Mann brachte Erika Luginger nach und nach auch neuen Schwung in die Bad Wörishofer Mode-Szene. Wenn sie sich heute an diese Zeiten erinnert, dann leuchten ihre Augen: Tagsüber war die Fußgängerzone oft proppenvoll mit kauflustigen Kurgästen, die sich ihren Kuraufenthalt auch mit einem ausgedehnten Shopping-Vergnügen abrundeten.

Goldene Zeiten seien das damals gewesen, natürlich auch für die ortsansässigen Geschäftsleute wie Erika Luginger. Die Kundinnen gaben sich buchstäblich die Klinke in die Hand, das Geld saß locker und die renommierten Mode-Labels lockten schon damals die anspruchsvollen und zahlungskräftigen Kundinnen. Oft suchten die Frauen wohlhabender Männer hier etwas Zerstreuung und fanden sie unter anderem auch beim kaufen der aktuellsten Damenmode - ihre beruflich erfolgreichen Männer erholten sich derweil in den Kurhotels und schöpften neue Kräfte für weitere Erfolge. Natürlich waren auch ganz viele Prominente darunter, die von Brauchitschs, die Kohls, Friede Springer und sehr viele andere prominente Namen mehr – doch auch wenn die bekannten Promi-Damen gerne und großzügig zum einkaufen bei Mode Luginger kamen und dafür auch mal der Laden für „normale“ Kundinnen geschlossen erden musste – für Erika Luginger waren es vielmehr die vielen Stammkundinnen und der freundschaftliche Kontakt, die ihren Beruf für sie so schön machte.

Die weiße Nacht in Bad Wörishofen als gesellschaftliches Highlight:

Die Besucher der weißen Nacht in Bad Wörishofen erfüllten das Motto perfekt.
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So schön war die weiße Nacht in Bad Wörishofen
Bild: Franz Issing

Klar, die besonderen Momente, wenn Body-Guards vor der Ladentüre dafür sorgten, dass bloß keine neugierigen Blicke auf die prominenten Damen fallen konnten – daran erinnert sich Erika Luginger immer noch gerne. Schließlich hat sie zu den allermeisten ihren Kundinnen noch immer persönlichen Kontakt – über deren Namen und Vorlieben schweigt sie freilich heute noch genauso eisern wie früher. „Dabei hätte ich schon so einiges zu erzählen“, sagt Erika Luginger lachend.

Zwischen einer Modeberaterin und ihren Kundinnen entwickelt sich bestenfalls ja auch ein sehr intimes Vertrauensverhältnis – in vielen Fällen wurden daraus über die Jahre echte Freundschaften, freut sich die 65-Jährige. Und als Erika Luginger darüber spricht, da merkt man schon, wie schwer ihr der Abschied dann doch fällt, auf den sie sich gleichzeitig aber auch so sehr freut. Endlich keine Stress, keine Hektik, keine Ordertermine mehr – endlich mehr Zeit, endlich eine „Auszeit“, wie es Erika Luginger nennt.

Sie wird in Bad Wörishofen vermisst werden und sie wird Bad Wörishofen vermissen. Denn sie liebt diese „ihre“ Stadt, in der sie so viele schöner Erfahrungen gemacht und an die sie so viele schöne Erinnerungen hat. Auch dass sich die Kneippstadt über die Jahre stark verändert habe – nicht zuletzt durch die Gesundheitsreform, in deren Folge Kuraufenthalte nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt wurden – ihren Flair, ihre Stärken, ihre Unverwechselbarkeit habe die Kneippstadt dennoch nie verloren.

Und so ist Erika Luginger auch nicht bange um die Zukunft des Einkaufsstandorts Bad Wörishofen : „Hier gibt es alles, viele Gäste sind immer wieder überrascht vom breiten und tollen Angebot hier“, weiß Erika Luginger aus vielen persönlichen Gesprächen.

Und gerade die werden ihr fehlen – die persönlichen Kontakte, die gespräche mit ihren Kundinnen, die gute Laune der Frauen, wenn sie sich über ihr neues modisches Outfit freuen.

Darauf wird sie ab kommender Woche verzichten müssen - ganz abreißen lassen wird sie ihre Verbindung zur Kneippstadt aber nicht. Nicht nur als „Erfinderin“ der weißen Nacht hat Erika Luginger in Bad Wörishofen Spuren hinterlassen. Sie will die Weiße Nacht auch weiter organisieren, sagt sie. Darauf freue sie sich sehr, denn so werde sie „ihrer“ Stadt Bad Wörishofen auch verbunden bleiben.

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