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Mussenhausen

23.11.2019

Seit Jahrzehnten im Dienst der Mussenhausener Kirche

In der Wallfahrtskirche in Mussenhausen kennen August und Ilse Eisenschmid jeden Winkel. Schließlich haben sie sich als Mesnerpaar fast 50 Jahre um „ihr“ Gotteshaus gekümmert. Unser Bild zeigt sie in der Sakristei.
Bild: Baumberger

Seit knapp 50 Jahren kümmern sich August und Ilse Eisenschmid als Mesner um die Kirche in Mussenhausen. Wie alles begann und wann es "kriminell" wurde.

Am liebsten hätte August Eisenschmid noch weitergemacht. Nicht ewig, aber zumindest noch das eine Jahr. Dann nämlich wäre er genau 50 Jahre Mesner der Wallfahrtskirche Unserer lieben Frau vom Berge Karmel in Mussenhausen. Aber die Gesundheit hat dem 82-Jährigen in letzter Zeit halt doch zu schaffen gemacht: ein Herzinfarkt vor knapp einem Jahr, außerdem Rückenprobleme und dann ist er heuer ausgerechnet beim Patrozinium auch noch einfach umgefallen. „Ich bin gleich wieder aufgestanden“, beteuert August Eisenschmid. Aber die Pfarrgemeinde war trotzdem überzeugt, dass sie ihm das Amt des Mesners nicht mehr zumuten kann.

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Denn das erfordert durchaus Einsatz: Jeden Morgen muss die Kirche auf- und am Abend wieder abgesperrt und alle 14 Tage werk- und sonntags der Gottesdienst vorbereitet werden. Da gilt es dann die Kerzen anzuzünden und sich zu vergewissern, ob sie noch lange genug sind, damit sie nicht während der Messe ausgehen, die Mikrofone müssen funktionieren, Messbücher und -gewänder sind bereitzulegen und Kelch, Hostien, Wein und Wasser natürlich auch. Alles muss sauber und ordentlich sein – vom Messbuch bis zur Altardecke.

Mussenhausener August und Ilse Eisenschmid: Mesner aus Leidenschaft

Im Winter hat August Eisenschmid zusammen mit seiner Frau Ilse außerdem immer vor der Kirche Schnee geschippt und sogar im Dachstuhl der Kirche den Schnee von den Balken gefegt. Da stiebt es nämlich hinein. Und weil die Decke Schaden nehmen könnte, wenn der Schnee schmilzt, ist August Eisenschmid – man mag sich das wirklich kaum vorstellen – mit einem Eimer und einem Besen in den Dachstuhl geklettert, dort über die in den Anfangsjahren noch sehr schmalen Bretterstege balanciert und hat den Schnee in den Eimer gekehrt. „Das war schon fast kriminell“, gibt er lachend zu.

Seit Jahrzehnten im Dienst der Mussenhausener Kirche

Er ist eben Mesner aus Leidenschaft – obwohl er das Amt, das bis zu dessen überraschendem Tod sein Vater ausgeübt hatte, ursprünglich gar nicht übernehmen wollte. „Ich hab’ einen anderen vorgeschlagen, aber den wollte der Superior nicht“, erinnert sich August Eisenschmid. Nein, der Mönch aus dem Kapuzinerkloster, zu dem die Wallfahrtskirche gehörte, wollte ihn – und fragte eigens bei Ilse Eisenschmid um Erlaubnis. „Dann hab’ ich halt zugesagt“, sagt ihr Mann.

Vermutlich, ohne zu ahnen, dass er so lange im Amt bleiben würde, tatkräftig unterstützt von seiner Frau. Sie zeichnete in den vergangenen Jahren für den Blumenschmuck verantwortlich und hat die Blumen dafür zum großen Teil im Klostergarten selbst gezogen. Bis die verwelkten Blumen entfernt, die Vasen gewaschen und mit neuen Sträußen gefüllt waren, war schnell ein halber Tag vorbei. Trotzdem hat die 76-Jährige es wie ihr Mann gerne gemacht – auch wenn der Anfang nicht ganz einfach war, wie er sich erinnert. „Da hat man viel suchen müssen und manches nicht gewusst.“ Zwar hatte er seinem Vater öfter geholfen und war als Kind auch Ministrant gewesen, aber dass die Ministranten rot tragen, wenn im Direktorium weiß steht, einem Buch, in dem man nachschauen kann, welche Lesung und welches Evangelium an welchem Tag dran sind – das muss man wissen. Oder auch, welches Tuch auf welchen Altar gehört. „Das war ja nicht angeschrieben, das hat man ausprobieren müssen.“

Mussenhausener Mesner August und Ilse Eisenschmid haben viel erlebt

In den vielen Jahren als Mesner hat August Eisenschmid etliche Pater und Pfarrer kennengelernt. „Jeder hat eigene Wünsche. Da muss man drauf eingehen.“ Der eine will zum Beispiel ein Bild am Altar, der andere auf keinen Fall. „Man ist der Diener des Pfarrers, nicht der Herrscher. Da kann man nicht viel anschaffen.“ Stattdessen ist Arbeit angesagt: Vor allem bei besonderen Gottesdiensten wie etwa dem 40. Priesterjubiläum von Pfarrer Andreas Scheitle, der dafür 1980 die Regensburger Domspatzen nach Mussenhausen holte. Oder 1994 als dort 300 Jahre Kirchweih gefeiert wurden. 2009 kam Bischof Walter Mixa zum Abschluss der Kirchenrenovierung, 2013 weihte Weihbischof Florian Wörner den neuen Volksaltar ein und beim 100. Jubiläum der Schwestern in Mussenhausen standen zehn Priester am Altar. „Das hat einiges gebraucht zum Herrichten“, sagt Eisenschmid, der so manche Renovierung mitgemacht hat und lachend sagt: „Bischöfe hab’ ich genug dagehabt.“

Für ihn und seine Frau ist der Sonntagsgottesdienst unverzichtbar. Auch als die vier Töchter noch klein waren, haben sie keinen versäumt: Ilse Eisenschmid ging dann eben schon morgens um sieben zur Messe, ihr Mann, wenn sie wieder zuhause war. Beiden ist klar, dass sie damit heute eher die Ausnahme sind. Viele Messen oder die früher übliche Lichterprozession am Patrozinium gibt es nicht mehr, eigene Ministranten auch nicht. Aber immerhin haben sich – auch wenn es eine „schwierige Geburt“ gewesen sei – zwei Nachfolger für die langjährigen Mesner gefunden, nämlich Melchior Schiegg und Franz Betrich. Und so ganz scheidet August Eisenschmid ja dann auch nicht aus dem Kirchendienst aus: Er ist nach wie vor als Lektor tätig und würde gerne auch weiterhin Kirchenführungen anbieten.

Am Christkönig-Sonntag, 24. November, werden August und Ilse Eisenschmid um 10 Uhr im Gottesdienst in Mussenhausen verabschiedet.

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