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Mindelheim

04.04.2019

Pfarreiengemeinschaft: Genau zuhören ist die Richtschnur

Der Pfarrbrief „mittendrin“ soll mitunter dazu beitragen, dass die neue Gemeinschaft besser zusammenwächst. Dekan Andreas Straub freut sich: „Bisher haben wir noch nichts versemmelt.“
Bild: Johann Stoll

Seit einem halben Jahr gehören die umliegenden Pfarreien zu Mindelheim. Wie eine erste Bilanz von Dekan Andreas Straub ausfällt.

Ganz wohl ums Herz war nicht allen Gläubigen, als vor gut einem Jahr bekannt wurde, die Pfarreien rund um Mindelheim werden ein Stück ihrer Eigenständigkeit einbüßen und unter das Dach einer Pfarreiengemeinschaft Mindelheim schlüpfen. Ein Sparkurs sorgt immer für Unruhe und trifft vor allem jene, die mit Feuereifer bei der Sache sind: die treuen Kirchgänger. Wird die katholische Kirche ein Stück Nähe einbüßen?

Die Sorgen waren offenbar unbegründet. In allen acht Pfarreien gibt es auch weiterhin an allen Sonn- und Werktagen mindestens eine Heilige Messe. Neben Mindelheim gehören dazu Unterkammlach, Oberkammlach, Oberauerbach, Westernach, Nassenbeuren, Apfeltrach und Mindelau. Die größte Umstellung mussten die Mindelheimer verkraften. Ein Gottesdienst wurde am Sonntag gestrichen.

Gläubige haben aber immer noch mehrere Möglichkeiten, einen Gottesdienst in der Kreisstadt zu besuchen: Neben St. Stephan sind das Maria Ward, die Studienkirche, das Krankenhaus, das Seniorenzentrum und die Jesuitenkirche. Insgesamt gibt es 20 bis 30 Gottesdienste in der Woche, sagt Dekan Andreas Straub. Die Gottesdienste allerdings sprechen nur eine Minderheit der Katholiken an. Bei 15 bis 20 Prozent liegt der durchschnittliche Kirchenbesuch, sagt Straub. Das sei vergleichsweise gut. Rund zehn Prozent der Katholiken würden durch die Angebote der Kirche sehr gut erreicht. Bei großen Familienfesten wie der Heiligen Kommunion sind dann aber alle dabei.

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Dekan Andreas Straub will die guten Seelen der Pfarreiengemeinschaft kennenlernen

Dekan Andreas Straub sagt, die besondere Herausforderung bestehe für ihn weiterhin darin, auch außerhalb der Kernstadt den persönlichen Kontakt zu den Gläubigen zu halten. Anfangs allein schon all die guten Seelen kennenzulernen, die die Kirche vor Ort mit Leben erfüllen, sei nicht ganz einfach.

Jeder Ort hat besondere Traditionen, auch im Glauben. Diese galt es erst einmal kennenzulernen und zu respektieren. „Wir müssen da genau hinhören“, sagt Straub. Acht Pfarreien schlüpften unter ein neues Dach, die Pfarreiengemeinschaft Mindelheim. Ein halbes Jahr ist das jetzt her. Aus vormals 7000 Katholiken wurden 11 000. Der Dekan sagt, dass mit der neuen Struktur zwei leitende Pfarrer weniger als zuvor zur Verfügung stehen. Umso mehr komme es auf eine gute Planung und auf das Team an. „Ich bin kein Einzelkämpfer“, sagt Straub. Um die Seelsorge kümmern sich auch Ruheständler, Diakone und andere pastorale Mitarbeiter. Neben Straub sind es elf weitere Priester und Diakone sowie drei Pastoralreferentinnen. Leitenden Pfarrer gibt es aber nur noch einen: Dekan Straub.

Die neue Gemeinschaft muss erst zusammenwachsen. Dazu trägt auch bei, dass der Pfarrbrief „mittendrin“ jetzt nicht nur in den Mindelheimer Briefkästen landet. Auf mehreren Seiten werden regelmäßig Nachrichten aus den Pfarreien vermeldet.

Der 45-Jährige ist seit rund zehn Jahren Stadtpfarrer von Mindelheim. Sein Amt als Dekan ist erst kürzlich um weitere sechs Jahre verlängert worden. Straub wird also mindestens die nächsten Jahre den Gläubigen im Raum Mindelheim erhalten bleiben.

Neben dem zentralen Pfarrbüro in Mindelheim gibt es noch ein Übergangs-Büro in Oberkammlach

Dem Dekan war wichtig, dass die Sekretärinnen alle übernommen wurden. Sie kennen sich bestens aus in den Dörfern. Es gibt deshalb auch regelmäßige Bürobesprechungen. Neben dem zentralen Pfarrbüro in Mindelheim gibt es das Übergangs-Pfarrbüro in Oberkammlach. Das hat sich bewährt. „Bisher haben wir noch nichts versemmelt“, freut sich Straub. So richtig Bilanz über die neue Struktur soll aber im November gezogen werden, wenn das erste Kirchenjahr vorüber ist. Sehr dankbar ist Straub, dass er in der Verwaltung eine große Entlastung zugestanden bekommen hat. Es gibt mit Thomas Weinzierl seit 1. Januar einen hauptamtlichen Leiter. Er ist eine Art Geschäftsführer, dessen Gehalt die Diözese übernimmt. Weinzierl kümmert sich zum Beispiel auch um die acht Kirchenverwaltungen.

Ohne diese Entlastung, das ist ihm anzumerken, wäre Straubs Optimismus nicht ungemindert, die soziale und caritative Arbeit in Mindelheim und Umgebung auf hohem Niveau fortzuführen. Die Arbeitsbelastung für ihn als Dekan ist jedenfalls nicht geringer geworden. Den konkreten Blick auf den einzelnen Menschen nicht zu verlieren, das sei die größte Herausforderung. Bisher kann er seinem eigenen hohen Anspruch gerecht werden. „Und an mich ist Gott sei dank auch noch nichts Negatives herangetragen worden“, sagt Straub.

Und wenn es doch mal zu viel zu werden droht, tankt Andreas Straub neue Kräfte in der Natur. Beim Fischen kann der Geistliche am besten abschalten.

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