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Unterallgäu

18.07.2019

So teuer ist das Wohnen im Unterallgäu

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Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllen will, muss in Bad Wörishofen und im Rest des Unterallgäus meist tief in die Tasche greifen. Für manche Bürger ist aber bereits eine Mietwohnung in den größten und beliebtesten Gemeinden unerschwinglich.
Bild: Marcus Merk

Nicht nur in Bad Wörishofen können sich weniger Wohlhabende Wohnraum mitunter nicht mehr leisten. Wie die Bürgermeister im Landkreis das Problem lösen wollen.

Bezahlbarer Wohnraum ist nicht nur in Bad Wörishofen knapp. In allen 52 Kommunen im Unterallgäu gibt es Probleme. Das wurde bei der Bürgermeister-Dienstbesprechung im Bad Wörishofer Kursaal deutlich. Besonders groß ist die Nachfrage in Bad Wörishofen, in Mindelheim, in Bad Grönenbach und in Kirchheim. Menschen, die knapp bei Kasse sind, haben dort oft das Nachsehen. Doch wie der Wohnraumnot und den explodierenden Mieten wirksam begegnen?

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Martin Osterrieder gründete einen kleinen Arbeitskreis, der sich mit dem Megathema „Wohnungssuche“ eingehend beschäftigte. Mit der Idee des Benninger Bürgermeisters konnten sich auch seine Kollegen anfreunden. Er schlug angesichts drängenden Handlungsbedarfs vor, die Landkreiswohnungsbau sollte als Tochter eine Dienstleistungsgesellschaft mit Beteiligung der Gemeinden gründen, die eine Rundumversorgung anbietet. „Bei diesem Modell ist der finanzielle Aufwand überschaubar“, sagte Osterrieder.

Ein Vorschlag aus Benningen stößt auf Gegenliebe

Bei den Rathauschefs und vor allem bei Robert Sturm aus Ettringen stieß Osterrieders Vorschlag auf Gegenliebe. Der Ettringer Bürgermeister berichtete in diesem Zusammenhang von seinen guten Erfahrungen mit der Wohn-Baugesellschaft Mindelheim. In Ettringen entsteht derzeit die neue „Soziale Mitte“. Nachgedacht wurde schließlich über ein weiteres Modell mit Aussicht auf Erfolg. Die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim legt einen Immobilienfonds auf, aus dem sich die Gemeinden je nach Bedarf bedienen können

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Landrat Hans-Joachim Weirather betonte, es gelte vor allem die Balance zwischen hochpreisigem Wohnungsbau und bezahlbaren „vier Wänden“ zu halten. Mit Nachdruck appellierte er an die Bürgermeister, bei der Ausweisung neuen Baulandes darauf zu achten, dass die Ortskerne nicht aussterben oder veröden. Sie mit neuem Leben zu erfüllen, sei eine wichtige Aufgabe der Kommunen, machte er deutlich. Stefan Kienle, der Büroleiter des Landrates, zitierte aus einer Studie der Allgäu GmbH.

Danach beträgt die Durchschnittsmiete im Kreis 8,50 Euro pro Quadratmeter bei Neubauten und bei bestehenden Gebäuden sieben Euro. Die Studie geht angesichts der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren von einer leichten Entspannung bei den Mieten aus. Nach einer ergänzenden Umfrage bei den Gemeinden im Unterallgäu stehen derzeit 37,22 Hektar Bauland (so groß wie 53 Fußballfelder) zur Verfügung. Laut Kienle ist auch in den nächsten drei Jahren mit einer Bereitstellung von weiteren 88 Hektar zu rechnen. Wohnen im Unterallgäu kann man von 2,50 bis zu 16 Euro pro Quadratmeter Kosten.

Es geht auch um die Frage, wie die nötigen Kinderbetreuungsplätze verfügbar werden

Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka nutzte die Gelegenheit, seine Kollegen mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des „liebenswerten Kurortes mit dem Mehrwert der Kneippkur“ vertraut zu machen. Ein gesundes Wachstum, so Gruschka, stelle die größte Stadt des Landkreises vor immer neue Aufgaben. Angesichts vermehrter Zuzüge wie auch steigender Geburtenzahlen mangelt es in einigen Gemeinden an Betreuungsplätzen in den Kitas und Krippen.

Darauf wiesen Manja Sailer und Saskia Nitsche vom Kreisjugendamt hin und machten die Bürgermeister darauf aufmerksam, dass Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung haben.

Die beiden Fachberaterinnen forderten im Interesse der Eltern und zur Erfüllung ihres Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz einen Ausbau der Kindertagesstätten ein. Auch bei der Planung neuer Baugebiete sei ein Mehrbedarf an Krippen und Kita-Plätzen zu berücksichtigen.

Die Tagesbetreuung des Nachwuchses, so die beiden Referentinnen, sei eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Nichterfüllung könne zu Klagen und zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen führen. Für Ettringens Bürgermeister Robert Sturm ist die Suche nach geeigneten Fachkräften für die Betreuung der Kinder ein weit größeres Problem als die Schaffung von zusätzlichen Räumlichkeiten. Sein Kollege Peter Wachler aus Markt Wald pflichtete ihm bei.“ Bei drei Ausschreibungen für viel Geld haben sich in Markt Wald lediglich zwei Bewerber gemeldet“, klagte er und berichtete: „Wir mussten Gruppen vergrößern, weil sich keine Erzieherinnen fanden“.

Für Bürgermeister Josef Kerler aus Eppishausen ist es ein Unding, dass bereits 80 Prozent aller Fördermittel für Baumaßnahmen seit Monaten ausgeschöpft sind, während die Antragsfrist noch weiter läuft. Bürgermeister Stephan Winter aus Mindelheim bemerkte erklärend, Ministerpräsident Markus Söder habe das Förderprogramm für Kitas um ein Jahr verlängert.

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