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Markt Wald

11.12.2018

Spricht ein unbekannter Mann in Markt Wald Kinder an?

Mit seiner Meldung, dass sich am Montag ein dunkel gekleideter Mann Zutritt zur Grundschule Markt Wald verschafft habe, der zuvor schon mehrere Kinder angesprochen habe, hat ein Vater viele Eltern verunsichert. Laut Polizei und Schule hat es diesen Vorfall jedoch nie gegeben. Auch an einem anderen Vorfall mit dem Unbekannten gibt es Zweifel.

Ein dunkel gekleideter Mann mit dunkler Hautfarbe soll sich sogar Zutritt zur Schule verschafft haben. Es gibt jedoch Zweifel an der Geschichte.

Für große Aufregung hat am Montagabend ein Facebook-Eintrag gesorgt, der sich an alle Eltern aus Markt Wald und Umgebung richtete. Ein Vater berichtete darin von einem Unbekannten, der an der Grundschule Markt Wald Kinder anspreche und auch versucht habe, sie mit Süßigkeiten in eine Gerätehäuschen zu locken. Am Montag soll sich der Unbekannte dann Zutritt zur Schule verschafft haben und sei von Lehrern bemerkt worden, die die Polizei alarmierten. Bis diese eintraf, sei der Mann aber wieder verschwunden.

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Mehrere besorgte Eltern meldeten sich daraufhin bei der Mindelheimer Zeitung. Nach einem Gespräch der MZ mit der zuständigen Polizeiinspektion Bad Wörishofen stellt sich allerdings die Frage, ob diese Sorge wirklich begründet ist. „So weit es die Polizei beurteilen kann, ist an der Sache nichts dran“, hieß es dort. Es hätten sich in den vergangenen Wochen keine Eltern gemeldet, deren Kinder von einem Unbekannten angesprochen wurden oder die mit Süßigkeiten in ein Gerätehäuschen hätten gelockt werden sollen. Und weder dem Rektor der Grundschule noch einem der Lehrer oder der Kinder sei am Montag ein Unbekannter an der Schule aufgefallen. Entsprechend sei auch die Polizei nicht informiert worden.

Ein dunkelhäutiger Mann soll den Schwestern in Markt Wald Süßigkeiten angeboten haben

Stattdessen habe sich am Montag über das Kontaktformular der Polizeiinspektion der Verfasser des Facebook-Eintrags gemeldet. Dieser hatte geschrieben: „Im September 2018 wurde meine zehnjährige Tochter von einer schwarz bekleideten männlichen Person mit dunkler Hautfarbe angesprochen und es wurden ihr Süßigkeiten angeboten, doch meine Tochter bemerkte die Gefahr und lief davon.

Spricht ein unbekannter Mann in Markt Wald Kinder an?

Vor ca. drei Wochen wurde meine siebenjährige Tochter beim Nachhauselaufen von der gleichen männlichen Person gebeten, mit ihr mitzukommen, und auch dabei wurden ihr Süßigkeiten angeboten. Letzte Woche hat wieder derselbe Mann – schwarz bekleidet mit dunkler Hautfarbe –, eine Schülerin in Markt Wald, die mit meiner Tochter in die gleiche Klasse geht, angesprochen. Laut Aussage des Kindes hat der unbekannte Mann sie mit Süßigkeiten in ein Gerätehäusle locken wollen, dabei lief auch sie schreiend weg und erzählte es der Mutter. Die Polizei in Bad Wörishofen wurde in Kenntnis gesetzt.

Heute, den 10.12.2018, bemerkten die Lehrer der Markt Walder Schule einen Mann, auf den die Beschreibung laut Aussage der Kinder passte. Dieser unbekannte Mann hatte sich während der Schulzeit Zutritt zu der Schule verschafft. Die Lehrer riefen die Polizei, doch der Unbekannte konnte fliehen. Meine Bitte an alle Eltern ist, sofern es möglich ist, ein Schulweg-Gemeinschaft zu bilden. Umso mehr Kinder in einer Gruppe sind, um so kleiner ist die Gefahr, dem Unbekannten in die Hände zu fallen.“

Der Unbekannte in dem Carport in Markt Wald entpuppte sich als dessen Besitzerin

Ein Polizist sei daraufhin noch am Montag zur Schule gefahren und sei mit den Kindern, die der angebliche Unbekannte vergangene Woche auf dem Schulweg mit Süßigkeiten in ein Gerätehäuschen locken wollte, diesen Weg abgelaufen. Dabei stellte sich laut Polizei heraus, dass die Kinder – wohl aus Neugier und aus freien Stücken – durch die nur angelehnte Tür eines Carports geschaut haben. Als sie dort eine dunkel gekleidete Person sahen, erschraken sie und rannten schnell davon. Die Ermittlungen der Polizei ergaben jedoch, dass es sich keineswegs um einen ominösen Unbekannten handelte, sondern lediglich um die Besitzerin des Carports, die dort ihr Altpapier sortiert und die Kinder auch bemerkt hatte.

Roland Bock, der Rektor der Grundschule, wurde von den angeblichen Vorkommnissen an seiner Schule ebenfalls am Montagabend auf Facebook überrascht – und wunderte sich. Ihm war nichts dergleichen bekannt und auch als er am Dienstag bei seinen Kollegen und den Schülern nachfragte, blieb es dabei: Niemand hatte einen Unbekannten an der Schule bemerkt oder gar die Polizei verständigt. „Das stimmt zu 100 Prozent schon mal nicht“, so Bock.

Der Rektor versucht in einem Elternbrief, die Markt Walder Eltern zu beruhigen

Er sah sich gezwungen, sich seinerseits mit einem Elternbrief an die Eltern zu wenden. Darin schreibt er unter anderem: „An unserer Grundschule gab es keine Vorkommnisse, die die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler gefährdeten. Die oben genannten ,Vorkommnisse‘ an unserer Schule am 10.12.2018 haben nicht stattgefunden! (...) Eine Gefahrenlage bestand zu keiner Zeit!“ Zudem verweist Bock auf das Sicherheitskonzept der Schule: Demnach seien die Schulräume ab 8.10 Uhr versperrt. Wer in die Schule wolle, müsse vorher klingeln. „Das Schulhaus ist also jederzeit sicher und Ihre Kinder werden auch in der Pause von zwei Lehrkräften beaufsichtigt.“

Als Familien- und zweifacher Großvater könne er die Ängste der Eltern durchaus nachvollziehen, sagte Bock im Gespräch mit der MZ. Er hätte sich aber gewünscht, dass sich der Vater, der den Fall auf Facebook veröffentlicht hat, erst einmal mit der Schule in Verbindung gesetzt hätte. In einem Telefonat am Dienstagvormittag habe der Mann dann eingeräumt, dass ein Schüler, dessen Namen er nicht nennen wollte, ihm von dem Unbekannten an der Schule erzählt habe. Letztlich entschuldigte er sich, dass er wohl überreagiert habe und löschte den Eintrag. Für eine Stellungnahme gegenüber der MZ war der Vater gestern nicht zu erreichen.

Seinem Rat, Schulweggemeinschaften zu bilden, schließt sich die Polizei übrigens an. Sollte den Kindern oder Eltern etwas auffallen, sollen sie sich jedoch umgehend bei der Polizei melden – und nicht erst nach drei Wochen über das Kontaktformular.

Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier: Unbekannter an Schule in Markt Wald: Vorsicht ist geboten

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