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Bad Wörishofen

10.07.2020

Polizei nimmt in Bad Wörishofen die „bösen Buben“ unter den Bikern ins Visier

„Rechts ranfahren“, heißt es auch für diesen Biker, der gestern Nachmittag kontrolliert wurde. Dabei stellte sich nach eingehender Prüfung heraus ...

Plus Die Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West war in Bad Wörishofen im Einsatz - und bekam eine Menge zu tun.

Das Klischee: Motorradfahrer sind allesamt adrenalinsüchtige Raser, rücksichtslos lärmende Geschwindigkeitsritter und gehirnamputierte Risiko-Junkies. Die Realität: Motorradfahrer sind Menschen wie Du und Ich. Da gibt es viele, die sich peinlich genau an die gesetzlichen Bestimmungen halten, die Geschwindigkeitsregeln achten und mit erträglich leisen Motorrädern durch die Gegend tuckern. Und, natürlich: Es gibt auch die anderen: Die auf der Jagd nach dem nächsten Adrenalinkick offenbar alles vergessen, und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gegend donnern. Auf die haben es die Beamten der „Kontrollgruppe Motorrad“ abgesehen – vor allem auf diese uneinsichtigen, unbelehrbaren und unvernünftigen Zeitgenossen auf zwei meist deutlich übermotorisierten Rädern, betont Michael Laugwitz, der Leiter der dreiköpfigen Kontrollgruppe Motorrad bei einer großen Kontrollaktion in Bad Wörishofen.

Vier Stunden lang lagen die Beamten am Parkplatz „Unteres Hart“ an der Verbindungsstraße zwischen der A96-Anschlussstelle Bad Wörishofen/ Türkheim und Bad Wörishofen auf der Lauer. Mit dabei noch fünf Kollegen von der Polizeiinspektion Bad Wörishofen, die bei der Gelegenheit auch gleich noch Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrskontrollen bei Autos und Lkw durchführten. Über zu wenig Beschäftigung brauchte sich gestern Nachmittag keiner zu beklagen – bei brütender Sommerhitze hatten die Beamten einen buchstäblich „heißen“ Nachmittag ...

Warum die Polizei gerade bei Bad Wörishofen kontrollierte

Die Kontrollstelle war bewusst gewählt: Nicht immer nur an den bei Motorradfahrern so beliebten Passstraßen wie dem Joch- oder dem Riedbergpass legen sich die Motorrad-Polizisten auf die Lauer – auch auf den Zufahrtsstrecken Richtung Süden werden entsprechende Schwerpunktkontrollen durchgeführt. Denn, so Michael Laugwitz, die „bösen Buben“ unter den Bikern sollten sich nirgends sicher sein. Unter Auto- und Motorradfahrern spricht es sich sowieso meist blitzschnell herum, wo gerade wieder eine Verkehrskontrolle durchgezogen wird – nicht zuletzt durch Radio-Blitzerwarnungen.

Zu wenig Profiltiefe wurde an diesem Motorrad festgestellt. Da es noch im Toleranzbereich lag, durfte der Biker selbst zur nächsten Werkstatt fahren.
Bild: Alf Geiger

„Guten Tag, Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugschein bitte“, sagt Christian Stark, nachdem sein Kollege Florian Götz den Fahrer einer schweren Ducati rausgewunken hat. „Guten Tag ...“, brummt der Mittfünfziger, als er den Helm vom erkennbar ergrauten Haupthaar zieht. Wie gut kann der Tag denn schon sein, wenn man gleich in eine Polizeikontrolle tappt, kaum dass man seine nachmittägliche Spritztour begonnen hat?

Allzu schlimm soll es dann aber nicht kommen für den Biker, der eine Tour durch seinen Heimatlandkreis Unterallgäu machen wollte, noch bevor das vorhergesagte Gewitter aufzieht. Sein Vorderreifen ist zu stark abgenutzt, das Profil ist haarscharf unter dem zulässigen Mindestwert. Eine Verwarnung gibt das, doch dann kann der Biker weitertuckern – nachdem die drei Beamten der Kontrollgruppe Motorrad sein Bike auf Herz und Nieren überprüft und gecheckt haben, ob wirklich alles im zulässigen Rahmen ist.

