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Stockheim

20.04.2020

Sie liefern den Rasen für Profikicker

Die Firma Eurosports Turf mit Hauptsitz in Igling liefert Rollrasen an Profifußballklubs. Mark Trübenbacher (Managing Director) und Dominic Fenkl (Leiter Vertrieb und Marketing, rechts) haben rund 60 Mitarbeiter.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Die Firma Eurosports Turf gehört mittlerweile zu den Marktführern. Der Sportstopp in der Corona-Krise trifft das Unternehmen hart. So geht es weiter.

Der Fußball ist der Lieblingssport der Deutschen und ein Geschäftsfeld, in dem Milliarden Euro umgesetzt werden. Von der Begeisterung profitieren auch Experten aus Bad Wörishofen. Die Firma Eurosports Turf mit Sitz in Igling arbeitet mit vielen Profiklubs zusammen, wenn es um das Thema Rasen oder den Bau von Sportanlagen geht. Die Unterbrechung des Spielbetriebs wegen des Coronavirus hat aber gravierende Auswirkungen auf die Unternehmen.

Die Profifußballklubs hoffen, dass die Saison doch noch weiterlaufen kann. Was den Verantwortlichen der Liga einen gewissen Handlungsspielraum verschafft, ist die Verschiebung der Europameisterschaft um ein Jahr auf Juni 2021. Für das Iglinger Unternehmen stellt es einen herben Schlag dar, wie Geschäftsführer Mark Trübenbacher darlegt. „Wir sind ein saisonal arbeitender Betrieb. Die Sommerpause ist für uns sehr wichtig und jetzt wird das Saisonende weit nach hinten verlagert. Alle Aufträge, die wir hatten, wurden wegen der ungewissen Situation gestoppt.“

Wegen der Corona-Krise müssen die Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen

Für sein Unternehmen mit 60 Mitarbeitern bedeute das, dass nun sechs bis acht Monate Kurzarbeit folgen werden. Er hoffe, dass dann zumindest beim Bau von neuen Trainingsplätzen wieder Aufträge kommen. Bestehende Rasenflächen, die fürs Training oder Spiele benötigt würden, könnten aber erst während der Europameisterschaft 2021 wieder bearbeitet werden, so der 40-Jährige. „Es schmerzt, aber ich denke, wir werden es überstehen, weil wir gesund aufgestellt sind.“

Mark Trübenbacher ist gelernter Landmaschinentechniker. Seine Familie hatte einst mit einem kleinen Fahrradgeschäft in Stockheim bei Bad Wörishofen begonnen. Auch der Radladen Fahrbar in Landsberg gehört zum Unternehmen. Die Firma baute über die Jahre weitere Standbeine auf, verkaufte Landmaschinen und Produkte zur Rasenpflege. Dort war auch Mark Trübenbacher eingebunden, bevor er sich selbstständig machte. „Irgendwann sind wir dann in den Leistungssport reingekommen. Inzwischen gibt es in den ersten drei Ligen in Deutschland nur noch wenige Teams, die uns noch nicht kontaktiert haben.“ Er gründete 2011 die Firmen Rasenwelt, die sich um Golf und Rasenpflege kümmert, und Eurosports Turf für den Sportstättenbau. Hinzu kam noch eine Tochterfirma, die Systeme für Wachstumsbeleuchtung anbietet.

Der Rasen muss unter allen Bedingungen funktionieren und soll bis zu 15 Jahre halten

Die Iglinger haben unter anderem schon für den Hamburger SV, 1860 München, den FC Bayern München, den FC Barcelona und Besiktas Istanbul gearbeitet. Sie schaffen die Infrastruktur für die Profis und die Nachwuchsleistungszentren. Die Arbeit in den Stadien selbst ist laut Dominic Fenkl, Leiter Vertrieb und Marketing, eine Herausforderung. „Die modernen Arenen sind für die Fans errichtet worden. Beim Stadionbau wurde häufig alles getan, damit der Rasen nicht vernünftig wachsen kann. Das fängt beim Licht an, geht weiter über die Luftzirkulation bis hin zu Konzerten, die auf den Rasenflächen stattfinden.“

Genau das sei die Herausforderung, ergänzt Trübenbacher. Der Naturrasen müsse unter allen Bedingungen funktionieren. Deswegen agiere man in einer „hochtechnologisierten Branche“. Ihr Wissen haben die beiden, die sich aus gemeinsamen Zeiten beim FC Bad Wörishofen kennen, in England gesammelt und nach Deutschland transferiert. Ihr Ansatz lautet, den Rasen durch gezielte Maßnahmen und Pflege so zu verstärken, dass er zehn bis 15 Jahre hält. Als sie 2011 mit dem Thema an die Profivereine in Deutschland herantraten, waren die Möglichkeiten weitgehend unbekannt. „Die Bilder von früher kennen sicher viele, als sich Fans ein Stück Rasen aus dem Spielfeld gerissen und mitgenommen haben, das ist mit unserem verstärkten Rasen Geschichte“, sagt Trübenbacher.

Und der Rasen, den die Iglinger verkaufen, hat laut Fenkl noch weitere Vorteile. Dieser sei stabiler und ebener als der früher verwendete Rollrasen.

In Deutschland gibt es nur noch einen größeren Mitbewerber

„Für die Profis ist es bei dem hohen Tempo, das heute gespielt wird, entscheidend, dass sie bei jeder Witterung und über die Saison hinweg genau wissen, dass der Ball bei der jeweiligen Bewegung immer dasselbe machen wird.“ Ihr erster Kunde, der bereit gewesen ist, diese Art von Rasen zu nutzen, war im Jahr 2011 die TSG Hoffenheim. Inzwischen gehöre Eurosports Turf zu den vier größten europäischen Firmen in dem Bereich. In Deutschland gebe es noch einen weiteren größeren Mitbewerber.

Das Unternehmen betreibt an seinem Standort in den Niederlanden auch Forschung, unter anderem dazu, wie sich der Klimawandel auf den Rasen auswirkt und wie neue schädliche Pilze bekämpft werden können. An vier Standorten, darunter Wien und Igling, hat die Firma auf insgesamt zehn Hektar Rasen angebaut. Der wächst mindestens zwölf Monate, bevor er verkauft wird. Veräußert werden auch Teilstücke, die besonders beansprucht werden und deswegen öfter getauscht werden müssen (Strafraum und der Bereich rund um die Mittellinie). Ein kompletter Rasen kostet etwa 150000 Euro.

Dass der Firmensitz seit eineinhalb Jahren im Iglinger Schloss liegt, hängt mit mehreren Faktoren zusammen, so Mark Trübenbacher. 2016 sei die Frage aufgekommen, wo sie ihre Produkte langfristig herstellen und vertreiben und zugleich einen repräsentativen Firmensitz finden können. Das nächste Großereignis, bei dem Profis auf dem Rasen der Iglinger Firma auflaufen sollen, ist die Fußballweltmeisterschaft 2026 in den USA.

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