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Türkheim

15.07.2020

Sozialwohnungen in Türkheim: Sparsam und nachhaltig?

Auf diesem Grundstück an der Keltenstraße sollen nach dem Willen der Marktgemeinde Türkheim 16 Sozialwohnungen neu gebaut werden. Dafür wird das bestehende Gebäude (links) abgerissen.

Plus Der geplante Neubau der Sozialwohnungen am Keltenweg sorgt im Gemeinderat für Diskussionen. Vor allem die Frage, ob ein Aufzug eingebaut werden soll, treibt die Türkheimer Gemeinderäte um.

Seit dem Verkauf der gemeindeeigenen Sozialwohnungen am Auenweg und in der Laternenstraße plante die Marktgemeinde den Bau von 15 neuen Sozialwohnungen am Keltenweg. Der Gemeinderat hatte sich bei einem ähnlichen Projekt in Ottobeuren ein Bild gemacht, um eine dortige, entsprechende Anlage „vor Ort zu studieren“. Im Gemeindehaushalt sind dazu aktuell 2,5 Millionen Euro angesetzt, wie Bürgermeister Christian Kähler auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte: „Ein Förderantrag dazu wird natürlich auch gestellt“, so Kähler. Der Baubeginn kann aber erst stattfinden, wenn die jetzigen Bewohner des Hauses Keltenweg 40 ausgezogen sind. Dieses Haus wird dann abgerissen.

16 Wohnungen für sozial schwächer gestellte Türkheimer

Bei der Vorstellung der Pläne im Türkheimer Gemeinderat ging es in erster Linie um die Grundrisse der zukünftigen Wohnungen, um die Dachform, um Aufzug ja oder nein, und um die Einrichtung von Pkw-Stellplätzen. Im Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachgeschoss sind jeweils eine Vierzimmer-, zwei Dreizimmer- und zwei Zweizimmer-Wohnungen vorgesehen. Eine Vierzimmer-Wohnung im Obergeschoss könnte auch in zwei Einzimmer-Apartments für Wohngemeinschaften aufgeteilt werden. Behindertengerecht ist nach dieser Planung das Erdgeschoss. Barrierefrei wären die zwei oberen Stockwerke nur, wenn es einen Aufzug gäbe.

Lesen Sie dazu auch: Neuer Eigentümer für alte Sozialwohnungen

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An dieser Frage, ob ein Aufzug für ein Haus mit Sozialwohnungen Luxus sei, erhitzten sich die Gemüter der Markträte. Myriam Erhardt (Wählervereinigung) dachte dabei vor allem an die Bedürfnisse älterer Bewohner. Christian Schreiber ( CSU) schlug vor, die Mittel für angedachte Carports einzusparen und sie stattdessen in einen Aufzug zu stecken. Der von der Gemeinde beauftrage Planer gab zu bedenken, dass es nicht nur die Kosten von etwa 50.000 Euro für den Einbau eines Aufzugs seien, sondern es müsse auch mit 3500 bis 4000 Euro jährlich für den Unterhalt gerechnet werden. Diese Summe müsste dann auf die Mieter umgelegt werden.

Auf die freie Fläche des zu bebauenden Grundstücks, angrenzend an die Laternenstraße, soll der schon bestehende Kinderspielplatz verlagert werden. Für die Wertstoff-Sammelstelle muss dann ein anderer Standort gefunden werden.

Schließlich wurde über den Vorschlag von Türkheims Bauamtsleiter Christian Schinnagl abgestimmt, einen Aufzugs-Schacht für eine spätere Verwendung vorzuhalten, mit zwölf Stimmen dafür und neun dagegen. Und das, nachdem der Plan einer Umsetzung mit Aufzug von Anfang an mit zwölf Gegenstimmen keine Mehrheit gefunden hatte. So bleibt die Option, über diesen Schacht zu einem späteren Zeitpunkt endgültig über einen Aufzug zu entscheiden und eventuell nachzurüsten.

Der finanzielle Aspekt sei für den Bau von Sozialwohnungen für eine Gemeinde nun mal entscheidend. Deshalb solle auf „Luxus“ verzichtet werden, hieß es. In diesem Sinne äußerten sich mehrere Gemeinderatsmitglieder, unter anderem Peter Ostler (Wählervereinigung). „Über 60 Jahre lang gab es zwei Häuser im Sozialwohnungsbau in Türkheim, und da wurde nie irgendetwas modernisiert“, gab er zu bedenken. Das Planungsbüro führte Beispiele für „Luxus“ an: also Balkons, halb überdacht? Nein. Gauben und Loggien dagegen: Ja.

Was ist Luxus? Und was muss eine moderne Sozialwohnung bieten?

Luxus Ja: Carports, Nein: Stellplätze für die Autos. Die Anzahl dieser Stellplätze ist nach dem Baurecht vorgegeben mit einem pro Wohnung, obwohl „nicht zu viele in diesem Haus ein Auto haben werden“ (Arnold). Bürgermeister Christian Kähler schlug vor, wenigstens einen Teil der Stellplätze als Carports zu bauen, was natürlich teurer käme. Andere wie Markus Jakwerth ( Freie Wähler) meinten, dass „Carports für Sozialwohnungen auf keinen Fall gingen“.

Zur Diskussion stand auch die Idee, einige der geforderten Stellplätze vom Grundstück an die Laternenstraße zu verlegen. Die vier etwa 30-Jährigen Bäume entlang des Gehsteigs dürften allerdings nicht gefällt werden. Aber wenn die Straße mit zukünftigen Stellplätzen an dieser Stelle enger gebaut würde, könnten die Bäume stehen bleiben und auch der Gehweg davor müsse nicht verlegt werden. Diese Parkmöglichkeiten kämen auch andern Fahrzeugen und Spielplatzbesuchern zugute.

Lange Diskussionen gab es auch um die Form des Dachs. Das sollte zur Umgebung passen und möglicherweise mit Solarpaneelen nachrüstbar sein, „weil Solaranlagen für Sozialwohnungen nicht gefördert werden.“ (Michaela Vaitl-Scherer, Wählervereinigung). Zur Wahl standen ein flaches Pultdach und ein herkömmliches Satteldach. Josef Vogel (Freie Wähler) legte den größten Wert darauf, dass sich das vorgesehene Dach in seine Umgebung einfügen sollte. Anna-Kristin Josten (Grüne) sprach sich für ein Pultdach aus, weil es in seiner Größe nicht so massiv wirke.

Am Ende wurde im Marktrat zu den drei übergeordneten Themen Gebäude, Stellplätze und Lage des Spielplatzes im Grundsatz entschieden. Über die notwendige Verlegung des Spielplatzes herrschte Einigkeit. Mit zwei Gegenstimmen wurde dann der Plan für drei Geschosse und für ein Pultdach angenommen. Einstimmig votierten die Gemeinderäte für die Zahl von 16 Wohnungen insgesamt. Ebenfalls einstimmig wurde für einen Stellplatz pro Wohneinheit gestimmt. Über eventuelle Carports gab es keine Entscheidung. Auch die Abstimmung, wo denn nun die 16 Stellplätze hinkommen sollten, wurde auf später verschoben.

Lesen Sie dazu auch die gegensätzlichen Meinungen unserer Kommentatoren:

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