Vor allem an der Technik der Motorräder wird gerne manipuliert

Vor allem an der Technik wird gerne mal manipuliert, wissen die erfahrenen Motorradpolizisten – schließlich sind alle drei auch in ihrer Freizeit passionierte Motorradfans, und kennen allein schon daher so manchen Trick, der sich bei Bikern einer gewissen Beliebtheit erfreut. Der Auspuff ist es oft, auf den es die Beamten abgesehen haben – überschreitet ein Bike den zulässigen Wert, dann sticht das den Beamten meist direkt ins Ohr.

Michael Laugwitz, Christian Stark und Florian Götz bilden die „Kontrollgruppe Motorrad“ des Polizeipräsidiums Süd/West.
Bild: Alf Geiger

Und oft stellt sich dann auch heraus, dass der Verdacht berechtigt war, weil wieder mal einer nicht davon abzuhalten war, am Auspuff seines Motorrads so herum zu manipulieren, bis er den gewünschten „Sound“ erreicht hatte. Doch was für den Biker das schönste Geräusch der Welt ist, kann für ruhesuchende Anlieger das reinste Nervengift sein – nämlich dann, wenn die Motorradfans auf die gesetzlichen Normen pfeifen und an ihrem „Moped“ illegalerweise herumbasteln. Im Schnitt werden 40 Prozent der kontrollierten Motorräder beanstandet.

So war es dann auch gestern: Von den rund drei Dutzend Motorradfahrern, die an der Kontrollstelle angehalten wurden, waren die allermeisten Biker buchstäblich „harmlos“ und konnten nach der Kontrolle unbehelligt ihre Fahrt fortsetzen. Aber auch gestern gab es ein „schwarzes Schaf“: ein Motorradfahrer, dessen Bike gleich an Ort und Stelle die Betriebserlaubnis entzogen wurde. Der Fahrer, ein Mann Ende 60, hatte die Schalldämpfer im Auspuff seines Motorrades so bearbeitet, dass sie weniger als Dämpfer und viel mehr als „Verstärker“ ihren Dienst taten.

Für einen Biker war in Bad Wörishofen Endstation

Und so musste der Biker zu Fuß nach Hause gehen bzw. sich und sein Motorrad direkt vor Ort abholen lassen. „Das war aber wirklich ein Ausreißer“, so das Urteil von Polizeihauptkommissar Michael Laugwitz. Der Ducati-Fahrer von vorhin mit dem abgefahrenen Vorderreifen war ganz zufrieden, dass er wenigstens weiterfahren durfte - wenn auch mit dem Versprechen, direkt die nächste Werkstatt anzufahren und einen neuen Reifen aufziehen zu lassen. „Na dann, euch auch einen guten Tag“, sagte der Mann in versöhnlichem Ton und gab (sehr vorsichtig) Gas, als er vom Parkplatz fuhr.

... dass alles an seinem Bike den gesetzlichen Vorschriften entsprach. Der Biker konnte daraufhin unbehelligt weiter düsen.
Bild: Alf Geiger

Das sei durchaus die Regel, weiß auch Rouven Kolp von der Polizeiinspektion Bad Wörishofen – selbst begeisterter Freizeit-Motorradfahrer: „Das Verhältnis zwischen Polizei und Motorradfahrern ist gut. Die allermeisten Biker sind einsichtig, falls sie wirklich gegen die Regeln verstoßen haben“, so Kolp. Und wenn dann der Ärger über den Strafzettel oder die Ermahnung erst mal verraucht ist, dann ergibt sich häufig sogar noch ein gutes „Benzin-Gespräch“, weil es gleichgesinnte Motorradfahrer so gerne führen. Denn Motorradfahrer sind gar nicht allesamt adrenalinsüchtige Raser, rücksichtslos lärmende Geschwindigkeitsritter und gehirnamputierte Risiko-Junkies. Die allermeisten sind Menschen wie Du. Und ich.

Immer wieder kommt es auch im Unterallgäu zu schweren Unfällen, an denen Motorradfahrer beteiligt sind:

Motorrad kracht in Auto: 25-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

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