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Salgen

19.02.2019

Sozialprojekt in Salgen kann an den Start gehen

So soll der heute leer stehende Gasthof „Löwen“ schon im kommenden Jahr aussehen: In dem Haus werden elf Mieter einziehen, die alle dasselbe Schicksal teilen: Sie leiden unter Demenz. Betreut werden die Menschen von Ehrenamtlichen und einem Pflegedienst.

Plus Elf Demenzkranke sollen von Herbst 2020 an in Salgen versorgt. Mit dem Umbau des leer stehenden Gasthofs „Löwen“ soll schon im Sommer begonnen werden.

Was tun mit einem leer stehenden Wirtshaus mitten im Dorf? Verfallen lassen, verkaufen, Wohnungen einbauen oder etwas ganz anderes daraus machen? Roman Ohneberg aus Zaisertshofen stand vor acht Jahren genau vor dieser Frage. Seine Eltern hatten die Gaststätte „Zum Löwen“ in Salgen betrieben, aus Altersgründen aber aufgehört. Ohneberg hatte von Anfang an eine klare Vorstellung davon, was er mit dem Gebäude schaffen will: Es sollte ein Sozialprojekt für ältere Menschen aus der näheren Umgebung werden.

Dabei war immer klar: Nicht er will das betreiben, sondern ein gemeinnütziger Verein. Jetzt sind offenbar alle Hürden überwunden, so dass heuer im Sommer mit dem Umbau begonnen werden kann.

Demenz ist längst zu einer Volksgeißel geworden. Auf dem Dorf galt eine Alzheimer- oder Demenzerkrankung lange Zeit als Makel. Zumindest der Umgang mit der Krankheit hat sich inzwischen geändert. Heute ist allgemein verstanden, dass geistiger Verfall ein Massenphänomen ist. In jedem Dorf gibt es Betroffene. Wie aber hilft man diesen Menschen am besten?

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Der Salgener hat in der Familie erlebt, was Demenz bedeutet

Roman Ohneberg hat in der eigenen Familie erlebt, was es bedeutet, einen Demenzkranken zu pflegen. Es war sein Schwiegervater, der zuhause versorgt wurde. Das war ein enormer Kraftakt. Vielen Familien geht das ebenso, sie brauchen möglichst wohnortnahe Hilfe.

Ohneberg hat sich fachlichen Rat besorgt. Markus Riker gehörte dazu, der beim Roten Kreuz in Mindelheim lange Jahre Sozialgerontologe war. Oder Raimund Steber, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Memmingen. Die beiden waren so angetan von der Idee einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in Salgen, dass sie dem neu gegründeten Verein „Freunde neuer Wege zum Wohnen wie Zuhause“ beigetreten sind. 18 Mitglieder zählt der Verein. Das ganze Projekt ist inzwischen also auf eine gemeinnützige Ebene gehievt worden. Das Projekt muss sich tragen, aber keinen Profit abwerfen.

Die größte Hürde war, ausreichend Mittel zusammenzukratzen. Auf 1,5 Millionen Euro kommt der Umbau. Die Hälfe davon wird finanziert, also von der Bank geliehen. Der Rest setzt sich aus Eigenkapital, Fördergeldern und Spenden zusammen. 160 000 Euro an Spenden hat der Verein bereits einsammeln können, dem Ohneberg vorsteht. Seine Stellvertreter sind Riker und Steber. Ferner gehören dem Verein der Bankbetriebswirt Anton Götzfried, der Mindelheimer Steuerberater Hans A. Weber, die Industriekauffrau Drita Schneider und der Rentner Alfons Kerler an. Dieser Verein ist Träger des Projekts und mittlerweile auch Besitzer der alten Gastwirtschaft.

Mittel steuert auch das Amt für ländliche Entwicklung in Krumbach aus dem Topf „Kleinstunternehmen“ bei. Das sind 200 000 Euro. Und weitere 60 000 Euro kommen über die Dorferneuerung Pfaffenhausen. 125 000 Euro hat die Bayerische Landesstiftung zugesagt. Und auch das Bayerische Sozialministerium, der Landkreis Unterallgäu und die Antenne-Bayern-Stiftung haben namhafte Beträge beigesteuert. Knapp 180 000 Euro haben Firmen und Privatleute gespendet. Weitere Hilfe ist immer willkommen, sagt Ohneberg. Spenden sind übrigens steuerlich absetzbar.

Das Projekt in Salgen benötigt viel Eigenleistung

Von März an kann das Gebäude entkernt werden. Weil Roman Ohneberg und seine Mitstreiter viel in Eigenleistung machen wollen, wären sie froh über den einen oder anderen, der mithelfen würde. Die Holzdecken müssen entfernt werden, der Schutt aus dem Gebäude gebracht werden. Für Ende Juni, Anfang Juli ist der Spatenstich für den Umbau des Gebäudes vorgesehen. Dazu will Ohneberg auch die Bevölkerung einladen.

Fertig soll der Umbau für die elf Plätze im September 2020 sein. Dann können die ersten Mieter einziehen. Ab Januar 2020 soll es in Salgen eine Demenzbegleiterschulung geben, die über zehn Abende geht. Die Ehrenamtlichen werden dann mit acht Euro pro Stunde vergütet.

Wer helfen kann oder weitergehende Informationen wünscht, wird gebeten, sich mit dem Vorsitzenden Roman Ohneberg in Verbindung zu setzen. Tel.: 08268/758, Mobiltelefon 0176 600 40 332 oder per E-Mail: r.ohneberg-zaisertshofen@t-online.de.

Noch mehr über die Entstehung des Sozialprojekts in Salgen erfahren Sie hier:

Es fehlt nur noch ein letzter Schritt

Wohngemeinschaft für Demenzkranke in Salgen rückt näher

In Salgen soll ein Wohnprojekt für Senioren entstehen

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