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15.12.2010

Sprechende Tiere, große Gefühle und die Macht des Schicksals

Sprechende Tiere, große Gefühle und die Macht des Schicksals

Muriel Morschewsky (41) ist in Langenburg im Hohenlohischen aufgewachsen. Die Landschaft zwischen Tauber und Jagst mit ihren verwunschenen Burgen, tiefen Tälern und einsamen Wäldern hat den Keim gelegt zu ihrer überbordenden Fantasie.

Statt einen kommunalen Kindergarten zu besuchen, wurde die Arzttochter zusammen mit den Kindern des Langenburger Fürsten im Schloss von der englischen Nurse betreut. Kein Wunder, dass sie noch heute an Märchen glaubt.

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Später, als Schülerin in München, singt sie im Kinderchor der Bayerischen Staatsoper, erlebt zahllose Opernaufführungen mit und kennt nichts Aufregenderes, als durch die geheimnisvoll verschlungenen Gänge des Opernhauses mit all den Kostümen, Requisiten, Ballettsälen und alten Bühnenbildern zu spazieren.

Die Musik ist Muriel Morschewskys große Liebe

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Als Oboistin und Sängerin kehrt sie später an die Oper zurück und spielt in Spitzenorchestern unter Lorin Maazel und Ricardo Muti. Die Musik ist bis heute ihre große Liebe, obwohl sie irgendwann einsieht, dass das ständige Herumreisen auf Tourneen und der Konkurrenzkampf in der Musikerszene ihr Ding nicht ist. Die Entscheidung fällt an einem Sommertag. Muriel ist zu einem Vorspielen angemeldet. Ihr graut mal wieder davor, sich beweisen und durchsetzen zu müssen. Ein paar Stunden vor Abfahrt liegt sie in der Wiese, über ihr ein Blätterdach, um sie herum turnen zwei junge Kätzchen. Sie ist glücklich. Und plötzlich weiß sie: Die Orchestermusik, das ist nicht mein Leben. Ich fahr da nicht hin.

Sie macht eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, arbeitet zwei Jahre in Bad Wörishofen, befasst sich zusätzlich mit Pferde-Physiotherapie. Muriel entdeckt ihre große Liebe, den Barocktrompeter Patrick Henrichs, der im Nebenberuf als Huftechniker mit einer fahrbaren Schmiede in ganz Bayern unterwegs ist; eine wohl einmalige, ziemlich heiße Kombination. Die Liebe zur Musik und zu Tieren verbindet die beiden. Sie finden 2002 ein Zuhause in Rammingen - ein kleines Paradies am Dorfrand mit vier Pferden, sechs Hühnern, drei Gockeln, vier Lauf-enten, zwei Corgies und sieben Katzen.

2005 wird Sohn Xaver geboren. Und Muriel verwirklicht nun endlich jene Idee, die ihr damals auf der Sommerwiese kam: Ein Buch schreiben, das ihre Leidenschaft für die Oper weiter gibt, und in dem ihre geliebten Tiere die Hauptrolle spielen. Allen voran die Katzen. So entsteht "Die Katzenoper", 400 Seiten stark, soeben erschienen im Mindelheimer Verlag Polymnia Press und versehen mit einem reizenden, von Muriel selbst entworfenen Cover.

Muse und Held der Geschichte ist der Kater Pimpernell

Ihre Muse und die Hauptperson im Roman ist der würdevolle graue Kater Pimpernell. Muriel ist überzeugt, dass er Gedanken lesen und Klavier spielen kann. Geschenkt bekam sie ihn als Katzenkind von Rammingens Bürgermeister Schwele. Während des Schreibens entwickelte die Geschichte ein Eigenleben. Die Figuren, versichert die Autorin, "erwachten auf fast mystische Weise zum Leben." Erzählt wird, wie die jungen Katzen Hook und Noodles, die in einem Musikerhaushalt leben, von der Musik Giuseppe Verdis dazu inspiriert werden, eine eigene Oper zu schreiben.

In den Sog des Unternehmens geraten nach und nach alle Tiere der Umgebung, von den Mäusen und der Amsel Amelie bis hin zu den Kühen von Bauer Lämmle, und auf geheimnisvolle Weise auch die Menschen. Der Verdi-Virus erfasst alle. Das Leben wird zur Oper, die Oper zum Leben. Denn, so findet Muriel Morschewsky: "Unser Alltag ist geprägt von den großen Gefühlen, von Liebe, Leidenschaft, Enttäuschung, Hass, Intrige...". Mit einem Wort: von der Macht des Schicksals. Muriel lässt ihrer Fantasie freien Lauf und eröffnet nicht nur Kindern, sondern auch deren Eltern einen erfrischenden, humorvollen Zugang zur großen romantischen Oper.

Inzwischen arbeitet Muriel Morschewsky längst an neuen Projekten. Eines davon ist das Märchen vom Glücksdrachen Haschlowa, wo es um Gitarrenmusik und um den Wandel von der Ritterzeit zur Renaissance geht. Drachenbilder bedecken die Wände der Wohnung, nicht wenige vom fünfjährigen Xaver gezeichnet, der dem Drachen auch den Namen gegeben hat.

Xaver, genau wie seine Mutter, birst vor Ideen. Er liebt ihre Geschichten. Wenn sie eine Lesung hält, ist er dabei. Und sagt: "Mama, gell, wir sind Profis!"

Lesung Am heutigen Donnerstag um 18 Uhr hält Muriel Morschewsky in der Sieben-Schwaben-Buchhandlung Türkheim eine musikalische Lesung aus ihrem Buch "Die Katzenoper".

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