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31.08.2010

Pappeln in der Einflugschneise

Pappeln in der Einflugschneise
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Noch können viele Modellflieger ihre Flugzeuge steigen lassen. Fotos: MZ

Türkheim Die Mitglieder des Modellflugvereins MSG Flossachtal müssen zurzeit um die Existenz ihres Vereins bangen. Was zunächst aussah wie frisch gepflanzte Zuckerrüben entpuppte sich als angehender Pappelwald und bedroht jetzt den Flugverkehr auf dem Modellflugplatz zwischen Rammingen und Türkheim.

Seit genau 30 Jahren fliegt die Modellsportgruppe Flossachtal nun schon. "Und jetzt müssen wir einfach so das Feld räumen", erzählt der Vorsitzende Peter Dittrich sichtlich enttäuscht. Der Grund: Ein Pappelwald wurde direkt in der Einflugschneise zum Flugplatz gepflanzt. Und die Pflanzen wachsen mit rasanter Geschwindigkeit. "Je höher die Bäumchen werden, desto weniger wird unser Flugbetrieb", erklärt Dittrich. Der Verein mit seinen insgesamt 43 Mitgliedern bräuchte rings um seinen Flugplatz eine Wiese, die mit nur ganz niedrigen Pflanzen bewachsen ist, um optimal fliegen zu können. "An die Maisfelder um uns herum haben wir uns gewöhnt. Sie sind kein großes Problem, da sie nicht jedes Jahr bepflanzt werden", so Dittrich. Anders sieht es hingegen mit einem Pappelwald aus. Denn so ein Pappelpflänzchen wächst im Jahr fast zwei Meter. Der Wald wurde im März gepflanzt und ist jetzt schon fast 1,50 Meter hoch. "Unsere Jetpiloten können nicht mehr fliegen, weil die Höhe der Bäume schon zu gefährlich ist", berichtet Dittrich. Zu leicht könnte eines der bis zu 12 000 Euro teuren Modelle Schaden nehmen. Die ersten Mitglieder verlassen schon die MSG Flossachtal und wandern zu umliegenden Flugplätzen ab. "Es wäre einfach toll gewesen, wenn es vor der Pflanzung der Pappeln zu einer Information unsererseits gekommen wäre", darin sind sich Vorsitzender, Jugendwart und Mitglieder einig. "Dann hätten wir mehr Zeit gehabt, uns um Alternativen zu kümmern."

Was bei der Kommunikation zwischen Landratsamt, der Firma Dorr, die den Wald angebaut hat, und dem Verein schief gegangen ist, ist unklar. Es gebe lediglich ein paar nicht entgegengenommene Anrufe und unzustellbare E-Mails. Nur durch Zufall habe der Verein erfahren, dass ein Pappelwald in der Einflugschneise heranwächst.

"Mir tut es sehr Leid um den Verein", erklärt Marcus Jakwerth von der Firma Dorr. Er als Laie in Sachen Modellflug habe nicht gewusst, was so ein Pappelwald vor einem Modellflugplatz anrichtet. "Aber wir als Unternehmen müssen unsere landwirtschaftlichen Flächen gewinnbringend nutzen. Der Pappelwald wurde nicht dort gebaut, um dem Modellflugverein zu schaden." Jakwerth hat dem Verein ein Angebot gemacht: Gegen eine Erstattung des Betrags, der für die Bäume angefallen war, würden diese im Gegenzug wieder herausgerissen werden.

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Entfernung der Bäume zu teuer

Doch der Verein konnte nicht annehmen. "Die Summe lag zwischen 2500 und 3000 Euro. Das war einfach zu hoch für unsere Vereinskasse", sagt Dittrich. Er verstehe zwar das Energieunternehmen Dorr, ärgere sich aber sehr über die mangelnde Kommunikation im Vorfeld. Dass er als Pächter rechtlich gesehen wohl von vornherein keine Chance gegen den Pappelwald gehabt hätte, ist dem Vorsitzenden durchaus klar. "Dennoch ist es furchtbar schade für uns, dass wir unsere Zelte abbrechen müssen", meint der Vereinsleiter. "Vor allem unser Vereinsheim, in das wir alle so viel Energie und Zeit gesteckt haben, wird wohl wieder abgerissen werden müssen." Sogar Toiletten haben die emsigen Flieger dort gebaut.

Noch können die Modellpiloten mit kleineren Flugzeugen drei Monate fliegen. Dann läuft erst mal der Vertrag mit dem jetzigen Verpächter aus. Wie es dann weiter geht, wissen die Modellflieger noch nicht genau. "Wir werden mal schauen, wie lange wir mit dem wachsenden Pappelwald leben können." Für die Zukunft ist die MSG Flossachtal jetzt auf der Suche nach einem neuen Platz. "Es muss sich allerdings bald ein neuer Verpächter finden. Schon allein die Zulassung für einen neuen Platz kann, wenn wir Pech haben, bis zu drei Jahre dauern." Das wäre dann wohl das endgültige Aus für den Verein. "Wir werden aber alles in unserer Macht stehende tun, damit wir baldmöglichst einen neuen Platz für unsere Flieger finden", versichert Dittrich.

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