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Verkehr

07.04.2018

So starten Unterallgäuer sicher in die Motorradsaison

Das Frühlingswetter lockt nun auch wieder die Motorradfahrer auf die Straßen. Damit die erste Ausfahrt nicht Krankenhaus endet und die Biker auch danach sicher unterwegs sind, sollten sie die Tipps der Polizei und von Fahrlehrer Manfred Schmid beherzigen.

Die Polizei und Fahrlehrer Manfred Schmid geben Motorradfahrern und Autofahrern Tipps für eine gute Fahrt

Temperaturen von voraussichtlich über 20 Grad werden an diesem Wochenende sicher nicht nur Spaziergänger, Freizeitsportler und Sonnenanbeter ins Freie locken. Auch viele Motorradfahrer warten schon sehnsüchtig darauf, endlich die diesjährige Zweiradsaison eröffnen zu können.

Bei aller Vorfreude sollten sie sich nach einer in vielen Fällen rund sechsmonatigen Pause aber nicht unvorbereitet auf ihre Motorräder schwingen, rät die Mindelheimer Polizei mit Blick auf die Unfallzahlen: An den 3672 Verkehrsunfällen, die sich im vergangenen Jahr im Unterallgäu ereignet haben, waren auch 50 Motorradfahrer beteiligt. Bei 46 dieser Unfälle gab es Verletzte, drei Motorradfahrer starben.

Laut der Prüfgesellschaft Dekra steigt im April die Zahl der verunglückten Motorradfahrer jedes Jahr drastisch an, im Mai und im Spätsommer erreicht sie dann ihren Höchststand. Auch im Unterallgäu hat sich im vergangenen Mai ein Unfall ereignet, der für zwei Frauen tödlich endete: Auf der Staatsstraße zwischen Pfaffenhausen und Kirchheim hatte eine Autofahrerin an der Kreuzung Richtung Bronnen und Schöneberg wie berichtet einer Motorradfahrerin die Vorfahrt genommen

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Körper, Geist und Maschine müssen fit sein

Selbst wenn solch tragische Unfälle auch mit der besten Vorbereitung nicht zu verhindern sind, ist sie in den Augen von Manfred Schmid von der Fahrschule Gleich in Mindelheim unverzichtbar. „Es müssen beide Teile fit sein: Körper und Geist. Und das Motorrad natürlich auch“, sagt er. Sonst kann der Start in die Saison schnell im Krankenhaus enden.

Wer nach einem halben Jahr Pause wieder auf die Maschine steigt, sollte vorher unbedingt kontrollieren, ob Licht, Bremslicht und Bremse funktionieren und die Reifen in Ordnung sind. Ihr Profil sollte mindestens drei Millimeter tief sein und sie sollten höchstens sechs Jahre alt sein. Zeigen sie Risse oder Beulen oder sind abgefahren, ist es Zeit für einen Wechsel. Weil die Reifen die einzige Verbindung zwischen dem Motorrad und der Straße sind, ist der richtige Reifendruck besonders wichtig. Hängt die Kette mehr als zwei Finger breit durch, muss sie gespannt werden. Sie sollte außerdem gereinigt und gefettet werden. Außerdem sollten die Biker kontrollieren, ob genügend Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit in der Maschine sind.

Und auch ein kritischer Blick auf die Schutzkleidung, die im Fall eines Sturzes oft Schlimmeres verhindern kann, ist empfehlenswert: Passt die Kombi noch? Ist das Visier des Helms, der möglichst nicht älter als fünf Jahre sein sollte, sauber und nicht zerkratzt? Im Idealfall verfügt die Schutzkleidung zudem über reflektierende Einsätze: „Da gilt der Leitspruch: Sehen und gesehen werden, damit man auch für andere gut erkennbar ist“, sagt Schmid. Nicht selten nämlich kommt es zu Unfällen, weil die Biker von Autofahrern schlicht übersehen wurden. Auch sie müssen sich erst Eine Warnweste über die Motorradjacke zu ziehen, hält Schmid allerdings nicht für sinnvoll. Sie sollte weiterhin dem Pannenfall vorbehalten sein.

Anfangs ist Zurückhaltung angesagt

Wenn Maschine und Fahrer dann startklar sind, sollten die Biker, es zunächst einmal langsam angehen lassen und sich schrittweise an größere Schräglagen in Kurven herantasten. Und auch bei der Dauer der Fahrt ist Zurückhaltung angesagt: „Bei der ersten Fahrt sollte man nicht gleich eine ganze Tagestour einplanen, sondern lieber nur ein bis maximal zwei Stunden fahren, damit man sich langsam wieder daran gewöhnt. Denn nach zwei Stunden wird’s auf jeden Fall anstrengend“, weiß Schmid aus eigener Erfahrung.

Er legt außerdem auch erfahrenen Motorradfahrern ans Herz, unbedingt an einem Fahrsicherheitstraining teilzunehmen, um ihre Kenntnisse wieder aufzufrischen, sich wieder mit ihrer Maschine vertraut zu machen und vielleicht auch den einen oder anderen neuen Trick zu lernen. Die Biker trainieren darin unter anderem die Schräglage, das richtige Bremsen und auch das Ausweichen.

Das kann gerade jetzt im Frühjahr wichtig sein. „Denn es beginnt jetzt ja nicht nur die Motorradsaison, auch in der Landwirtschaft geht’s wieder los“, so Schmid. Für Motorradfahrer bedeutet das, dass sie gerade an übersichtlichen Stellen jederzeit damit rechnen müssen, dass plötzlich ein langsameres Gefährt vor ihnen auftaucht. Auch die Polizei empfiehlt, defensiv zu fahren und immer mit den Fehlern anderer zu rechnen. Um die Motorradfahrer daran zu erinnern, mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren, hat sie für die kommenden Wochen Geschwindigkeitsmessungen angekündigt. Schließlich sie überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptunfallursachen.

Eine andere ist nach Ansicht von Schmid, „dass viel zu wenig Rücksicht aufeinander genommen wird. Keiner bremst für den anderen.“ Und zwar egal ob Motorrad-, Lastwagen- oder Autofahrer. „Letztere sollten am besten eine Art siebten Sinn entwickeln: ,Da könnte einer entgegenkommen.‘ Denn es gibt ja nicht nur anständige Motorradfahrer“, sagt Schmid und ruft zu einem „partnerschaftlichen Verhalten im Straßenverkehr auf“.

Biker, die all diese Tipps beherzigen, haben beste Chancen auf eine gute Fahrt. Und wer auf noch mehr Schutz setzen möchte, der kann ja die Motorradsegnung an diesem Sonntag, 8. April, auf dem Übungsgelände der Fahrschule Gleich in Altensteig besuchen. Die Andacht beginnt um 11 Uhr.

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