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Festival der NationenIII

02.10.2018

Nigel Kennedy und die Jodel-Maschine

Ganz aus dem Häuschen war Nigel Kennedy über seine neue Jodel-Maschine.

Auch nach dem Konzert bleibt sich der Star treu: Er ist ein netter Kerl, tiefenentspannt und ohne Allüren

Bad Wörishofen Aha. So sieht es also aus im Backstagebereich eines Superstars. Der rote, plüschige Teppichboden, der schmucklose Raum, die Heizungsrohre an der Wand. Immerhin, ein Kühlschrank mit Getränken. Und einige Flaschen Wein, von denen er eine schon geköpft hat. Nigel Kennedy lädt gleich mal alle ein, sich zu bedienen: „Please, drink. That’s fucking good wine“, sagt er und zwinkert mir zu.

Na also, geht doch. So muss ein Star sein, gerade so einer wie Nigel Kennedy, der sich selbst auch als Enfant terrible inszeniert. Er kippt ein Gläschen, ehe er – hochprofessionell – auf die Fragen eines Radio-Reporters des Spartenkanals „BR-Klassik“ antwortet. Na klar, der Kerl kennt sich aus mit den Medien, immerhin ist der im englischen Brighton geborene Musiker zeit seines Lebens ein gefeierter Star der klassischen Musik. Der ist mit allen medialen Wässerchen gewaschen, den kann nix mehr überraschend ...

Von wegen! Das Geschenk der MZ-Redaktion haut ihn fast um, er freut sich wie ein Schneekönig über das kleine, blaue Kunststoffkästchen: Eine Jodel-Maschine?

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Ja, eine Jodel-Maschine! So viel hat er seinem Publikum über die „Vier Jahreszeiten“ mitgebracht, da darf die „Fünfte Jahreszeit“ in Bayern nicht unerwähnt bleiben. „The Oktoberfest“, kichert der Engländer: „Mist, ich war noch nie dort“. Und dann drückt er auf den Knopf, und die Bayernhymne krächzt aus dem Lautsprecher. „Das ist die Bayerische Nationalhymne“, erklärt Festival-Intendant Winfried Roch. „No, that’s the Anthem of Bavaria“, jubelt der Star, als er auf „In München steht ein Hofbräuhaus“ drückt: „Oins, zwoa, gsuffa“...

Das Eis ist also gebrochen, doch dazu hätte es der Jodel-Maschine gar nicht bedurft. Denn Nigel Kennedy ist einfach ein netter Kerl, ganz ohne Star-Gehabe. Sein deutlicher Bauchansatz kommt wohl nicht nur vom vielen Tee, den er während seines Auftritts immer wieder getrunken hat. Sein Gesicht ist fülliger als auf den schmeichelhaften Fotos im Foyer des Kursaals. Seine Bartstoppeln sind grau, die zur image-gerechten Punk-Frisur hoch toupierten Harre sind erkennbar dünn geworden. Na und? Der Herr ist 62.

Und trotzdem ist er ein Star, der von einer ganzen Mannschaft beäugt, beschützt und wohl auch etwas bewacht wird. Dem Vernehmen nach soll ihm diesmal im Hotel extra eine etwas abgelegenere Suite zugewiesen worden sein. Ob dort in der Nacht zum Montag dann auch „standesgemäß“ gefeiert wurde, war nicht zu erfahren ...

Da ist ja noch immer diese Geschichte, als er 2010 nach einer rauschenden Drogen-Party von der Polizei verhört wurde. Angeblich sollen damals Heroin und Cannabis konsumiert worden sein, hieß es. Gefunden wurde aber nichts. So sauer war der Stargeiger auch noch drei Jahre später auf das Vorgehen der Bad Wörishofer Polizei, dass er damals gleich T-Shirts mit dem Aufdruck „Nein zu Polizei-Rassismus“ ins Publikum geworfen hatte. „Jaaa, das war vielleicht was“, lacht der Engländer heute über den Polizeieinsatz, an den er sich nur allzu gut erinnern kann. Aber deshalb nachtarocken? „Nein, das ist doch längst vorbei. Das haben wir doch alle hinter uns gelassen“, sagt Nigel Kennedy und nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Weinglas.

Aber das Oktoberfest, verflixt, das würde ihn schon reizen, gibt er gerne zu: „Da muss ich unbedingt hin, ich habe so viel darüber gehört“, sagt er und zwinkert wieder mit seinen Augen. „A lot of beer there“, sagt er und sein verschmitztes Lächeln wird immer breiter. Und dann drückt er noch einmal auf seine Jodel-Maschine – und lacht sich scheckig über die Klänge von „In München steht ein Hofbräuhaus“...

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