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01.11.2010

Sanfte Medizin weiter im Vormarsch

Bad Wörishofen Der Edelstein, den Urban Schrempp um den Hals trug, wies ihn als "bekennenden Fan" der Heiligen Hildegard von Bingen aus. Der erfahrene Heilpraktiker aus Schneizlreuth behandelt demnach weniger die Symptome von Krankheiten, sondern versucht zuerst ihre Ursachen zu ergründen. Zudem baut seine Therapie auf gesunder Ernährung auf. Dinkel sei da das A und O, gibt er sich überzeugt. "Weil es das einzige nicht veredelte Korn ist." Mit Ärzten, Homöopathen, einer Psychologin und TV-Pfarrer Jürgen Fliege ging Schrempp auf dem Podium im Kursaal der Frage nach: "Wie vertragen sich ,Sanfte' und Schulmedizin?" Dies aus gutem Grund. Nehmen doch zwei Drittel aller Deutschen regelmäßig Arznei aus dem "Garten von Mutter Natur" ein, weil die kaum Nebenwirkungen haben.

Dr. Renate Grötsch gilt als die "Königin der sanften Medizin". Sie berichtete von den Erfolgen "zweigleisiger Behandlung". Schulmedizin kommt für die Ärztin aus Holzkirchen nur bei aggressiven Krankheitsverläufen infrage. Ansonsten hat die Homöopathie in ihrer Praxis Vorfahrt. "Weil sie die Selbstheilungskräfte im Körper aktivieren kann", argumentiert sie. Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich: Die einen schwören auf die Wirkung homöopathischer Mittel, andere halten sie für Placebos, also puren Aberglauben. Woran niemand vorbeikam? Die Heilmethoden der sanften Medizin werden immer populärer und auch von Ärzten zunehmend verordnet und eingesetzt. Mittlerweile erwärmen sich auch Fußballprofis mehr und mehr für Tropfen und magische Kügelchen.

Wenn der Körper schweigt, reden die Zähne. Für die richtige Synthese von Schul- und Naturmedizin sprach sich Dr. Dirk Schreckenbach aus. Der Zahnarzt und Heilpraktiker aus Homburg/Saar vertrat unter anderem die Meinung: "An jedem Zahn hängt immer auch ein ganzer Mensch." Der Referent berichtete von spektakulären Erfolgen nach rigorosem Entfernen aller Zähne bei schwer rheumakranken Patienten. Von "Zahn-Herden" oder "Zahn-Störfeldern" war die Rede.

Wenn die Seele Trauer trägt. Fast alle Krankheiten - selbst der Fußpilz - hätten seelische Ursachen, seien psycho-emotional bedingt und der Körper nur Spiegelbild, war sich Dr. Elfrieda Müller-Kainz ganz sicher. Alle Wehwehchen würden im persönlichen Verhalten des Menschen gründen. So könne zum Beispiel Mutlosigkeit, aber auch die Gefühle nicht gebraucht zu werden, sich aufopfern zu müssen und nicht Nein sagen zu können, bei Frauen Brustkrebs auslösen. "Wer zu uns kommt, hat mit vielen weißen Kitteln nur schlechte Erfahrungen gemacht und will keine mehr sehen", brachte Chefarzt Dr. Christian Schmincke sich und seine "Klinik am Steigerwald" ins Gespräch. "Für unsere meist austherapierten Patienten stirbt die Hoffnung zuletzt. Wir sind für sie der "Libero", der letzte Mann vor dem Tor", machte er deutlich und berichtete von nachweislichen Erfolgen mit Akupunktur und chinesischer Medizin, die ausschließlich auf miteinander kommunizierende Rezepturen fußt.

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Was konnten die zahlreichen Zuhörer von der Podiumsdiskussion mitnehmen? Vor allem den Rat, auf die Botschaft der Organe zu achten und "Informationen, die uns die Schöpfung liefert" nicht zu überhören. Im Übrigen gelte bei "Erkältungen von Körper und Seele" die Regel: "Wer heilt, hat recht."

Einig waren sich am Ende alle Referenten: "Der Patient muss sich geborgen fühlen." Der "Heilung im Heim" schrieben sie die größte Heilkraft zu. Und was die sanfte Medizin anging, hielt es Jürgen Fliege mit dem Apostel Paulus: "Prüfet alles und das Gute behaltet." (iss)

Bei uns im Internet

Ein Video mit Reaktionen zum Bad Wörishofener Herbst finden Sie unter

www.mindelheimer-zeitung.de

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