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Bad Wörishofen

04.06.2019

Prozess um Totschlag: Zeugin schildert grausame Details

Vor dem Landgericht Memmingen wird eine Gewalttat in Bad Wörishofen juristisch aufgearbeitet. Über 50 Zeugen hat das Gericht dazu geladen. Darunter ist auch die ehemalige Partnerin eines Angeklagten.
Bild: Max Kramer

Im Totschlag-Prozess gegen drei Männer sagt die Ex-Freundin eines Angeklagten aus. Sie gibt Einblicke in die Tage nach der Tat – und in ein grausames Video.

Am 5. September 2018 klingelt gegen 9.30 Uhr das Mobiltelefon der jungen Frau. Ihr Partner ist dran, sagt, er habe einen Bekannten besuchen wollen – und ihn dort regungslos auf dem Boden gefunden. Mit blutigen Wunden und blauen Flecken im Gesicht. Tot. Er und ein Freund hätten noch versucht, dem Opfer erste Hilfe zu leisten, doch umsonst, sagte er zu seiner Freundin. Sie sitzt jetzt, neun Monate später, vor dem Landgericht Memmingen und rekapituliert am ersten Verhandlungstag die Ereignisse vom Herbst 2018 – als Zeugin im Totschlag-Prozess gegen ihren damaligen Freund.

Der Anklage zufolge war der 33-Jährige zusammen mit zwei weiteren Männern für den gewaltsamen Tod eines 46-Jährigen in einem ehemaligen Kurhotel in Bad Wörishofen verantwortlich. Die drei sollen so lange auf ihr wehrloses Opfer eingeschlagen haben, bis es bewusstlos am eigenen Blut erstickte. Zur Tat wollte zunächst keiner der Angeklagten Angaben machen.

Kurz vor dem mutmaßlichen Totschlag telefonierte die Zeugin mit dem Tatverdächtigen

Um die verhängnisvolle Nacht dennoch rekonstruieren zu können, hat das Landgericht neben einigen Sachverständigen auch über 50 Zeugen geladen. Als erste von ihnen trat eine 32-jährige Frau in den Zeugenstand, die zum Tatzeitpunkt mit dem Jüngsten der drei Angeklagten liiert war. Noch in der Tatnacht telefonierte sie mehrmals mit ihrem damaligen Freund – zuletzt um 0.12 Uhr und damit nur rund eine Viertelstunde, bevor die vier Männer nach Darstellung der Staatsanwaltschaft in den tödlichen Streit gerieten.

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Ihr Ex-Partner habe während des Telefonats alkoholisiert gewirkt, sagte die stark zitternde Frau vor Gericht. Im Hintergrund habe sie mehrere Männerstimmen, klirrende Flaschen und Gegröle gehört. Ihr Freund habe aber gesagt, er wolle bald nach Hause gehen, um im Keller sein Motorrad zu reparieren. Die Anklage geht davon aus, dass er stattdessen kurz danach auf seinen 46-jährigen Bekannten einschlug.

Am darauffolgenden Tag, dem 5. September, telefonierte der jüngste Tatverdächtige erneut öfter mit seiner damaligen Partnerin – einmal, um ihr zu sagen, dass er sich auf dem Weg in ihre Wohnung in der Nähe von Straubing befände. Mit dabei war auch der 36-jährige Mitangeklagte – sehr zum Missfallen der Frau, wie sie vor Gericht erklärte.

Angeklagter verprügelt das spätere Opfer bereits in einem Video

Als die drei am nächsten Tag zum Rauchen gingen, entdeckte die Frau auf der Kleidung des ungebetenen Gasts Blutflecken – vereinzelt auf den Lederschuhen und gar mehrmals münzgroß auf der rechten Vorderseite seiner Jeans. Die 32-Jährige stellte Fragen – und erhielt als Antwort, die Flecken stammten zwar vom Opfer, jedoch von den Erste-Hilfe-Maßnahmen, mit denen die beiden den 46-Jährigen hätten retten wollen. Kurz darauf setzten sich die beiden Männer in der Wohnung an den Computer. „Totschlag Bad Wörishofen“ hätten die beiden in eine Online-Suchmaschine eingegeben, sagte die Frau aus. Nun habe sie ihren Freund direkt zur Rede gestellt und gefragt, was er mit der Tat zu tun habe. „Nichts“, habe er nur geantwortet und auf seine sauberen, blutfreien Klamotten gezeigt.

Nach Angaben der Zeugin hatten die drei Tatverdächtigen und das Opfer häufiger miteinander zu tun. Dass die Stimmung zwischen ihnen schnell kippen konnte, habe sie kurz vor der Tat während eines Videotelefonats mit ihrem Ex-Freund erfahren. Dabei hätten sich zwei der drei nun Angeklagten über das spätere Opfer lustig gemacht und es als „schwul“ bezeichnet. Nüchtern sei ihr Ex-Freund ein hilfsbereiter, lieber Mensch, so die Zeugin. Betrunken jedoch werde er schnell aggressiv, laut und wütend. Besonders schockiert habe sie ein knapp einminütiges Video, das er ihr vier bis sechs Monate vor der Tat geschickt habe. Darauf sei zu sehen gewesen, wie er alkoholisiert einen Mann mit voller Wucht verprügelte – das spätere Todesopfer. Unmittelbar daneben habe der Älteste der Tatverdächtigen gesessen, ebenfalls betrunken. Er habe versucht, den Schläger zurückzuhalten mit den Worten: „Jetzt reicht’s, sonst bringst Du ihn noch um!“

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