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Loppenhausen

16.06.2019

Sie liefen mit dem 25-Kilo-Atemschutz in den 39. Stock

Die 37-jährige Tanja Grünwald (rechts) und ihre 20-jährige Feuerwehrfreundin Eva Frey haben sich heuer beim außergewöhnlichen Wettkampf in Berlin, dem „Firefighter Stairrun“, angemeldet und mitgemacht.
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Die 37-jährige Tanja Grünwald (rechts) und ihre 20-jährige Feuerwehrfreundin Eva Frey haben sich heuer beim außergewöhnlichen Wettkampf in Berlin, dem „Firefighter Stairrun“, angemeldet und mitgemacht.

Plus Für die Feuerwehrfrauen Eva Frey und Tanja Grünwald aus Loppenhausen ging es steil bergauf: Sie waren beim legendären „Firefighter Stairrun“ in Berlin.

In kürzester Zeit 39 Etagen, 770 Stufen hochrennen mit 25 Kilogramm Gewicht auf dem Rücken – was für andere schier unmöglich erscheint, ist bei Feuerwehrlern eine der größten Wettkampf-Herausforderung: Der „Firefighter Stairrun“ in Berlin, findet im Berliner Hotel-Hochhaus des „Park Inn“ statt und heuer waren erstmals zwei Teilnehmerinnen aus Loppenhausen dabei. Eva Frey und Tanja Grünwald haben sich dieser Herausforderung gestellt und das Event in der Hauptstadt hautnah miterlebt.

Die beiden haben sich im März ganz spontan für diesen besonderen Wettbewerb angemeldet und das, obwohl sie noch gar nicht so lange bei der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort aktiv sind. Bei insgesamt 41 Aktiven ist die Frauenquote eher mau, doch die zwei Mädels mischen die 39 Jungs gehörig auf. Man könnte sie auch als „Powerfrauen“ betiteln, denn was sie in Berlin leisten mussten, ist absoluter Hochleistungssport und mit einer ganzen Menge Training verbunden. „Wir zwei haben aber schon den größten Trainingskaltstart hingelegt“, erzählt Tanja Grünwald mit einem Schmunzeln. Denn richtig trainieren konnten sie erst Anfang April. Eva war zuvor noch in London als Au-pair unterwegs und Tanja hatte die Grippe niedergestreckt.

Der Treppenlauf war erst ein Scherz, doch dann wurde er für die Loppenhausenerinnen ernst

Als Eva vor zwei Jahren zur Feuerwehr nach Loppenhausen kam, war sie die einzige Frau in der Truppe und als Tanja dann nach einigen Monaten dazukam, war Evas erster Gedanke: „Ja cool, jetzt sind wir zu zweit, dann können wir doch gleich beim Treppenlauf in Berlin mitmachen“, erzählt sie heute. Was anfangs noch als purer Jux und Schnapsidee abgestempelt wurde, wurde dann schnell Ernst.

„Die Aufnahme ist sehr schwierig, da die Plätze sehr begrenzt sind. Innerhalb einer Minute waren im Internet alle Startplätze weg“, sagt Tanja. Nach der Anmeldung übers Internet, sind sie zuerst auf eine Warteliste gekommen und haben sich dann keine großen Chancen mehr ausgerechnet. „Doch plötzlich haben wir erfahren, dass wir dabei sind“, sagen sie heute noch mit leuchtenden Augen.

Der Feuerwehrwettkampf, der ursprünglich aus Amerika kommt, ist der größte in Europa. Dreizehn Nationen sind dabei. Da in den Großstädten der USA viele Hochhäuser stehen und bei einem ernsthaften Brand die Aufzüge ausfallen, sind die amerikanischen Feuerwehrleute oft gefordert, viele Treppen in kürzester Zeit zu überwinden. „Daraus hat sich dann irgendwann der Wettkampf unter den Floriansjüngern ergeben.“ In voller Montur jagen die Teilnehmer in Berlin mit Atemschutzausrüstung 770 Stufen hoch. Dabei bezwingen sie etwa 110 Höhenmeter.

