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Religion

15.06.2017

Prozession macht heuer einen Bogen ums Schloss

Eines der ältesten Fronleichnamfotos in Babenhausen stammt aus dem Jahr 1930 und zeigt den Altar am Marktplatz. Von dort ging es in den Schlosshof zum vierten Altar.

An Fronleichnam steht kein Altar auf dem Fuggerareal in Babenhausen. Damit bricht man mit einer 200 Jahre alten Tradition. Die Entscheidung von Pfarrer Sieglar stößt im Fürstenhaus auf Unverständnis

200 Jahre machte die Fronleichnamsprozession in Babenhausen stets Halt an einem Altar auf dem Fuggerareal. Heuer bricht Pfarrer Manfred Sieglar mit dieser Tradition. So endet die Prozession nicht mehr im Schlosshof, sondern in der Pfarrkirche St. Andreas. Über diese Entscheidung zeigt sich Hubertus Fürst Fugger schockiert und gleichzeitig als Patronatsherr überaus enttäuscht.

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt er zudem klar, dass an einem derzeit im Fuggermarkt umlaufenden Gerücht nichts dran sei, wonach er den Schlosshof für die Fronleichnamsprozession gesperrt habe. Ausdrücklich macht er darauf aufmerksam, dass er der Kirchengemeinde sowohl den Schlosshof als auch den Schlosspark als Station für einen Altar angeboten habe.

Laut Hubertus Fürst Fugger ist bis zum Jahr 1810 dokumentiert, dass sich stets ein Altar auf dem Fuggerareal befand – meistens der vierte und damit der letzte der Prozession. Der Fürst zeigt sich vor allem enttäuscht, weil Pfarrer Sieglar sein Angebot nicht angenommen hat. Auch der 94-jährige Fritz Fahrenschon, der jahrzehntelang als Kirchenorganist wirkte, kann die Entscheidung, dass heuer kein Altar im Schlosshof steht, nicht nachvollziehen. Er kann sich erinnern, wie er bereits Anfang der 1930er-Jahre als Ministrant am Altar im Fuggerhof seinen kirchlichen Dienst versah. Fahrenschon geht davon aus, dass sich bereits seit der „Verfürstung im Jahr 1803“ dort ein Fronleichnamsaltar befand.

Diesen Weg „zum letzten und vierten Altar“ dokumentiert auch Heimatforscher Dieter Spindler in seinem historischen Bildband „Babenhausen – wie es früher war“. Die ältesten Bilddokumente der Fronleichnamsprozession reichen in Spindlers Sammlung bis zum Jahr 1930 zurück. Nach seinen Worten bezog sich Fürstin Nora Anfang des vorigen Jahrhunderts sicherlich auch auf diese Tradition. Zudem weist Spindler auf Zeitungsausschnitte hin, in denen der Hinweis zu lesen war, dass der letzte und damit vierte Altar im Schlosshof stand. Ältere Aufnahmen des Altars zeigen außerdem die Figur einer schwarzen Madonna, die stets im Mittelpunkt stand. Diese ist, so Museumswart Peter Müller, im Privatbesitz des Fürstenhauses.

Am meisten schmerzt Hubertus Fürst Fugger, dass von Leuten, die dem Fürstenhaus nicht wohlgesonnen seien, gezielt Gerüchte in die Welt gesetzt würden. So habe er nie das Schlosstor beziehungsweise den ehemaligen Brauereihof für kirchliche Veranstaltungen versperrt. Im Gegenteil – in einem Schriftwechsel und einem Telefongespräch habe der Fürst ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ihm ein großes Anliegen sei, das Schloss in die Fronleichnamsprozession mit einzubeziehen. Außerdem bat er die Kirche, anderslautenden Gerüchten eine klare Abfuhr zu erteilen. Diesbezüglich habe der Adelige jedoch keine positive Antwort erhalten. Pfarrer Sieglar hatte kürzlich bei einem Gottesdienst betont, es gebe kein Zerwürfnis zwischen ihm und dem Fürstenhaus. Dies bestätigt er auch auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei macht er klar, dass es seine alleinige Entscheidung war, neue Wege einzuschlagen.

So findet heuer der Gottesdienst um 9 Uhr auf der Espachwiese statt. Die nächsten Altäre stehen an der Friedhofskapelle und vor dem Kolpinghaus. Anschließend geht es in die Pfarrkiche St. Andreas, die praktisch den abschließenden vierten Altar darstellt. Ein Altar im Fuggerhof würde nach Sieglars Worten einen „Umweg“ darstellen. Über die Prozessionsroute in den kommenden Jahren könne man aber durchaus diskutieren. Allerdings sei es nicht seine Aufgabe, anderslautenden Gerüchten entgegenzutreten.

Indes betont Hubertus Fürst Fugger, dass er jederzeit zu Gesprächen bereit sei. Außerdem hofft er, dass ein gewisser Unfrieden, der zu spüren sei, gemeinsam beerdigt werden könne.

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