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Tussenhausen

13.12.2019

So soll Tussenhausens Bürgermeister Ruf gestürzt werden

Im Marktgemeinderat von Tussenhausen herrscht derzeit eisige Stimmung. Grund dafür ist die Nominierungsversammlung der Freien Wählergruppe Zaisertshofen: Dort wurde überraschend Edgar Putz als Bürgermeisterkandidat auserkoren und nicht, wie erwartet, Amtsinhaber Johannes Ruf.
Bild: Hartmann

Plus Statt Bürgermeister Ruf wird ein Überraschungskandidat für die Wahl in Tussenhausen nominiert. Die Aktion ist lange geplant. Mit dabei: ein bekannter Politiker.

Seit 2008 ist Johannes Ruf Bürgermeister der Marktgemeinde Tussenhausen. Bei den beiden Kommunalwahlen wurde er jeweils von der Freien Wählergruppe Zaisertshofen nominiert. Viel deutete also darauf hin, dass dies bei der Nominierungsversammlung an diesem Donnerstagabend zum dritten Mal der Fall sein würde. Doch es kam alles anders: Gerade einmal 45 von 103 Stimmen entfielen auf den Amtsinhaber aus Zaisertshofen. 57 Stimmen bekam dagegen ein Überraschungskandidat. Hinter seinem Triumph steckt ein lang gehegter Plan.

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Dass an diesem Abend in Zaisertshofen etwas Außergewöhnliches geschehen würde, darauf deutete bereits die außergewöhnlich große Teilnahme an der Nominierungsversammlung hin. Gegner des bisherigen Bürgermeisters Johannes Ruf, darunter Bürger und Gemeinderäte aus Zaisertshofen und Tussenhausen, hatten erfolgreich mobilisiert. Ihre Suche nach einem neuen Bürgermeisterkandidaten begann schon vor Monaten. Da die Gruppierung aber lange Zeit nur Absagen erhielt, wendete sie sich an den Landtagsabgeordneten und ehemaligen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer. Ihr Anliegen: ein geeigneter Kandidat, der Johannes Ruf das Amt als Bürgermeister streitig machen sollte. So bestätigt es Gerhard Groos, Marktgemeinderat aus Zaisertshofen.

Vor Wahl in Tussenhausen: Treffen im Büro von Franz Josef Pschierer?

Seinen Angaben zufolge fand am Donnerstagvormittag, und damit nur wenige Stunden vor der Nominierungsversammlung in Zaisertshofen, ein Treffen im Büro von Franz Josef Pschierer statt. Mit dabei: er selbst, Franz Josef Pschierer, zwei Bürger aus Zaisertshofen – und Edgar Putz. Nach drei Stunden hätten sich die Beteiligten darauf geeinigt, Putz als Bürgermeisterkandidaten bei der Nominierungsversammlung vorzuschlagen. „Ohne Herrn Pschierer wären wir wahrscheinlich ohne Kandidaten dagestanden“, sagt Groos. Pschierer selbst bestätigt, von Leuten aus Zaisertshofen nach einem geeigneten Kandidaten angesprochen worden zu sein. Auch habe er mögliche Namen genannt, die als Bürgermeister-Kandidaten infrage kämen. Ein Treffen am Donnerstagvormittag in seinem Büro wollte er aber „weder bestätigen noch dementieren“.

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Edgar Putz

Fest steht: Die Bemühungen, Johannes Ruf als Kandidaten der Freien Wählergruppe zu verhindern, waren erfolgreich. Wie weit die Gruppierung aber bereit war zu gehen, um dem amtierenden Bürgermeister zu schaden, zeigen Vorgänge von vor wenigen Tagen. Vier Marktgemeinderäte, Karl Riegg, Alois Baur, Bernd Linke und Gerhard Groos, beantragten am Montag eine Sondersitzung des Marktgemeinderats – zu einem Zeitpunkt also, an dem Edgar Putz als Kandidat noch nicht feststand.

Gruppe in Zaisertshofen verhindert Nominierung von Johannes Ruf

In der Sitzung am Sonntag sollte darüber entschieden werden, ob das Bürgermeisteramt in Tussenhausen künftig ehrenamtlich anstatt wie bisher hauptamtlich ausgeführt wird. Das Kalkül: Falls Johannes Ruf Bürgermeister bleiben sollte, wäre er dann „nur“ noch ehrenamtlich tätig. Dieses Gedankenspiel war mit dem überraschenden Verlauf der Nominierungsversammlung in Zaisertshofen aber vorerst hinfällig. Die Konsequenz: Noch am Freitag zog eines der vier Gemeinderatsmitglieder den Antrag im Tussenhausener Ratshaus zurück.

Johannes Ruf

„Wenn Herr Ruf weitergemacht hätte, hätten wir vorgeschlagen, dass er es ehrenamtlich macht“, bestätigt Marktgemeinderat Gerhard Groos. „Der neue Kandidat will hauptamtlicher Bürgermeister sein. Deshalb haben wir den Antrag zurückgezogen.“ Nach MZ-Informationen findet die Sitzung allein aus formaljuristischen Gründen dennoch statt.

Bürgermeisterkandidat Edgar Putz ist "überrascht", Ruf "enttäuscht"

Edgar Putz, der im Landratsamt Unterallgäu die Kommunale Abfallwirtschaft leitet und seit drei Jahren in Tussenhausen lebt, zeigte sich auf MZ-Anfrage „überrascht“ über den Ausgang der Nominierungsversammlung. Eine Gruppe von mehreren Zaisertshofenern sei kurzfristig an ihn herangetreten. Wie die Mehrheit für ihn organisiert worden sei, wisse er nicht. Er müsse sich jetzt mit der neuen Situation vertraut machen, wolle in der Marktgemeinde aber Themen wie Infrastruktur, medizinische Versorgung und Mobilität aufgreifen.

Amtsinhaber Johannes Ruf sagte, er sei „sehr enttäuscht“ über das Ergebnis. „Verlieren ist nie schön – ein Heimspiel zu verlieren, ist aber doppelt schwer. Trotzdem respektiere ich das Ergebnis natürlich, so ist die Demokratie einfach.“ Ob der 55-Jährige nun vorhat, sich in einem anderen Ortsteil nominieren zu lassen, um doch noch im Amt zu bleiben? „Ich warte und schaue, ob jemand auf mich zukommt. Momentan ist noch nichts vorbei.“

Den Kommentar unseres Autors zu den Geschehnissen in Tussenhausen lesen Sie hier:

Bürgermeisterwahl: Tussenhausener Intrigantenstadel

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