Die beiden Feuerwehrfrauen trainierten sehr hart für den "Firefighter Stairrun"

Um für diesen harten Wettkampf gerüstet zu sein, trainierten die beiden 20- und 37-Jährigen wöchentlich sehr hart. Die letzten Wochen rannten sie in kompletter Ausrüstung vom Loppenhauser Feuerwehrhaus los und den Boschhornhügel hoch und wieder runter – und das nicht nur einmal. Dabei haben sie auch eine ganze Menge Sauerstoffflaschen verbraucht, was beim Anblick der leeren Flaschen auf dem Tisch im Feuerwehrhaus deutlich wird. Zudem müssen für den Ernstfall immer vier Flaschen auf Reserve vor Ort sein. „Ohne die Hilfe vom Landkreis, den Feuerwehrkollegen aus Babenhausen und Breitenbrunn wäre das logistisch nicht möglich gewesen“, sagt Kommandant Jörg Viehweger. Die Kameraden haben für die Mädels extra Flaschen ausgeliehen. „Ich bin auf die ganze Truppe stolz, aber natürlich auf die zwei Mädchen besonders“, sagt er strahlend. Dass sie dabei erst vor wenigen Jahren ihre Liebe zur Feuerwehr gefunden haben, macht das Ganze noch erstaunlicher.

Tägliches Krafttraining war nötig und einige Wochen vor Berlin gab es unter der Leitung von Stefan Elmer eine erste Übung im Augsburger Hotelturm zu absolvieren. Dabei mussten die Feuerwehrler 550 Stufen mit komplettem Atemschutz meistern. Wie schnell so eine Sauerstoffflasche leer wird, hängt von vielen Faktoren ab. „Frauen verbrauchen in der Regel weniger Luft“, erzählt Viehweger.

Erst letztes Jahr im Oktober nahmen Tanja und Eva am Atemschutzlehrgang des Landkreises in Mindelheim teil. „Ein super Lehrgang mit Atemschutz-Fachbereichsleiter Lothar Raffler. Das hat uns schon richtig heiß gemacht“, loben sie und werben gleichzeitig für dieses Hobby. „Jeder kann in irgendeiner Funktion bei der Feuerwehr mitmachen. Auch Funker werden immer gesucht“, sagt Eva voller Überzeugung. Denn um Atemschutzgeräteträger zu werden, muss man doch einige Voraussetzungen mitbringen und sich ärztlich untersuchen lassen. Die Wehr in Loppenhausen darf sich über zwölf Atemschutzgeräteträger freuen.

Daneben sehen sich Eva Frey und Tanja Grünwald als Botschafterinnen, um auch Frauen für die Feuerwehr zu begeistern. Tanja, die gebürtig aus Apfeltrach stammt, wollte schon als Kind zur Feuerwehr und hat sich dann mit 35 Jahren endlich den Ruck gegeben und den Schritt nie bereut. Als Eva Frey von ihrem Au-pair-Job zurückkam, hatte sie ein gemeinsames Hobby mit ihrem Bruder gesucht und dabei blieb nur die Feuerwehr. „Es macht einfach tierisch Spaß dabei zu sein. Wir sind eine super Truppe und tun dabei auch noch etwas Gutes.“

Die Beste beim Berliner Treppenlauf brauchte nur 6,16 Minuten für die 770 Stufen

Beim Stairrun haben sich Tanja und Eva dann ganz wacker geschlagen. 15,25 Minuten haben sie unter ihrem Pseudonym „Löschzwerge“ gebraucht. Dass sie dabei bei 800 Teilnehmern, also 400 Teams, eher einen der hinteren Plätze belegten, stört sie weniger. „Dabei sein ist alles und es war eine wahnsinnig tolle Erfahrung“, sagen die beiden ganz begeistert.

Der Bestplatzierte war in 6,16 Minuten 770 Stufen hochgerannt. „In jedem Stockwerk waren Helfer und sogar Cheerleader zum Anfeuern. Es war einfach grandios“, erzählt Tanja. 20 Teams wurden disqualifiziert und manch andere kamen gerade so ans Ziel, denen es oft nicht mehr so gut ging. Wadenkrämpfe, Kreislauf- oder Atemprobleme setzte doch manchem ziemlich zu.

14 Damenteams waren übrigens dabei und im nächsten Jahr dürfen die zwei Loppenhauserinnen wiederkommen, denn der Veranstaltungsleiter Martin Teucher hat sie gleich wieder eingeladen. „Da sind wir dann auf jeden Fall dabei. Aber dann wird vorher mehr trainiert“, sagt die 37-jährige Tanja und das Leuchten in ihren Augen ist nicht übersehbar.

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