Newsticker

Johns Hopkins University: 200.000 Infizierte in den USA
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Polizei erklärt: So sicher ist die Kneippstadt

Bad Wörishofen

20.03.2020

Polizei erklärt: So sicher ist die Kneippstadt

Die Bad Wörishofer Polizei setzt seit Herbst 2019 auf Bodycams und hat damit bislang gute Erfahrungen gemacht. Auf unserem Archivfoto trägt Polizeihauptmeister Thomas Rosentreter (Mitte) eine solche Bodycam. Von den Vorteilen überzeugt sind auch die Wörishofer Polizeihauptkommissare Michael Scheßl (links) und sein Kollege Christian Frank.
2 Bilder
Die Bad Wörishofer Polizei setzt seit Herbst 2019 auf Bodycams und hat damit bislang gute Erfahrungen gemacht. Auf unserem Archivfoto trägt Polizeihauptmeister Thomas Rosentreter (Mitte) eine solche Bodycam. Von den Vorteilen überzeugt sind auch die Wörishofer Polizeihauptkommissare Michael Scheßl (links) und sein Kollege Christian Frank.
Bild: Alf Geiger

Plus In nahezu allen Bereichen ist die Kriminalität rückläufig. Für Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier aber kein Grund, leichtsinnig zu werden.

„Ja, es war ein ruhiges Jahr“, sagt Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier. Und während er das sagt, herrscht um ihn herum Hektik und Stress: Wie überall sorgt die Coronakrise auch in der Polizeiinspektion Bad Wörishofen für nie gekannten Wirbel und eigentlich weiß Maier gar nicht, was er zuerst machen soll.

Ein paar Minuten Zeit hat er dann aber doch Zeit um – wie das in diesen Zeiten nun mal sein muss – wenigstens telefonisch die aktuellsten Zahlen der Kriminalitätsstatistik des vergangenen Jahres zu präsentieren. Und da hat Polizeihauptkommissar Maier tatsächlich eine ganze Menge guter Nachrichten parat: In nahezu allen Bereichen sind die Fallzahlen rückläufig. Für Maier ist das natürlich auch eine Bestätigung für die (gute) Arbeit der Bad Wörishofer Polizei, die in der Kneippstadt und in den Wertachtalgemeinden für Ordnung sorgt. Aber als erfahrener Polizist weiß er auch, dass dies nicht alleine dem polizeilichen Können geschuldet ist: „Manchmal hilft uns auch Kommissar Glück“, weiß Maier.

So war es etwa auch bei einem der spektakulärsten Fälle, der die Polizei in der Kneippstadt im vergangenen Jahr in Atem hielt: Eine mysteriöse Serie von Brandstiftungen in der Gaststätte „Neubrand’s Stüble“ in Bad Wörishofen verlangte den Ermittlern über Monate hinweg eine Menge ab – doch dann klickten im Oktober die Handschellen und eine 61-Jährige konnte festgenommen werden. Fünfmal hatte es bis dahin in Neubrand’s Stüble in der Bad Wörishofer Innenstadt schon gebrannt, zweimal davon allein im September 2019. Nach „umfangreichen Überwachungsmaßnahmen“ und dank einer eigens gegründeten Ermittlungsgruppe „Lokal“ wurde die Brandstifterin auf frischer Tat ertappt, als sie gerade dabei war, einen weiteren Brand zu legen. Sie ließ sich von den Beamten widerstandslos festnehmen und wartet seither auf ihren Prozess der unmittelbar bevorstehen soll.

Polizei erklärt: So sicher ist die Kneippstadt

Rückblick auf einen Streit mit tödlichem Ende in Bad Wörishofen

Ein schöner Fahndungserfolg, der aber unter anderem auch darauf zurückzuführen war, dass sich die Bad Wörishofer Polizei in dieser Zeit voll auf die Ermittlungen konzentrieren konnte.

Die zurück gehenden Fallzahlen waren dafür auch ein Grund, wie Maier bestätigte. Insgesamt verzeichnete die Bad Wörishofer Polizei mit 148 Fällen einen deutlichen Rückgang bei der Straßenkriminalität (2018: 182), ebenso bei Sexualdelikten (2019: 16 / 2018: 21). Auch bei den Gewaltdelikten war ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen: 36 Mal mussten die Beamten bei Gewaltdelikten eingreifen, wobei die Zuständigkeit der Bad Wörishofer Inspektion nur bis zu Fällen von gefährlicher Körperverletzung reicht. Schwerere Fälle übernimmt dann die Kriminalpolizei.

Und einen schweren Fall von Gewaltkriminalität hatte es im Jahr 2019 in seinem Zuständigkeitsbereich zum Glück nicht gegeben, so Maier erleichtert. Die Erinnerungen an den spektakulären Totschlag in einem ehemaligen Kurhotel im Jahr 2018 ist dem Polizeichef da noch in unschöner Erinnerung.

Mehr dazu lesen Sie hier:

Überraschung im Totschlagsprozess: Einmal Haft, zweimal Freispruch

Dass von den drei angeklagten Männern am Ende nur einer wegen Totschlags zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, die beiden anderen Angeklagten aber frei gesprochen wurden, ist für Maier aber auch ein Beweis für das funktionierende Rechtssystem.

Einen – wenn auch nur leichten – Anstieg verzeichnete die Polizeiinspektion bei den Rauschgiftdelikten: Von 97 Fällen im Vorjahr stieg die Rauschgiftkriminalität auf 103 Fälle in 2019. Nicht viel mehr – aber für den Polizeichef dennoch viel zu viel. Doch die Polizei habe die Szene und mögliche Örtlichkeiten gut im Griff, so Maier – auch wenn die „Dunkelziffer“ gerade in diesem Bereich besonders groß sei.

Zunehmende Gewaltbereitschaft gegen Polizisten

Angesichts solcher Zahlen könnte sich die örtliche Polizei dann ja entspannt zurücklehnen? Davon können Maier und seine Kollegen nur träumen, denn es gibt auch Bereiche, die den Beamten zunehmend Sorgen machen. Maier nennt als Beispiel die immer mehr zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten und auch gegen Rettungskräfte. 15 Mal mussten sich die Polizisten im Vorjahr gegen körperliche Angriffe zur Wehr setzen – Tendenz steigend.

Um die Täter zur Rechenschaft ziehen zu können, hilft den Beamten auch die „Bodycam“, die inzwischen auch flächendeckend eingeführt und eingesetzt wird. Auch Beamte der Bad Wörishofer Inspektion nutzen verstärkt diese Kameras im Einsatz und haben gute Erfahrungen gemacht.

Noch größere Sorgen macht sich Maier aber wegen der wachsenden Gewaltbereitschaft gegen Rettungskräfte wie Feuerwehr oder Sanitätsdienst.

Um hier für Aufklärung zu sorgen, besucht Polizeichef Thomas Maier persönlich die Feuerwehren in seinem Bereich und wirbt eindringlich dafür, jeden Fall von Beleidigung und/oder Gewalt sofort zur Anzeige zu bringen. „Hier müssen wir auch Fakten schaffen“, weiß Maier, denn nur mit Fakten könnte auch ein entsprechendes Vorgehen der Politik eingefordert werden. Maier wird seine Vortragsreihe bei den Feuerwehren daher unbedingt fortsetzen – wenn die Coronakrise überstanden ist.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren