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Unterallgäu

08.11.2019

Sperrzone Allgäu: Im Kälberhandel brechen Erlöse ein

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Ein Virus löst die Blauzungenkrankheit aus.
Bild: dpa

Obwohl im Allgäu keine Fälle der Blauzungenkrankheit bekannt sind, gelten weiter strenge Regeln für den Verkauf der Tiere. Das macht Bauern zu schaffen.

Landwirte, die Kälber und Kühe verkaufen möchten, haben es schwer. Weil es in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Fälle der Blauzungenkrankheit (BT) gab, gehört fast das gesamte Allgäu seit Januar zu einer Sperrzone, die auf zwei Jahre festgesetzt wurde. Für den Verkauf von Tieren aus diesem Gebiet heraus gelten strenge Regeln. „Die Situation pendelt sich nicht ein, es gibt deutliche Umsatzrückgänge“, sagt Thomas Bechteler, Geschäftsführer der Allgäuer Herdebuchgesellschaft.

Auch Dr. Thomas Brunner vom Oberallgäuer Veterinäramt spricht von „teilweise katastrophal gesunkenen“ Erlösen der Landwirte: „Das Allgäu ist ein Milcherzeugungsgebiet, die Kühe werden daher jährlich gedeckt.“ Nur ein Bruchteil werde zur Nachzucht gebraucht, der Rest werde verkauft. Im Schnitt ersetze ein Landwirt jährlich ein Viertel seiner Milchkühe, so Bechteler. Etwas mehr als die Hälfte der weiblichen Kälber bleibe meist im Bestand, die andere Hälfte werde aufgezogen und verkauft. Männliche Tiere würden meist direkt als Nutzkälber vermarktet.

Pro Kalb gibt es Preisrückgänge von etwa 60 Euro

Das gestaltet sich derzeit aber ausgesprochen schwierig. Nicht geimpfte Kälber dürfen nur innerhalb der Sperrzone verkauft werden. Die Impfrate im Oberallgäu liegt bei 63 Prozent, sagt Brunner. „Wenn ein Drittel der Tiere nur innerhalb der Zone verkauft werden kann, wird es auf dem Markt eng und die Preise sinken.“ Bechteler kann das bestätigen: „Pro Kalb gibt es Preisrückgänge von etwa 60 Euro im Vergleich zum Vorjahr.“ Je nach Rasse, Geschlecht und Marktsituation koste ein Tier etwa 180 Euro.

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Um ein Kalb in Gebiete ohne BT-Virus zu verkaufen, gibt es laut Brunner zwei Möglichkeiten: Die Impfung der Mutterkuh muss vier Wochen vor dem Abkalben abgeschlossen sein. Das Kalb muss dann aber zusätzlich untersucht werden. Alternativ muss die Impfung 60 Tage vor der Besamung abgeschlossen sein. Kühe sind etwa neun Monate lang trächtig, ein Bauer müsste also ein Jahr vor der Geburt des Kalbes wissen, ob er das Tier behalten oder verkaufen möchte. Auch für Großtiere sind die Regeln komplex. Brunner rät, bei der Impfung nicht zu spekulieren. Mittlerweile sei wieder genug Impfstoff vorhanden. Anfang des Jahres war dieser noch knapp – was laut Bechteler dazu führte, dass viele Tiere ungeimpft auf die Alpe gingen und somit nicht immunisierte Kälber zur Welt brachten.

In Deutschland trat die Blauzungenkrankheit 58 Mal auf - im Allgäu noch nie

Im Allgäu hat es bislang keinen Fall von Blauzungenkrankheit gegeben, sagt Brunner. In Deutschland seien 58 bekannt. Tritt die Erkrankung auf, werde eine Sperrzone von 150 Kilometern eingerichtet. „Grotesk groß“, so der Veterinär. Bechteler wünscht sich eine neue Risikobewertung, die zur Aufhebung oder Verkleinerung der Zone führt – zumal seit Januar im Allgäu 80.000 Kälber für gesund befunden worden seien. Der Handel müsse erleichtert werden, fordert der schwäbische Bauernverbandschef Alfred Enderle: „Österreich macht es vor.“ Dort seien viele Kälber negativ getestet worden, eine Sperrzone gebe es nicht. Er hofft auf eine neue Risikobewertung des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit.

Zur BT kommt ein verschärftes Vorgehen bei Tiertransporten ins Ausland. Fahrten nach Spanien etwa würden von schwäbischen Veterinären aus Tierschutzgründen nicht mehr abgefertigt, sagt Brunner. Der Allgäuer Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz fordert in einem Brandbrief an die Landes- und Bundesregierung „praxisgerechte Lösungen“. Wegen der Preise blieben mehr Kälber als üblich in den Ställen, für die es aber kaum Platz gebe „Damit wird ein neues Tierschutzproblem geradezu provoziert.“

Hier können Sie sich über Landwirtschaft im Unterallgäu informieren:

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