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Bad Wörishofen

05.06.2019

Schule: Eltern fordern flexiblere Mittagsbetreuung

An der Pfarrer-Kneipp-Schule sollte es ein verändertes Betreuungsangebot über die Mittagszeit geben, wünschen sich Eltern.
Bild: Markus Heinrich

Wenn Grundschüler in Bad Wörishofen um 11.30 Uhr Schulschluss haben, stehen manche Familien vor einem Problem.

Die Elterninitiative Mittagsbetreuung will gemeinsam mit Kommunalpolitikern eine „Betreuungslücke an der Schule schließen“. So formulieren es die Beteiligten in einer Erklärung an die Mindelheimer Zeitung. „Etliche Eltern von Kneippstädter Grundschülern haben oder bekommen ab September ein Problem“, heißt es darin. Der Grund: „Wenn sie ihr Kind nicht in eine Ganztagesklasse geben wollen, aber auch nicht bei frühzeitigem Unterrichtsschluss abholen können, wird es schwierig.“ Eine verlässliche Betreuung nach der Schule bis 14 Uhr und die Möglichkeit zum Mittagessen sei die Wunschvorstellung der Elterninitiative. Die bestehenden Ganztagsangebote, die es an der Schule gibt, seien mit einem Ende um 16 Uhr für die Eltern zu lang, erläutert Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel (CSU), der zu den Unterstützern der Eltern gehört.

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„Schulleitung und Stadtverwaltung begegnen dem bisher zurückhaltend und verweisen auf schwierige organisatorische Rahmenbedingungen“, heißt es in der Erklärung weiter. „Wenn andere zusätzliche Räumlichkeiten zur Verfügung stünden, würde unsere Schule das sofort umsetzen“, sagte Rektor Günter Blasini dazu auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass es Bedarf gebe, sei ersichtlich, er selbst sehe es „als eine der ersten Aufgaben von uns, unsere Kinder bestmöglich zu versorgen.“ In Bad Wörishofen jedoch sei die Realisierung einer Kurzgruppe nicht möglich.

Mit der Schulleitung nicht einer Meinung

Eltern und nun auch Kommunalpolitiker sehen das anders. Als Folge hat sich um Stefan und Milena Lindenau eine Elterninitiative gebildet. „Viele Eltern wollen oder müssen halbtags arbeiten. Das geht aber nicht, wenn die Schulkinder schon um 11.30 Uhr Schulschluss haben“, schildern sie die Problematik.

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Geführte Gespräche mit der Verwaltung bezeichnet man als erfolglos. „Dies, obwohl in Eigeninitiative in den Kindergärten eine Umfrage unter den Eltern der zukünftigen Grundschüler gemacht wurde“, teilt die Initiative mit. Die Umfrage zeige den Bedarf, findet man. „Bestimmt ist dieser Bedarf noch größer, da auch bei jetzigen Schülern das Problem besteht“, ist sich Stefan Lindenau sicher. Eine Umfrage an der Schule dazu sei bisher aber trotz Bitte nicht durchgeführt worden. Blasini wiederum nennt eine Informationsveranstaltung, bei der man „ausführlich auf dieses Anliegen zu sprechen gekommen“ sei.

Lindenau setzte sich mit mehreren Stadt- und Kreisräten in Verbindung. Heraus kam eine Gesprächsrunde mit den Ratsmitgliedern Marion Böhmer-Kistler und Stefan Welzel sowie Kreisrat Jürgen Bäurle (alle CSU). Gemeinsam sammelte man Informationen und verglich die Situation mit Nachbarkommunen. „Das Ergebnis war: Eine offene Ganztagesklasse als sogenannte Kurzgruppe bis 14 Uhr ist grundsätzlich machbar“, finden die Aktiven. „Das wäre eine sinnvolle Ergänzung zum Angebot der Ganztagesklassen und dem Hort“, teilt Marion Böhmer-Kistler mit.

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Rektor Blasini sagt, das Kultusministerium verlange „geeignete Räumlichkeiten in ausreichendem Umfang“ für Ganztagesangebote. „Wir haben bereits jetzt drei Langgruppen bis 16 Uhr. Um einen geordneten Ablauf dieser Betreuung gewährleisten zu können, müssten die Kinder der Lang- und Kurzgruppen getrennt betreut werden“, schildert der Schulleiter. „Die Langgruppen werden zur Zeit ausschließlich in der ehemaligen Hausmeisterwohnung betreut. Die Kapazitätsgrenze ist dort definitiv erreicht.“ Ein weiteres Problem sei die Mittagsversorgung. „Wir bekommen auch hier aus raumtechnischen Gründen keine weiteren Kinder in die Mensa“, sagt Blasini. Die beengte Raumsituation an der Schule werde man als Gegenargument aber nicht gelten lassen, teilen Elterninitiative und Kommunalpolitiker mit. „Wir rechnen für die nächsten Jahre mit stark steigenden Schülerzahlen bei den Erstklässlern und brauchen daher ein gesamtschulisches Raumkonzept“, sagt Stefan Welzel. Einen entsprechenden Antrag wolle man im Rathaus einreichen. Welzel berichtet zudem von einem Gespräch mit Bad Wörishofens Pfarrer Andreas Hartmann. „Dieser stellte in Aussicht, hier durchaus und soweit möglich mit Räumlichkeiten aushelfen zu wollen“, teilt Welzel mit.

Ein weiterer Punkt, der gelöst werden müsse, sei die Personalsituation. Hier würden zwar von offizieller Seite Gespräche zwischen den organisatorisch Beteiligten geführt. „Das Ganze zieht sich aber doch sehr in die Länge“, bemerkt Stefan Lindenau. „Mit einem guten Personalkonzept könnte man sicher schneller zu einer Lösung bei der Betreuungslücke kommen“, ergänzt Jürgen Bäurle. Betreut werden diese Kinder an der Bad Wörishofer Schule von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi). „Der Kooperationspartner muss im Rahmen eines Kooperationsvertrags geeignetes Personal stellen“, erläutert Rektor Blasini.

Die Elterninitiative und die Arbeitsgruppe wünschen sich, dass alle Möglichkeiten der Problemlösung zeitnah ausgelotet werden. Kinder könne man nicht irgendwo „zwischenparken“ und es dürfte auch nicht so sein, dass Eltern bestraft werden, die sich nachmittags um ihr Kind selbst kümmern wollen. „Nachfrageorientierte Betreuungsangebote sind angesichts der demografischen Entwicklungen auch ein wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität unserer Stadt“, so Welzel. Es gebe ein gesamtgesellschaftliches Interesse am „Lückenschluss im Betreuungsangebot“. Zudem sei Teilzeitarbeit auf Arbeitnehmerseite wie auch bei den Arbeitgebern gefragt. (m.he, alf, mz)

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